Collage aus drei verschiedenen Szenen mit Rotkreuz-Helfer:innen bei der Hilfe in Honduras und Guatemala
Honduranisches Rotes Kreuz; Guatemaltekisches Rotes Kreuz

Hilfe für Honduras und Guatemala: Schutz gegen Wetterextreme und Vulkanausbrüche

Die Menschen in Honduras und Guatemala werden immer wieder von existenzbedrohenden Tropenstürmen und Vulkanausbrüchen heimgesucht. Gemeinsam mit den Rotkreuz-Gesellschaften vor Ort entwickelt das DRK vorsorgliche Hilfsmaßnahmen, um die betroffene Bevölkerung besser vor Katastrophen zu schützen.

Helfen Sie uns mit einer Spende!

Jede noch so kleine Spende hilft dem DRK bei der Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen.

Die Situation in Honduras und Guatemala

Wetterextreme gefährden regelmäßig die Lebensgrundlagen der Bevölkerung Mittelamerikas: Im Jahr 2020 beispielsweise forderten die beiden Stürme Eta und Iota 158 Menschenleben und zerstörten 140.000 Häuser. Insgesamt waren 5,5 Millionen Menschen in Guatemala und Honduras von den Auswirkungen betroffen.

In Guatemala sind drei Vulkane daueraktiv. 2018 brach der Vulkan Fuego aus und verschüttete zahlreiche Ortschaften; über 100 Menschen starben.

Ziel des Projekts: Vorausschauende humanitäre Hilfe

Damit gefährdete Menschen in Mittelamerika sich besser vor Wetterextremen und Vulkanausbrüchen schützen können, ist es unabdingbar, frühzeitig zu agieren, d.h. schon im Vorfeld potentiell eintreffender Katastrophen. Vorausschauende humanitäre Hilfe, auch Forecast-based Financing (FbF), erfolgt auf Basis fundierter Wetterprognosen. Im Zuge des Projekts ermitteln Experten spezielle Kennwerte – etwa bezüglich der Temperatur, der Niederschlagsmenge und des Luftdrucks –, die zuverlässig auf Stürme und Dürren hinweisen. Werden diese Kennwerte erreicht, aktiviert die jeweilige Rotkreuz-Gesellschaft zuvor vereinbarte Frühwarnprotokolle. Auf dieser Grundlage wird noch vor dem tatsächlichen Katastrophenfall frühe Hilfe eingeleitet, die später dazu beiträgt, Leid und Schäden spürbar zu mindern.

  • „Es geht um die Stärkung des Katastrophenschutzes“

    Drei Fragen an Alejandro Terán, Projektkoordinator in Honduras und Guatemala für Katastrophenschutz und vorausschauende humanitäre Hilfe.

    ► Um das Interview zu lesen, klicken Sie einfach auf die nächste Überschrift und der Inhalt wird ausgeklappt.
    ► ENGLISH VERSION
  • Interview mit Projektkoordinator Alejandro Terán

    Was ist das Ziel des Projekts?

    Vorausschauende humanitäre Hilfe in Honduras und Guatemala hat zum Ziel, einen Mechanismus zu implementieren, der das Rote Kreuz vor Ort befähigt - auf strategischer, operationaler und finanzieller Ebene - im Falle einer vorhersehbaren Katastrophe die betroffenen Menschen so schnell wie möglich schützen zu können. In einem Satz: Es geht um die Stärkung des Katastrophenschutzes.

    Was sind die derzeitigen Aufgaben?

    Momentan überarbeiten wir die nationalen Notfallpläne beider Länder. Bisher beinhalten diese lediglich bestimmte Reaktionen nach einer eingetretenen Katastrophe. Mit vorausschauender humanitärer Hilfe setzen wir nun einen antizipatorischen Ansatz in Gang. Dieser basiert auf einem wachsenden Verständnis über die Bedeutung von vorausschauender humanitärer Hilfe sowohl auf Seiten der Rotkreuzgesellschaften und ihrer Mitarbeiter*innen als auch auf Seiten der meteorologischen Institute.

    Beispielsweise planen wir speziell zum Thema “early action” Trainings für verschiedene Katastrophenschutz-Teams, die jeweils auf definierte Bereiche spezialisiert sind wie etwa Wasser und Hygiene, Unterkünfte, Logistik oder Finanzen.

    Des Weiteren machen wir wichtige Fortschritte was den Informationsaustausch mit den wissenschaftlichen Institutionen in beiden Ländern betrifft, um den Zugang zu meteorologischen Informationen und Vorhersagen über Wirbelstürme, Dürren und Vulkanausbrüche zu verbessern.

    Wie wird durch vorausschauende humanitäre Hilfe der Schritt von der Einsatzbereitschaft auf Katastrophen hin zu frühseitigem Handeln erreicht?

    Das Rote Kreuz ist ein weltweiter Vorreiter im Bereich Katastrophen-Management, und wir sind uns bewusst, dass der Fokus der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Einsatzbereitschaft liegt. Doch je mehr wir den Austausch über die Effizienz von vorausschauender humanitärer Hilfe intensivieren und mit praktischen Beispiel belegen, desto größer wird das Verständnis für die Relevanz von frühzeitigem Handeln schon im Vorfeld einer Katastrophe.

    Zur Person

    Alejandro Terán ist aus Quito, Ecuador. Er arbeitet seit 2017 für das Rote Kreuz. Als Project Koordinator für Forcast-based Financing ist er seit August 2020 in Honduras tätig. Zuvor arbeitete er für das Welternährungsprogramm als Spezialist für Katastrophenschutz sowie als Direktor im Katastrophenschutz-Management der Stadt Quito.

     

  • Was bedeutet Forcast Based Financing im Zusammenhang mit vorausschauender humanitärer Hilfe?

    Forecast-based Financing (FbF) ist ein auf Wettervorhersagen basierendes Frühwarnsystem, das ab einem vordefinierten Schwellenwert Alarm auslöst. Das Ziel von FbF ist es, Katastrophen vorherzusagen und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung zu minimieren.

    Anhand meteorologischer Daten lässt sich z.B. abschätzen, welche Regenmenge in den vergangenen Jahren in einer bestimmten Region zu Überschwemmungen führte und welche Regionen bei einer gewissen Niederschlagsmenge voraussichtlich betroffen sein werden. Basierend auf Risikoanalysen und Vorhersagen ist ein bestimmter Schwellenwert definiert; wird dieser erreicht, wird humanitäre Hilfe schon im Vorfeld eingeleitet, z. B. mit der Sicherung von Unterkünften, der Verteilung von Hilfsgütern oder der Evakuierung von Dörfern. Auf diese Weise können die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden gestärkt und die Auswirkungen von Extremwetterereignissen reduziert werden.

Hilfsmaßnahmen für Honduras und Guatemala

  • Gründung von FbF-Bereitschaft-Teams in den Rotkreuz-Gesellschaften und intensive Schulung rund um „Vorausschauende humanitäre Hilfe“
  • Entwicklung von Frühwarnprotokollen für Tropenstürme und Dürren auf Grundlage von Daten bisheriger Wetterextreme, wissenschaftlicher Wettermodelle, Feldbesuchen, Befragung von Betroffenen u. a.
  • Sondermaßnahme in Guatemala: Entwicklung eines Frühwarnprotokolls für vulkanische Asche zum Einsatz in den durch zwei Vulkane beeinflussten Regionen
  • Zusammenarbeit mit den Universitäten in Honduras und Guatemala sowie weiteren wissenschaftlichen Institutionen wie den nationalen Wetterdiensten bei der Entwicklung geeigneter Modelle und Kennwerte
  • Bei Aktivierung: Errichtung von Lagerhäusern an strategisch günstigen Orten, um gefährdete Gebiete im Ernstfall schnell erreichen zu können
  • Beschaffung und Bevorratung von Hilfsgütern und Bereitstellung von Ausrüstung

Das Projekt

Region: Guatemala, Honduras
Projektvolumen: 550.000,00 Euro
Laufzeit: 1. Mai 2020 bis 31. Dezember 2022
Finanzierung: Auswärtiges Amt, Deutsches Rotes Kreuz/Spenden
Partner: Honduranisches Rotes Kreuz (CRH), Guatemaltekisches Rotes Kreuzes (CRG)


Helfen Sie mit einer Spende!

Jede kleine Spende hilft den notleidenden Menschen in Honduras und Guatemala!

Jetzt spenden!

Title

zum Anfang