Bewaffneter Konflikt in Syrien: Fahrzeug des IKRK in einer Gasse in Al-Rastane, Homs, fährt zu einem Feldhospital
Sie befinden sich hier:
  1. Hilfe weltweit
  2. Wo wir helfen
  3. Nahost

Syrienkrise: Die größte Katastrophe seit Jahrzehnten

Die Syrienkrise verschärft sich weiter, ein Ende der Kampfhandlungen ist nicht in Sicht.

Obwohl im Jahr 2017 Deeskalationszonen eingerichtet wurden und eine streckenweise Stabilisierung der Sicherheitslage erreicht werde konnte, reißt die Gewalt im Land nicht ab. Weiterhin gibt es massive Verletzungen des humanitären Völkerrechts. Seit Ausbruch des Konflikts wurden mehr als die Hälfte aller Syrer aus ihrer Heimat vertrieben. Viele von ihnen sogar mehrfach. Dabei haben sie Hab und Gut verloren und sind in der Folge auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Kämpfe um die Stadt Daraa im Südwesten Syriens verschärfen nun aktuell die humanitäre Lage von zehntausenden Zivilisten, die zwischen die Fronten geraten oder bereits auf der Flucht vor Gewalt sind. Die betroffenen Menschen benötigen sofortige Hilfe und Unterstützung, insbesondere Unterkunft, Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Versorgung.

Der bewaffnete Konflikt in Syrien geht bereits ins achte Jahr. Das DRK leistet bereits seit 2012 humanitäre Hilfe im Syrien-Konflikt. Derzeit sind in Syrien mehr als 13 Millionen Menschen, und damit mehr als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung, auf humanitäre Unterstützung angewiesen – etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder.

Der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC), die Schwestergesellschaft des DRK, ist die einzige landesweit tätige Organisation für humanitäre Hilfe. Der SARC leistet monatlich mit Unterstützung des DRK humanitäre Hilfe für etwa 5,5 Millionen Menschen.

Nutzen Sie das Menü rechts zur einfachen Navigation.

Deutsches Rotes Kreuz, Auslandshilfe, Auslandsarbeit, Arabische Halbinsel, German Humanitarian Assistance, humanitäre, Hilfe, Hilfspaket
Ihre Spende hilft!

Mit 60 € helfen Sie eine Familie für einen Monat mit den dringendsten Hygieneartikeln zu versorgen. 

Folgen der Krise für die Menschen in Syrien

Die Situation in Syrien ist zu einer der größten humanitären Krise seit Jahrzehnten geworden, deren Auswirkungen für die Menschen enorm sind:

Mit Spenden helfen - Bürgerkrieg führt zur Zerstörung

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen sind in Syrien inzwischen 13,1 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – das entspricht rund 50 Prozent der ehemaligen Gesamtbevölkerung des Landes. Ihre Spenden sind oft die einzige Hilfe, die die Menschen haben.

  • Von den 11,4 Millionen Menschen auf der Flucht zählen rund 6,1 Millionen zu den Binnenvertriebenen, also Menschen, die innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht sind.
  • 8,2 Millionen Syrerinnen und Syrer leben in Gebieten, die von Kampfhandlungen betroffen sind oder in denen sie durch nicht explodierte Munition gefährdet sind.
  • 5,3 Millionen Menschen leben in – häufig notdürftigen – Übergangsunterkünften.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kann durch den Zerfall der Wirtschaft keinen Beruf mehr ausüben, während 1,75 Millionen Kinder nicht mehr zur Schule gehen können. Für viele mehr besteht die Gefahr, die Schule langfristig nicht mehr besuchen zu können.
  • 35 Prozent der Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser und greifen auf verschmutzes Wasser zurück.
  • Mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen sind nicht mehr voll in Betrieb, während Erkrankungen sich ausbreiten.
  • 6,5 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, viele mehr sind von Nahrungsmittelmangel bedroht.
  • Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt mittlerweile in extremer Armut, also von weniger al zwei US-Doller pro Tag.

Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern

Foto: syrische Flüchtlingskinder spielen vor einer grauen Wand mit Pappkarton Ibrahim Malla - IFRC

Die Syrienkrise hat direkte Auswirkungen auf die Nachbarstaaten. So sind rund 5,3 Millionen Menschen vor allem in die Türkei, den Libanon, Jordanien und den Irak geflohen. Allein der Libanon, ein Land mit vier Millionen Einwohnern, hat offiziell über 1 Million Flüchtlinge aufgenommen. Kein anderes Land beherbergt, gemessen an der Gesamtbevölkerung, mehr Flüchtlinge als der Libanon. Aber auch in den anderen Nachbarländern ist die Situation angespannt. Angesichts der Dauer des Syrienkrieges werden mittel- und langfristige Maßnahmen als Ergänzung der Sofort- und Nothilfe immer wichtiger. Ihre Spende wird dringend benötigt.

Das DRK ist in den jeweiligen Ländern vor Ort und versucht mit seinen Partnern, wenigstens die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Hilfsgütern zu gewährleisten. Dazu erhalten Bedürftige neben direkten Hilfsgütern unter anderem Bargeldzahlungen, um sich die Dinge leisten zu können, die sie am dringendsten zum Überleben brauchen.


Jetzt mehr über Hilfe in der Türkei erfahren Jetzt mehr über Hilfe in Syrien erfahren Jetzt mehr über Hilfe in Libanon erfahren Jetzt mehr über Hilfe im Irak erfahren Türkei Syrien Libanon Jordanien Israel Irak Iran Saudi- Arabien Ägypten
Das Land Syrien im Überblick
Einwohner
20,96 Mio.
Flüchtlinge
6,1 Mio.
Hauptstadt
Damaskus
Hilfspakete für
Hygiene
853.827
Ernährung
669.641

Title

Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern

Syrische Flüchtlinge im Libanon

Syrische Frau mit Hilfspaket des DKK

Situation
Rund eine Million syrische Flüchtlinge sind im Libanon registriert. Geschätzt wird, dass sich inoffiziell mehr als 1,5 Millionen syrischer Flüchtlinge im Land aufhalten. Mehr als die Hälfte der registrierten Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Mit einer Bevölkerung von etwa 4 Millionen Einwohnern nimmt der Libanon proportional weltweit am meisten Flüchtlinge auf. Die Infrastruktur für die Gesundheitsversorgung, das Bildungswesen und den Arbeits- und Wohnungsmarkt im Libanon ist stark überlastet.

Hilfe des DRK im Libanon

  • Unterstützung des Rettungsdienstes des Libanesischen Roten Kreuzes
  • Unterstützung des Blutbank-Systems
  • Bargeldhilfen zur Deckung von Grundbedürfnissen
  • konfliktsensible Katastrophenvorsorge und Resilienzförderung
  • Hygieneaufklärung
  • Hilfe durch Gutscheine für Heizmaterial und Hygieneartikel

Informieren Sie sich über die Arbeit des DRK im Libanon.

 

 

Hilfe für Flüchtlinge im Irak

Im Irak werden syrische Flüchtlinge durch Ihre Spenden unterstützt

Situation
Zu den rund 250.000 syrischen Flüchtlingen im Irak kommen über 3,3 Millionen intern vertriebene Iraker. Aufgrund der hohen Belastung der Behörden funktioniert die soziale Infrastruktur nur noch stark eingeschränkt. Gemeinsam mit dem Irakischen Roten Halbmond und anderen Akteuren arbeitet das DRK an mittelfristigen Projekten zur Stärkung der Selbsthilfe- und Widerstandskräfte der Bevölkerung.

Hilfe des DRK im Irak

  • Beschaffung und Verteilung von Nothilfegütern
  • Bargeldhilfen zur Deckung von Grundbedürfnissen
  • Unterstützung beim Bau von Unterkünften für syrische Flüchtlinge
  • Erste-Hilfe-Trainings und Schulungen zur Brandvermeidung

Ausführliche Informationen zur Nothilfe des DRK im Irak.

 

 

Syrische Flüchtlinge in der Türkei

Ihre Spende ermöglicht weitere Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge in der Türkei

Situation
Aktuell sind mehr als 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei registriert, und die Zahl nimmt kontinuierlich zu. Etwa die Hälfte der registrierten Flüchtlinge sind Kinder. Die derzeit 25 Flüchtlingslager in zehn Provinzen bieten Platz für gut 280.000 Menschen. Die Flüchtlingslager nehmen – soweit noch möglich – nicht nur Menschen aus Syrien auf, sondern auch Tausende Flüchtlinge, die vor der Gewalt im Irak Zuflucht suchen.

Hilfe des DRK in der Türkei
In Zusammenarbeit mit dem Türkischen Roten Halbmond unterstützt das DRK den Aufbau und Betrieb von drei Gemeindezentren in Istanbul, Izmir und Adana, in denen Beratungen, Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge angeboten werden.

Mehr Informationen über die Arbeit des DRK für Flüchtlinge in der Türkei.


Spende für Syrien

Die zahlreichen Spenden unterstützen die Helfer in Syrien

Die Helfer des DRK sagen „Danke“, denn mit Ihrer Spende für Syrien unterstützen Sie lebensnotwendige Maßnahmen. Ein Ende der Kampfhandlungen im Land ist trotz vieler Vermittlungsversuche bisher nicht abzusehen. Die Lage für die 11,4 Millionen geflohenen Syrerinnen und Syrer spitzt sich immer weiter zu. Der Großteil der Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarländern lebt in Notunterkünften, einfachen Hüttenansammlungen oder in leerstehenden Gebäuden und Rohbauten.

Spenden Sie für Syrien, um denen Hilfe zukommen zu lassen, die sie am dringendsten benötigen – allen voran alten Menschen, Frauen und Kindern.

Mit Ihren Spenden konnten wir bislang viel bewirken. Unterstützen Sie uns weiterhin mit Ihrer Online-Spende.


Über unsere Aktionsseite entscheiden Sie selbst, wofür Ihre Online-Spende letztlich verwendet wird: Schon für nur 30 Euro können Sie eine syrische Familie mit den nötigsten Hygieneartikeln wie Seife, Handtüchern, Zahnbürsten und Zahnpasta versorgen. Mit 100 Euro können sogar lebenswichtigen Hygienepakete für zehn Kleinkinder bereitgestellt werden.

Dabei verpflichten wir uns zu absoluter Spendentransparenz. Ihre Spende kommt an und ist zudem steuerlich absetzbar.


Ihre Hilfe kommt an! Dank Ihrer Spenden konnten wir schon viel erreichen.


 

  • Nahrungsmittel
    pakete
  • Babykits
  • Hygienekits
  • Decken
  • Erste-Hilfe-Pakete
  • Krankenwagen

352458
Nahrungsmittelpakete

wurden verteilt.
Zusammen entspricht das 10 Mal der Höhe des

Mount Everest

737.195 Babykits

wurden verteilt. Zusammen entspricht das der Distanz zwischen

Frankfurt am Main und Bonn

1.258.190 Hygienekits

wurden verteilt. Zusammen entspricht
das 1000 Mal der Höhe des

Eiffelturms

332301 Decken

wurden verteilt

23341 Erste-Hilfe-Pakete

wurden verteilt

21 Krankenwagen

wurden geliefert



Informationsmaterial zur Syrienkrise

Der Bürgerkrieg in Syrien ist ein komplexes Thema, das die Welt bewegt. Informationen über die Lage vor Ort sind teils schwer zu beschaffen. Zusammenhänge werden komplexer, Allianzen brüchiger – allein das Leid der Zivilbevölkerung ist nicht kleiner geworden.

Erfahren Sie im Interview mit Tiana Hickel, Leiterin der Projektgruppe MENA (MENA: „Middle East & North Africa“), wie die gespendeten Hilfsgüter trotz der kriegerischen Situation ins Land kommen.

Interview: So erreichen Hilfsgüter die Menschen in Syrien.

Im Rahmen des übergreifenden und von der EU finanzierten MADAD-Programms erhalten syrische Flüchtlinge und Gastgemeinden in den Nachbarländern humanitäre Hilfe. Erfahren Sie hier mehr über das MADAD-Programm.    

Für weitere Informationen über die Lage vor Ort und wie die konkrete Hilfe des DRK in Syrien und den Aufnahmestaaten aussieht, haben wir für Sie Info-Flyer bereitgestellt, die Ihnen zum Download zur Verfügung stehen.

Downloads:

Im DRK-Blog lesen Sie Berichte aus Syrien sowie den Nachbarländern Libanon, Türkei und Irak – zur Wort kommen DRK-Mitarbeiter, Helfer der lokalen Rothalbmondgesellschaften und Menschen, die von uns Hilfe erhalten.

  • Syrien: „Es ist schwer, mein Land in dieser Krise zu sehen“

    Foto: Portrait einer SARC-Helferin Oana Bara/DRK

    Rouba Khwanda arbeitet seit acht Jahren für den SARC in Syrien, zuerst im Nothilfe-Team, jetzt im Wasser- und Hygienebereich. Es ist schwer für sie, ihr Land in dieser Krise zu sehen, doch sie sagt: „Es motiviert mich sehr zu sehen, dass unsere Hilfe ankommt.“ Wir stellen sie und andere Helfer im DRK-Blog vor.

  • Libanon: Das Leben ist hart, aber zumindest sicher

    Foto: DRK-Mitarbeiterin mit syrischen Flüchtlingskindern im Libanon Oana Bara/DRK

    Vor sechs Jahren ist Kaltoum Hammadi Hilal aus Aleppo, in den Libanon geflohen. Mit der ganzen Familie – sie hat sieben Kinder und ein Enkelkind. Heute leben sie alle zusammen in einem informellen Flüchtlingslager in Zahle, im Libanesischen Bekaa-Tal. DRK-Mitarbeiterin Oana Bara hat sie getroffen.

  • Irak: Zu Besuch bei Nasim und Sosan

    Foto: Ein syrisches Ehepaar und ihre zwei Kinder zwischen ihnen sitzen auf einer Matte Oana Bara/DRK

    Sosan und Nasim Ali gehören mit ihren drei Kindern zu den 90.000 geflüchteten Menschen, die in Dohuk, Irak, ein zu Hause gefunden haben. „Wir mussten fliehen, sonst hätten wir nicht mehr überleben können“, sagen sie. Im Irak ist die Familie auf die Bargeldhilfen vom DRK angewiesen.

Unterstützung von Menschen in Syrien

Title

 

Auch Jahre nach Beginn der Syrienkrise ist die humanitäre Situation in Syrien und seinen Nachbarländern sehr schlecht. Was es braucht, um jeden Monat Millionen von Menschen in Syrien unterstützen zu können, zeigt dieses Video.

 

 

Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung. Spenden Sie jetzt für Syrien!


Hintergründe des Syrienkonflikts

Informieren Sie sich über die völkerrechtliche Bewertung der Syrienkrise und die lokalen Partner des Deutschen Roten Kreuzes.

  • Mit wem arbeitet das Deutsche Rote Kreuz in Syrien zusammen?

    Die Mitarbeiter und Freiwilligen der lokalen Schwesterorganisationen des DRK leisten seit nunmehr sieben Jahren Außerordentliches zur Versorgung der vom Konflikt betroffenen Bevölkerung in Syrien. Das machen sie in Syrien selbst sowie in den angrenzenden Nachbarländern. Ohne ihren Einsatz wäre eine Umsetzung der humanitären Hilfe des DRK nicht möglich. Gleichzeitig bedeutet die humanitäre Arbeit in Syrien und den Nachbarländern eine enorme Gefahr und Belastung für jeden einzelnen Helfer.

    In Syrien etwa ist der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC) der gesetzlich anerkannte und wichtigste Kanal für die gesamte Humanitäre Hilfe. Der SARC wird von den Konfliktparteien weitestgehend als neutrale und unparteiliche Organisation anerkannt. Dennoch haben von den rund 7.000 Helfern des Syrischen Arabischen Roten Halbmonds bereits mehr als 65 im Einsatz ihr Leben verloren. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Ambulanzen oder Hilfskonvois des SARC. Das ist eine massive Verletzung des humanitären Völkerrechts. Darüber hinaus sind viele SARC-Helfer als syrische Staatsbürger selbst mehrfach vertrieben und arbeiten unter schwierigsten Bedingungen im Namen der Menschlichkeit. Dabei ist die psychische Belastung für die humanitären Helfer in den Krisengebieten, insbesondere in Syrien, aber auch im Irak ist immens. Sie alle nehmen höchste persönliche Risiken auf sich und arbeiten oft jenseits des Vorstellbaren. Ihnen gilt unsere höchste Anerkennung.

  • Lage in Syrien aus humanitär-völkerrechtlicher Sicht

    Als Auslöser des bewaffneten Konflikts in Syrien werden vielfach Proteste im Rahmen des sogenannten Arabischen Frühlings, der Anfang 2011 Syrien erreichte, genannt. Dabei wurde im Land eine Schwelle der Gewalt überschritten, die nicht mehr als sogenannte „innere Unruhen und Spannungen“ bezeichnet werden kann. Diese Schwellengrenze verläuft fließend. Da sich in diesem Konflikt der syrische Staat und nicht-staatliche Gewaltakteure bzw. solche Akteure gegenseitig bekämpfen, handelt es sich um einen sogenannten nicht-internationalen bewaffneten Konflikt. Hierauf findet das humanitäre Völkerrecht Anwendung. Im Fall von Syrien insbesondere der Gemeinsame Artikel 3 der Genfer Abkommen I-IV von 1949 und völkergewohnheitsrechtliche Regelungen. Darin ist festgehalten, dass das humanitäre Völkerrecht sämtliche Konfliktparteien gleichermaßen bindet – also auch nicht-staatliche Gewaltakteure.

    Ein Kernanliegen des humanitären Völkerrechts ist es, die militärische Notwendigkeit in einem bewaffneten Konflikt abzuwägen gegen die Menschlichkeit. Es geht also nicht darum, einen Krieg grundsätzlich zu verhindern, sondern darum, das Verhalten der Konfliktparteien so zu regeln und zu begrenzen, dass auch im Krieg ein Mindestmaß an Humanität gewährleistet wird. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt das humanitäre Völkerrecht im Wesentlichen zwei Wege: zum einen schützt es diejenigen Individuen oder Personengruppen, die sich nicht unmittelbar an den Feindseligkeiten beteiligen; zum anderen schränkt es die Wahl der Mittel und Methoden der Kriegführung ein.

    Um den Schutz der an den Kampfhandlungen nicht unmittelbar Beteiligten zu gewährleisten, müssen die Konfliktparteien in ihren Angriffen jederzeit zwischen rechtlich geschützten Personen und Kämpfenden unterscheiden. Zivilpersonen sind nach dem humanitären Völkerrecht grundsätzlich geschützt; entsprechendes gilt für humanitäres und medizinisches Personal. Allerdings verliert eine Person ihren rechtlichen Schutz vor direkten Angriffen, sofern und solange sie unmittelbar an Feindseligkeiten teilnimmt. Dies gilt auch, wenn sie in einer bewaffneten Gruppe eine dauerhafte Kampffunktion innehat.

    Der Unterscheidungsgrundsatz gilt auch mit Blick auf Objekte. Die Konfliktparteien müssen in ihren Angriffen jederzeit zwischen zivilen Objekten und solchen Objekten, die zulässige militärische Ziele darstellen, unterscheiden. Beispielsweise darf ein ziviles Wohnhaus, wie dies in Homs und an vielen anderen Orten in Syrien geschehen ist, grundsätzlich nicht angegriffen werden. Eine Ausnahme gilt allerdings dann, wenn das Gebäude durch seine Beschaffenheit, seinen Standort, seine Zweckbestimmung oder seine Verwendung wirksam zu militärischen Handlungen beiträgt und die Zerstörung zum betreffenden Zeitpunkt einen eindeutigen militärischen Vorteil darstellt. Wenn also beispielsweise das Wohnhaus als Waffenlager benutzt wird oder Kämpfende es als Kampfbasis nutzen, verliert das Gebäude während dieser Zeit seinen Schutz vor direkten Angriffen. Außerdem muss vor jedem Angriff abgewogen werden, ob der durch die Zerstörung des Gebäudes angerichtete Schaden unverhältnismäßig (exzessiv) erscheint im Vergleich mit dem erwarteten konkreten militärischen Vorteil.

    Die größte Herausforderung, der sich das humanitäre Völkerrecht derzeit gegenübersieht – in Syrien ebenso wie in anderen Konfliktregionen – ist nicht, dass es für die Situation des bewaffneten Konflikts ungenügende Regeln bereithalten würde. Vielmehr werden die existierenden Regeln von den Konfliktparteien oftmals nicht eingehalten. Diese Einhaltung der Regeln durch die Konfliktparteien zu verbessern, hat sich die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung zum Ziel gesetzt. In einem noch andauernden Prozess beraten wir mit der internationalen Staatengemeinschaft, wie dies gelingen kann.

    Denn das humanitäre Völkerrecht kann nur wirksam schützen, wenn seine Regeln von allen am Konflikt Beteiligten eingehalten werden. Dies gilt in Syrien und in jedem anderen bewaffneten Konflikt. Helfen Sie uns mit einer Spende damit wir auch weiterhin über das humanitäre Völkerrecht aufklären und für die Einhaltung arbeiten können.

zum Anfang

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Erfahren Sie mehr

OK