Waltraud Schröder in einem Zelt
Tomas Krist/DRK

„Das Wichtigste ist immer die Erste-Hilfe-Ausbildung“

Waltraud Schröder wird 1936 in Sakrinten/Ostpreußen, heute Zakręty, geboren. 1945 muss die Familie fliehen, gelangt nach Berlin und später nach Geesthacht. Die Eltern finden sich durch den Suchdienst des DRK wieder.

Nach einer kaufmännischen Lehre heiratet Waltraud Schröder und ihr Mann, Mitglied beim Jugendrotkreuz und aktiv im Grenzdurchgangslager Friedland, bringt sie 1963 zum DRK. Sie übernimmt früh Verantwortung und wird 1964 Bereitschaftsführerin im Ortsverein Schwarzenbek, organisiert Erste-Hilfe-Kurse und die Sanitätsausbildung. Ein Jahr später ist sie Mitglied im DRK-Kreisverband Herzogtum Lauenburg, 1979 wird sie stellvertretende Landesbereitschaftsführerin Schleswig-Holstein, 1989 übernimmt sie die Leitung der Landesbereitschaft. 1989 wird sie Mitglied im Präsidium des Landesverbandes als Vertreterin für Wohlfahrts- und Sozialarbeit und Landesbereitschaftsführerin.

„Da kam der Anruf, dass die Bundesregierung also festgestellt hat, da muss vom Roten Kreuz jemand hin in die Prager Botschaft.“

Im Sommer 1989 verschärft sich die politische Lage in der DDR, immer mehr Menschen wollen in die Bundesrepublik flüchten. Die Prager Botschaft der Bundesrepublik wird schließlich für 4.000 DDR-Flüchtlinge zum Zufluchtsort, an dem zuletzt katastrophale hygienische Verhältnisse herrschen. Die Bundesregierung bittet das DRK um Unterstützung und Waltraut Schröder wird Einsatzleiterin. Ende September fährt sie mit ihren Kollegen nach Prag, um vor Ort die Flüchtlinge zu betreuen. Unterbringung, Verpflegung, Hygiene: Waltraut Schröder ist mit ihrem DRK-Team für alles zuständig, am Ende für 7.000 Menschen in und vor der Botschaft. Für ihren Einsatz in Prag erhält sie später das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Später unterstützt sie in Süditalien albanische Flüchtlinge, die 1990 mit Sonderzügen in die Bundesrepublik gebracht werden. Ende 1990 organisiert sie Hilfslieferungen nach Russland, unterstützt vom Russischen Roten Kreuz. Sie reist dafür mehrfach nach Leningrad, kontrolliert die Verteilung und organisiert neue Hilfslieferungen für Kranken- und Waisenhäuser.

Auch nach der Wiedervereinigung bleibt sie noch lange dabei, auf Landes- und Bundesebene, fährt weiterhin nebenher im Rettungsdienst mit, bevor sie 2004 aus der aktiven Arbeit ausscheidet.

Das Gespräch mit Waltraud Schröder wurde im November 2018 in Schwarzenbek geführt.

Interview mit Waltraud Schröder

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