Katastrophenvorsorge: Schulungen zur Katastrophenvorsorge in Krisenregionen

Katastrophenvorsorge – für den Notfall gewappnet

Durch katastrophale Naturereignisse wurden die Menschen in der Vergangenheit wiederholt mit unermesslichem Leid konfrontiert und vor enorme Herausforderungen gestellt. Innerhalb von wenigen Stunden, manchmal sogar nur von wenigen Minuten, werden infolge von Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen, Erdbeben oder Tsunamis Zehntausende Menschen getötet, verletzt oder obdachlos und die wirtschaftliche Entwicklung einer Region oder eines ganzen Landes um Jahrzehnte zurückgeworfen. Mit den Projekten zur Katastrophenvorsorge, setzt sich das DRK für eine Verbesserung der Widerstandsfähigkeit betroffener Bevölkerungsgruppen in Katastrophengebieten ein. 

Nicht nur die großen Katastrophen, sondern auch eine Vielzahl von kleinräumigen extremen Naturereignissen, wie zum Beispiel Erdrutsche, sind in der Lage, wiederholt erhebliche Schäden anzurichten, wenn den Menschen diese Naturgefahren nicht bewusst sind und sie auf diese Ereignisse nicht angemessen vorbereitet sind.

Obwohl die Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen in den vergangenen Jahren rückläufig ist, liegt sie mit über 190 Mio. Betroffenen pro Jahr weltweit weiterhin auf hohem Niveau. Mehr als 70% aller durch extreme Naturereignisse verursachten Todesfälle waren in den vergangenen Jahren in Entwicklungsländern zu beklagen. 

Der Klimawandel verschärft die Gefahren für die betroffenen Bevölkerungsgruppen noch weiter und auch die Lebensbedingungen in fragilen und konfliktanfälligen Regionen stellen eine enorme Herausforderung für die Menschen dar. Darüber hinaus führt die zunehmende Verstädterung dazu, dass Menschen beispielsweise in informellen Siedlungen leben, die häufig keinerlei Schutz bieten können. In diesen Bereichen ist die Katastrophenhilfe und -vorsorge besonders wichtig.


Katastrophenvorsorge in drei Schritten

Mit den Projekten zur Katastrophenvorsorge stärkt das DRK die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegenüber den Folgen von Naturkatastrophen in besonders bedrohten Ländern. Grundsätzlich besteht die Katastrophenvorsorge dabei aus drei zentralen Schritten:

1. Risikoanalyse

Bei der Risikoanalyse wird die lokale Bevölkerung befähigt, die Naturgefahren und Katastrophenrisiken, aber auch die bereits vorhandenen Selbsthilfekapazitäten vor Ort zu identifizieren. Lokales Wissen und bereits etablierte Strukturen, wie z.B. Evakuierungswege, sichere Zufluchtspunkte oder funktionierende Dorfkomitees werden berücksichtigt und eingebunden. Anhand von Risikokarten lassen sich die gefährdeten und sicheren Gebiete im Projektgebiet ausweisen.

2. Katastrophenvorbeugung und -minderung

Die Katastrophenvorbeugung und -minderung des DRK beinhaltet Aktivitäten, die dazu beitragen, zukünftige Katastrophenfolgen mittel- bis langfristig zu verhindern bzw. zu mildern. Das DRK konzentriert sich dabei auf strukturelle und nicht-strukturelle Maßnahmen. Zu den strukturellen Maßnahmen zählen baulich-technische Aktivitäten, wie der Bau von sturmsicheren Gemeindezentren, Flutkanälen oder die Absicherung von erdrutschgefährdeten Hängen. Zu den nicht-strukturellen Maßnahmen zählen vor allem die Vermittlung von Fachwissen über Katastrophenvorsorge an Lehrer, die Produktion von entsprechenden Unterrichtsmaterialien sowie Gesundheits- und Hygieneaufklärungen.

3. Vorbereitung auf den Katastrophenfall

Bei der Vorbereitung auf zukünftige Katastrophenfälle unterstützt das DRK den Aufbau von lokalen Einsatzgruppen für Erste Hilfe sowie Suchen und Retten, die Erarbeitung von Notfall- und Evakuierungsplänen und die Durchführung von Evakuierungsübungen mit der gefährdeten Bevölkerung. Der Aufbau von lokalen Frühwarnsystemen bis auf die Dorfebene hat dabei eine besondere Bedeutung, da eine Frühwarnung nur dann effektiv zur Katastrophenvorsorge beitragen kann, wenn sie die gefährdete Bevölkerung rechtzeitig erreicht. Dem DRK sind hier geschlossene und schnelle Kommunikationsketten bis auf die Gemeindeebene besonders wichtig.


Klimawandel und Wetterextreme erfordern Katastrophenvorsorge

Eine Folge des Klimawandels sind verstärkt auftretende Wetterextreme wie Wirbelstürme, Überflutungen und Dürren. Mehr als 80 Prozent der weltweiten Katastrophenhilfe von Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften steht mittlerweile im Zusammenhang mit solchen Extremwetterereignissen. Die Zahl der Menschen, die nach Naturkatastrophen humanitäre Hilfe benötigen, steigt stetig. 

Besonders betroffen sind Menschen in ärmeren Ländern, die ihre Existenzgrundlagen vorwiegend auf Land- und Viehwirtschaft gründen und immer wieder mit Überschwemmungen und Hitzewellen kämpfen. Katastrophenfälle in Form von extremen Wettereignissen bedrohen das Leben der Bevölkerung und zerstören Gebäude, Infrastrukturen und Ernteerträge betroffener Regionen. Um diesen steigenden humanitären Bedarfen begegnen zu können, legt das DRK besonderen Wert auf vorausschauende humanitäre Hilfe und hat gemeinsam mit seinen Partnern und dem Auswärtigen Amt den sog. Forecast-based Financing (FbF) Ansatz entwickelt – übersetzt: Vorhersagebasierte Finanzierung. Mit diesem Ansatz aus dem Bereich der Katastrophenvorsorge werden auf Grundlage von Vorhersagen finanzielle Mittel bereitgestellt, um das Leid und große Schäden durch frühzeitige Maßnahmen zu mindern. Zunächst auf Naturgefahren beschränkt, arbeitet das DRK daran, den Ansatz auch auf andere Bereiche auszuweiten, um die humanitäre Hilfe in Gänze deutlich vorausschauender gestalten zu können.


Katastrophenvorsorge in fragilen Kontexten und Konfliktregionen

Die Umsetzung von Maßnahmen der Katastrophenvorsorge in fragilen und konfliktanfälligen Regionen stellt für die Arbeit des DRK eine weitere Herausforderung dar. Fast 60% der weltweit durch Naturkatastrophen getöteten Menschen kommen derzeit in den 30 fragilsten Staaten ums Leben. Katastrophenvorsorge in fragilen Kontexten ist deshalb besonders wichtig, auch wenn die oftmals schwachen staatlichen Strukturen, ein hoher Grad der Marginalisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen und die immens hohen humanitären Bedarfe die Arbeit erschweren. 

Für die Arbeit des DRK bedeutet dies, dass Bedarfsanalysen einen deutlich breiteren Fokus erhalten müssen, so dass neben den Faktoren der Katastrophenanfälligkeit, Naturgefahren und lokalen Kapazitäten auch die konkreten Aspekte der Fragilität und der Konflikte berücksichtigt werden. 


Geoinformatik in der Katastrophenvorsorge

Viele Gebiete, in denen das DRK Projekte umsetzt, sind unzureichend auf Karten erfasst. Dies erschwert vor allem die Erstellung von Risikoanalysen. In Ermangelung von geeignetem und zugänglichem Kartenmaterial werden Risikokarten häufig noch per Hand gezeichnet, was zu einer ungenauen räumlichen Verortung von Informationen führen kann.

Um dieses Problem zu beheben, verstärkt das DRK sein Engagement im Bereich der Geoinformatik. Beispielsweise durch das sog. Missing Maps Projekt können Projektgebiete in OpenStreetMap, einer frei verfügbaren Geodatenbank, erfasst werden. Diese neu erstellten Karten verbessern die Katstrophenvorsorge und dienen als wichtige Grundlage für Risikoanalysen. So helfen die Karten dabei, in Katastrophenfällen einschätzen zu können, wo z.B. durch  Überschwemmungen die meisten Betroffenen und die größten Schäden sind und wie Hilfe in diesen Gebieten am besten organisiert werden kann.

Alle Informationen zum Missing Maps Projekt


Katastrophenvorsorge und Urbanisierung

Bis 2050 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Für Großstädte in Entwicklungsländern kann der schnelle Zuwachs von Einwohnern zu einer Überlastung und einem ungeplanten Wachstum führen. Informelle Wohngebiete und nicht eingehaltene Bauvorschriften führen hier zu einer stärkeren Anfälligkeit gegenüber Naturgefahren. Oftmals liegen keine Flucht- und Rettungspläne vor, da insbesondere die informellen Wohngebiete nicht offiziell erfasst sind. Auch Gebäude, die nicht erdbebensicher gebaut sind, können bei einer Katastrophe zu einer massiven Gefahr für die dort lebenden Menschen werden. Katastrophenvorsorge in diesen urbanen Räumen wird daher immer wichtiger. 

Um sich diesen Herausforderungen entsprechend stellen zu können, wird das DRK in der Weiterentwicklung der Katastrophenvorsorge den Fokus seiner Aktivitäten stärker auf den urbanen Raum richten, um so Ansätze und Maßnahmen zu entwickeln, die den lokalen Umständen in den urbanen Räumen entsprechen.


Vernetzung im Bereich der Katastrophenvorsorge

Die Vernetzung der deutschen Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen der Katastrophenvorsorge spielt für das DRK eine zentrale Rolle. Dies wird durch die folgenden unterschiedlichen Dialogformen ermöglicht:

  • Fachtagung Katastrophenvorsorge: Die Fachtagung ermöglicht den Dialog zwischen deutschen Akteuren der nationalen und internationalen Katastrophenvorsorge. Auf der jährlich stattfindenden Fachtagung haben die Akteure die Möglichkeit, sich zu aktuellen Entwicklungen, Ansätzen und Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen auszutauschen.
  • Preparedness-Arbeitsgruppe: Hier diskutieren relevante Akteure der internationalen Katastrophenvorsorge mit einem Fokus auf die humanitäre Katastrophenvorsorge unterschiedliche Ansätze und Herausforderungen, um so gemeinsame Bereiche identifizieren zu können, in denen Best-Practice-Beispiele herausgearbeitet und weiterentwickelt werden können.
  • Regionale Workshops: Ergänzend zur Preparedness-Arbeitsgruppe werden Workshops in Hochrisikoregionen mit den lokalen Partnerorganisationen der deutschen NGOs durchgeführt. Hierdurch werden sowohl Erfahrungen und Ansätze vor Ort ausgetauscht als auch Ergebnisse in die NGO-Geschäftsstellen in Deutschland zurückgespielt.

  • Ansprechpartner

    Stefan Scholz
    Leitung Katastrophenvorsorge
    Team Internationale Zusammenarbeit
    Email: s.scholz(at)drk.de

  • Helfen Sie mit!

    Jede kleine Spende verbessert den Katastrophenschutz in gefährdeten Ländern
    und ermöglicht die Katastrophenvorsorge!

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