Ernährungsprojekt im Sudan

Sudan: Sicherung der Ernährung und Lebensgrundlagen

Nach jahrelangen Konflikten befindet sich der Sudan in einer tiefen Wirtschaftskrise. 60 Prozent der Bevölkerung leben in extremer Armut. Ein Viertel ist von Mangelernährung bedroht; 2.7 Millionen Kinder sind akut unterernährt. Gemeinsam mit dem Sudanesischen Roten Halbmond trägt das DRK in der Region Girba dazu bei, die Ernährungs- und Erwerbssituation der Betroffenen zu verbessern.

Die Ernährungskrise betrifft sowohl Einheimische als auch geflüchtete Menschen, von denen mehr als 118.000 im Bundesstaat Kassala Zuflucht gefunden haben. Dort unterstützt das DRK insgesamt 44.445 Menschen - insbesondere Frauen, Jugendliche, Menschen mit Behinderung und von Armut betroffene Familien - in den Gemeinden Girba und Kilo 26 Arab sowie zwei Aufnahmezentren für Geflüchtete in direkter Nachbarschaft.

Eine verbesserte Ernährung und sichere Lebensgrundlagen tragen gleichzeitig dazu bei, die soziale und ökonomische Lage der Betroffenen zu stabilisieren.

Ressourcenschonende Landwirtschaft und Gartenbau

Wir unterstützen die Bevölkerung dabei, neue ressourcenschonende Methoden in der Landwirtschaft und im Gartenbau anzuwenden – etwa organischen Dünger zu nutzen, Gemüsegärten anzulegen, Bäume zu pflanzen oder Wasserspeicher für die Felder zu errichten.

Neue Einkommensquellen und Existenzgründungen

Zur Sicherung des Lebensunterhalts bieten wir berufliche Schulungen an, die den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sich beispielsweise in der KFZ-Mechanik, im Bäcker- oder Schneiderhandwerk eine Existenz aufzubauen. Ergänzend erhalten sie finanzielle Starthilfen. Zudem führen wir „Cash-for-Work“- Maßnahmen durch, um die gemeinschaftliche Infrastruktur zu verbessern: Für ihre Arbeit, zum Beispiel bei der Rekonstruktion von Dämmen, erhalten die Mitwirkenden eine Vergütung.

Aufbau von Spar- und Kreditgruppen

Damit die Menschen Kosten für künftige Anschaffungen, Reparaturen oder andere Dinge tragen können, fördern wir den Aufbau von Spar- und Kreditgruppen. Vor allem Frauen sollen dadurch finanzielle Stabilität erlangen.

Friedliches Zusammenleben und Gemeindezentren

Ein Ziel unserer Arbeit ist es, das friedliche Zusammenleben zu stärken. So planen und verwirklichen wir unsere Aktivitäten gemeinsam mit allen Beteiligten. Dazu gehörten z.B. Bau und Instandsetzung von Gemeindezentren zur gemeinsamen Nutzung. 

Fallbeispiele und Fotogalerie

„Diese wertvolle Hilfe hat unsere Lebensgrundlagen verbessert“

Um die Lebensgrundlagen geflüchteter Menschen und Mitglieder der Aufnahmegemeinden im Ostsudan zu verbessern, hat der Sudanesische Rote Halbmond gemeinsam mit dem DRK kleine Unternehmen mit zweckgebundenen Bargeldtransfers gefördert. Ziel ist es, dass die Menschen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können und unabhängiger von humanitärer Hilfe werden. Wir stellen die Geschichten von zwei Frauen vor.

Aisha: Handel mit Handtaschen und Sandalen

Aisha Yosef Adam ist eine von 50 Frauen mit einem Kleinunternehmen, die Unterstützung erhalten haben. Sie lebt in Girba und zieht ihre sieben minderjährigen Kinder alleine auf. Bereits vor dem Projekt hatte Aisha ein kleines Geschäft, um ihre Familie zu ernähren. Sie verkaufte Handtaschen und Sandalen. Zudem bot sie ihre Waren und selbst zubereitete Lebensmittel jeden Morgen auf einem kleinen Markt in der Nähe ihres Hauses an.

Aisha hat mit Unterstützung des Projektes einen Geschäftsplan entwickelt, wie sie den Bargeldzuschuss investieren würde. Als dieser genehmigt wurde, erhielt Aisha 90.000 Sudanesische Pfund (SDG; rund 154 €; Stand 14.11.2022). Sie kaufte verschiedene Schuhe, die gut bei ihren Kunden ankamen, und konnte so ihren Gewinn deutlich steigern. Aisha erzählt, dass ihr monatliches Einkommen auf 65.000 SDG (rund 111 €, Umrechnung vom 14.11.2022) angestiegen ist.

Damit konnte sie einige Möbel für ihr Haus kaufen und die medizinische Behandlung für ein Familienmitglied unterstützen. Das Wichtigste für sie ist jedoch, dass sie ihren Kindern zum Schulstart Arbeitsmaterialien kaufen konnte.

„Ich danke dem Roten Halbmond für diese wertvolle Hilfe“, sagt Aisha. „Ich hoffe, dass noch mehr Familien in meiner Region eine solche Unterstützung erhalten.“

Afifa: Handwerkskunst aus Farnwedeln

Auch Afifa Ahmed war eine Teilnehmerin an der Bargeldtransfer-Komponente des Projektes. Ihr Unternehmen konzentriert sich auf Handwerkskunst. Bisher verkaufte sie ihre aus Farnwedel hergestellten Produkte zuhause und konnte nur wenig dazu beitragen, die Gesamthaushaltsausgaben zu decken.

Die sechsfache Mutter, die mit ihrem Mann und ihren Kindern in Kilo 26 Arab Village lebt, hat dem Sudanesischen Roten Halbmond und dem DRK im Zuge des Projekts einen Geschäftsplan vorgelegt. Die Mitarbeiter haben Afifa zu Hause besucht und geprüft, ob der Geschäftsplan realisierbar ist. Schließlich erhielt auch Afifa 90.000 Sudanesische Pfund (SDG; rund 154 €; Stand 14.11.2022 ).

Die Unternehmerin kaufte damit neues Werkzeug, Ausrüstung und Rohstoffe, die es ihr ermöglichten, das Geschäft auszubauen. Während sie ihre Produkte vorher lediglich auf Anfrage herstellen konnte, – produziert sie die Waren nun im Voraus. Afifas Umsatz ist beträchtlich gestiegen, genauso wie die Vielfalt ihrer Produkte.

Mit ihren Unternehmen erzielt Afifa jetzt ein Einkommen von 70.000 Sudanesischen Pfund (rund 118 €; Stand 15.11.2022) pro Monat. Ihre Familie konnte sich damit einen lang gehegten Traum verwirklichen: Einen Stromanschluss.

Projekt

Region

Girba, Bundesstaat Kassala

Volumen

1.537.778,25 Euro

Finanzierung

BMZ, Deutsches Rotes Kreuz / Spenden

Partner

Sudanesischer Roter Halbmond

DRK-Blog: Schulen für vertriebene Kinder

Vom Klassengebäude bis zum Wasserspeicher: Welche Verbesserungen das DRK in der Mädchenschule von Al Wifaq erreichen konnte, weiß Kristina Spaar zu berichten, denn sie war vor Ort.

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