Gaza

Endloser Ausnahmezustand

Zelte des Feldkrankenhauses

Seit drei Jahren leiden die Menschen im Gazastreifen unter einem bewaffneten Konflikt. Der Landstrich ist kaum wiederzuerkennen, so weitreichend ist die Zerstörung. In der großen Not spendet ein Provisorium immer noch Hoffnung: das Feldkrankenhaus des Roten Kreuzes in Rafah.

Inzwischen sind Neuigkeiten aus dem Gazastreifen in den Nachrichten in den Hintergrund geraten. Dabei ist die Situation nach wie vor dramatisch. Vor Ort ist das Leben von Mangel geprägt: Es fehlt an Essen, die Wasser- und Gesundheitsversorgung ist vielerorts zusammengebrochen. 

In dieser Extremsituation betreiben das Deutsche Rote Kreuz und 15 weitere nationale Schwestergesellschaften, der Palästinensische Rote Halbmond (PRH) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gemeinsam einen Ort der Hoffnung: das im Mai 2024 errichtete Feldkrankenhaus des Roten Kreuzes in Rafah. 
 

Zwei Jahre im Feldkrankenhaus des Roten Kreuzes

Insgesamt fanden 250.000 Behandlungen statt. Ein Drittel der Behandelten waren Kinder.
(Statistiken von Mai 2024 bis Mai 2026)

11.300 chirurgische Eingriffe

1.500 Bluttranfusionen

19.200 physiotherapeutische Behandlungen

1.200 Entbindungen

OP-Schwester hält Jungen
Viele Verletzte im Feldkrankenhaus sind Kinder.

Alternativlos

Die Einrichtung eines Feldkrankenhauses des Roten Kreuzes ist maximal auf einen einjährigen Betrieb ausgelegt. Doch Tag für Tag zeigt sich, wie notwendig unsere Hilfe noch immer ist. Ständig sind die 60 Betten der medizinischen Zeltstadt voll belegt – und trotzdem kommen noch neue Patientinnen und Patienten hinzu, einige brauchen aufgrund ihrer Verletzungen sofort Hilfe.

Trotz der Überfüllung gibt es schlicht keine Alternativen für die Verzweifelten. Jedes Krankenhaus im Gazastreifen hat Schäden oder sogar seine vollständige Zerstörung gemeldet. Die verbliebenen Gesundheitseinrichtungen können den angestiegenen Bedarf an medizinischer Hilfe nicht stemmen.

Unermüdlich im Unvorstellbaren

Inmitten der Zerstörung, Not und Verzweiflung tun Menschen aus aller Welt das Möglichste, um das große Leid zu lindern. Menschen wie Haitam Daniel Al-Hasan, der als zweiter Deutscher für seinen Einsatz mit der Florence-Nightingale-Medaille des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ausgezeichnet wurde – der höchsten internationalen Ehrung für Pflegefachkräfte.

„Ohne Ausnahme sagen wir alle dasselbe“, notiert er in seinem Tagebuch im Sommer 2025. „Dieser Einsatz übersteigt alles, was wir je erlebt haben.“ Er berichtet von Wellen von Verwundeten, die teils auf Karren und Eselwagen  ankommen, weil Krankenwagen fehlen. Von den zwei überlasteten Operationssälen und bis zu 16 Stunden Arbeit am Tag.  Und von der Routine, mit der schnell Platz für neue Patienten geschaffen wird: Bedarf und Dringlichkeit feststellen, Blutungen stoppen, stabilisieren – und der Nächste. Für gründlichere Behandlungen fehlen oft Zeit, Platz und das nötige medizinische Material. Ein belastender Zustand, den Haitam so erklärt: „Es fühlt sich an, als hätten wir schwere Entscheidungen getroffen, obwohl wir von Anfang an keine Wahl hatten.“ 

Man gewöhnt sich an Dinge, an die man sich nie gewöhnen sollte.

Haitam Daniel Al-Hasan über Gefechtslärm in der Nähe des Feldkrankenhauses des Roten Kreuzes. Er war mehrfach als Teil des humanitären Personalpools des DRK im Einsatz, auch im Gazastreifen.

Mehr von Haitam: Hören Sie eine Folge unseres Podcasts „KAT-Modus“, in der der OP-Pfleger von seinen Einsätzen erzählt.

Ausbauen statt Abbauen

Da das Feldkrankenhaus noch immer sehr wichtig ist, um das beschädigte Gesundheitssystem im Gazastreifen zu entlasten, wurde es nach über zwei Jahren im Einsatz noch immer nicht abgebaut, sondern im Mai 2026 sogar saniert. Die Kapazität wurde von 60 auf 72 Betten erhöht. Außerdem ermöglichte eine Lieferung mit medizinischem Material und neuer Ausrüstung einen modernisierten OP-Saal, verbesserte Notfall- und Ambulanzdienste sowie eine renovierte Entbindungs-und Kinderstation. Trotzdem bleibt es aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren schwierig, alle benötigten Güter ins Land zu bringen.

In dieser Lage ist der Einsatz der Helferinnen und Helfer vom Palästinensischen Roten Halbmond besonders bemerkenswert, die weit über die Krankenhauszelte hinaus unter schwierigsten Bedingungen Hilfe leisten. Bei dieser wichtigen Arbeit unterstützen wir unsere Schwestergesellschaft bereits seit 30 Jahren. 

Mädchen im Gazastreifen mit Wasser

Vom Transport in den Gazastreifen über die Geräte und das medizinische Personal bis zur Wasserversorgung – der Betrieb des Feldkrankenhauses ist nur dank Spenden möglich. Bitte unterstützen Sie uns!

50 Euro finanzieren beispielsweise eine Gehhilfe, die Menschen nach einer Operation oder Verletzung wieder ermöglicht, selbstständiger am Alltag teilzunehmen.

Titel der Publikation

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