Collage aus OP-Bildern und Zeitungsartikel
Privat

„Ich war mit dem Beruf verheiratet.“

Britta Hoheisel wird 1932 in Riga, Lettland, geboren. 1939 wird ihre Familie wie viele Deutsch-Balten in einer Aktion der Nationalsozialisten nach Posen/Poznań umgesiedelt. Dort lebt die Familie einige Jahre, bis, nach der Besetzung Lettlands durch die Deutschen, der Vater 1941 nach Riga zurückkehrt und die Familie ihm 1942 folgt.

Mit der vorrückenden Front kehrt die Familie ohne den Vater 1944 nach Posen zurück, von wo aus sie sich 1945 auf die Flucht begeben und über Berlin in das kleine Dorf Milow nach Mecklenburg gelangen. Im April 1945 müssen sie auch von dort fliehen, kehren aber mit dem Ende des Krieges in das Dorf zurück. Einige Jahre später begibt sich die Familie auf Bitten des Vaters erneut auf die Flucht. Über Umwege gelangen sie über das Lager Osthofen als erste politische Flüchtlinge aus der DDR nach Rheinland-Pfalz und in die Eifel. Im Lager in Osthofen lernt Brigitte Hoheisel durch zwei Schwestern die Arbeit der Alice-Schwesternschaft in Mainz kennen, die das Lager betreuten und sich auch um die Essensverteilung kümmerten.

„Ablenkung gab es nicht, wir hatten keine Zeitung und auch kein Radio.“

Über diesen ersten Kontakt bemüht sich Brigitte Hoheisel um eine Ausbildung bei der Schwesternschaft in Mainz, die sie 1950 beginnt und deren praktischen Teil sie in einer Zahn-, Mund- und Kieferklinik in Mainz, im Landeskrankenhaus für Hirn-, Rückenmark- und Nervenverletzte in Alzey und im Kreiskrankenhaus in Bad Homburg vor der Höhe absolviert. 1952 legt sie ihr Examen ab und kehrt anschließend zur Alice-Schwesternschaft nach Mainz zurück, die inzwischen kommissarisch von der Schwesternschaft in Bad Kreuznach betreut wird.

Frau Hoheisel wird zunächst für sechs Jahre bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Bad Kreuznach eingesetzt und arbeitet anschließend 35 Jahre im Krankenhaus in Diez, übernimmt dort den Operationssaal und ist aber auch in der Ambulanz tätig. Nach ihrem Ausscheiden aus dem offiziellen Dienst arbeitete sie bis zur Corona-Pandemie als so genannte Grüne Dame im Krankenhaus weiter und widmet sich dort der ehrenamtlichen Patientenbetreuung.

Interview mit Britta Hoheisel

Das Gespräch mit Britta Hoheisel wurde im November 2020 in Dietz geführt.

Title

zum Anfang