Das heutige Alma-Münster-Haus um 1913
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Wittdün: „Durchatmen, Strand und Meer genießen“

Am 7. Juli 1913 weiht Irene Luise Maria Anna von Hessen und bei Rhein, die Gemahlin des Prinzen und Kaiserbruders Heinrich von Preußen, am Wittdüner Nordstrand auf Amrum ein Kinderheim des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz ein.

In der Zeitung heißt es dazu: „Unserem Bade wurde eine hohe Ehre zuteil durch den Besuch Ihrer Königl. Hoheit, der Frau Prinzessin Heinrich von Preußen. Mit Extradampfer Ballin traf höchstdieselbe nebst Exzellenz Graf Hahn, Fräulein von Oertzen [die Hofdame und engste Vertraute der Prinzessin], Exzellenz von Bülow, Herrn Landrat Rogge und anderen geladenen Gästen bei schönstem Wetter hier ein und wurde von den Spitzen der hiesigen Behörden an der Brücke empfangen. Hierauf erfolgte die Vorstellung des Vaterländischen Frauenvereins durch Frau Direktor Wolff [Ehefrau des Wittdüner Bürgermeisters und Kurdirektors]. Die Herzlichkeit und Leutseligkeit der hohen Frau wird unvergesslich bleiben. ... Unter der Ehrenpforte empfing eine reizvolle Gruppe junger Friesinnen mit einem Willkommenslied in heimatlicher Sprache die Fürstin, Fräulein Bendixen überreichte einen Blumenstrauß, und aus hunderten Kinderkehlen brauste ein begeistertes Hoch.“ Bei der Einweihung ergreift Probst Stoltenberg das Wort zu einer Weiherede. Abgeschlossen wird „der ereignisreiche Tag durch einen Fackelzug, den etwa 200 Kinder überbrachten. Sichtlich gerührt dankte die hohe Frau, welche vom Balkon des Kurhauses dem fröhlichen Treiben zuschaute, feierlich klang der Gesang der Nationalhymne zu ihr empor.“

Seit über hundert Jahren dient das Haus nunmehr als Erholungsort, zunächst nur für Kinder, später für Mütter oder Väter mit ihren Kindern. 1961 kann das Rote Kreuz die Einrichtung durch ein neues Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite erweitern: das Münsterhaus, benannt nach Alma Münster, der langjährigen Abteilungsleiterin für Sozialarbeit im DRK-Landesverband Schleswig-Holstein.

Aber die Zeit der reinen Kinderkuren geht langsam zu Ende. Nach viermonatigem Umbau entsteht in den achtziger Jahren ein Mutter-Kind-Kurheim, in dem bis zu sechzehn Mütter mit einem und vier mit je zwei Kindern Erholung finden können. Das Haus verfügt jetzt über Appartements mit Nasszellen, Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume sowie Speise- und Gruppenräume. Die Gesundheit der Mütter müsse allen am Herzen liegen, habe sie doch unmittelbare Auswirkung auf die ganze Familie, insbesondere auf die Kinder, erklärt die damalige Sozialministerin von Schleswig-Holstein, Ursula Gräfin Brockdorff, anlässlich der Einweihung des umgebauten Hauses. Das ehemalige Kinderheim in der Inselstraße 44 wird bald danach abgerissen; am 5. Dezember 1991 wird schließlich der Neubau eingeweiht.

Inzwischen sieht sich das Alma-Münster-Haus als ein DRK-Zentrum für Gesundheit und Familie. Es steht unter dem Motto: „Durchatmen, Strand und Meer genießen und neue Kraft schöpfen!“ Nach einer kompletten Sanierung 2008/09 bietet die Einrichtung bis zu siebenunddreißig Müttern – oder inzwischen auch Vätern – mit Kindern von sechs Monaten bis zwölf Jahren die Möglichkeit eines Kuraufenthalts mitten im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Der Amrumer Kniepsand zählt mit fünfzehn Kilometern Länge und bis zu anderthalb Kilometern Breite zu den größten Sandstränden Europas.

Adresse und Öffnungszeiten

Alma-Münster-Haus – Kurheim für Mutter, Vater und Kind
Inselstraße 44 und 53 
25946 Wittdün/Amrum

Tel.: 04682 330 oder freecall: 0800 6645691 
E-Mail: info-amrum@drk-sh.de 
Website: www.mutter-vater-kind-kur.org 
Öffnungszeiten: Das Haus dient als Kurheim und ist somit nicht einfach als Besichtigungsobjekt zugänglich. 

Tipps & Links

Weitere Orte mit früher Wohlfahrtsarbeit: Berlin (Schrebergärten), Hamburg (Warteschule), Lehrte, Loschwitz, Lychen und Saasa

Auch sehenswert: Die Insel Amrum liegt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und bietet einen breiten Dünengürtel, Salzwiesen, Marschgebiete, Heide- und Waldflächen sowie die typische Nordseefauna. Aber auch die kleinen kulturellen Besonderheiten wie der Leuchtturm von 1875 – der größte an der deutschen Nordseeküste –, die Windmühle in Nebel von 1770/71 – die älteste in Schleswig-Holstein – die St. Clemens-Kirche in Nebel mit ihren sogenannten sprechenden Grabsteinen oder der Nachbau eines eisenzeitlichen Hauses lohnen einen Besuch. (www.amrum.de)

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