Gruppenbild einer Sanitätskolonne 1932

Arnold Levy

Kolonnenführer

Nach dem Ersten Weltkrieg hat die Sanitätskolonne in Berlin-Britz nur mehr ein Schattendasein geführt. Erst als 1927 Arnold Levy als Arzt gewonnen werden kann, beginnt „der großartige Aufstieg der Kolonne“, wie das Neuköllner Tagblatt damals regelrecht schwärmt. Dank seinem pädagogischen Talent wächst sie bis 1932 auf sechzig Mann und sechzehn Helferinnen an. Seine Lehrkurse sind gut besucht, seine Werbung für den Rotkreuzgedanken zeitigt Erfolge. Ein Krankenrettungsauto kann angeschafft und eine neue Sanitätswache bezogen werden. Mehrere Mitglieder erhalten aufgrund ihrer guten Ausbildung eine Stellung als Betriebssanitäter. „Kolonne Britz, schnell wie der Blitz!“, dieser Spruch macht bald in ganz Berlin die Runde.

Im Juli 1933 erscheint der SA-Mann Alfred Lange gegen Ende der Sprechstunde in Levys Praxis. Er stellt sich als ärztlicher Kollege vor und fordert ihn auf, ihn ins SA-Heim zu begleiten. Dort stoßen ihn mehrere Männer die Kellertreppe hinunter, verrenken ihm dreißigmal den Arm und prügeln ihn grün und blau. Während das Opfer drei Wochen im Krankenhaus zubringen muss, wird Lange zum Sanitätsobersturmbannführer befördert. 

Levy flieht mit seiner Familie erst nach Italien und dann in die USA, wo er sich im Nordwesten des Bundesstaates New York niederlässt. Anfangs praktiziert er als Arzt, übernimmt dann Ämter in der regionalen Gesundheitsverwaltung. Auch wenn er seinen Namen in Arnold J. Lee ändert und sogar seine Religion wechselt – einer Leidenschaft bleibt er auch dort unbeirrbar treu: Er engagiert sich im Amerikanischen Roten Kreuz.

Ende der achtziger Jahre versucht Hans-Joachim Trümper, Gründer des Berliner Rotkreuzmuseums und selbst Britzer, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Er möchte an vergessene Figuren der Berliner Rotkreuzgeschichte erinnern. Wie sich herausstellt, ist Levy bereits einige Jahre zuvor verstorben, doch seine Witwe Helene und seine Tochter Joanne können noch wertvolle Details zu seiner Lebensgeschichte beitragen, die seither im Museum aufbewahrt wird.

Stefan Schomann

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