
Die Rolle des Deutschen Roten Kreuzes in der NS-Zeit ist komplex und ambivalent. Auf den folgenden Seiten können Sie sich zu diesem schwierigen Thema informieren und erfahren, wie das DRK seine Geschichte aufarbeitet.

Das DRK setzt sich seit den neunziger Jahren kritisch mit seiner Rolle während der NS-Zeit auseinander. Es beauftragte die unabhängigen Historikerinnen Stephanie Merkenich und Brigitte Morgenbrod mit einer Studie, die 2008 unter dem Titel „Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur“ erschien.
Sie zeigt deutlich, dass das DRK sich den neuen Verhältnissen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten bereitwillig anpasste. In den folgenden Jahren wurde es schrittweise gleichgeschaltet und fest in den NS-Staat eingebunden. Missliebige Personen wurden ausgegrenzt, Führungspositionen gezielt mit Parteimitgliedern besetzt. Zugleich verlagerte sich der Aufgabenbereich von der Wohlfahrtspflege hin zur Unterstützung des militärischen Sanitätsdienstes. Das DRK entfernte sich in dieser Zeit von seinen humanitären Prinzipien; seine Hilfe orientierte sich nicht mehr primär an den Rotkreuzgrundsätzen der Menschlichkeit und Neutralität.
Die damalige Verflechtung von Rotkreuzarbeit und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ist auch für uns Heutige noch beschämend und schmerzhaft. Zugleich leisteten tausende Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler humanitäre Hilfe, und dies oft unter schwierigsten Bedingungen. Wir stellen uns unserer Vergangenheit offen und verantwortungsvoll, damit wir nie wieder so handeln. Wir stehen für Menschlichkeit und treten jeder Form von Ausgrenzung entschieden entgegen.
DRK-Präsident Hermann Gröhe