Fragen & Antworten: DRK-Einsatz in Kara Tepe II auf Lesbos/Griechenland

  • Wie bewertet das DRK die humanitäre Situation in Kara Tepe II?

    Wir müssen ganz klar feststellen: Die Situation der Menschen in Kara Tepe II entspricht nicht unseren Erwartungen an eine würdevolle Unterbringung und Versorgung von Schutzsuchenden in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Es ist auch in unserem Interesse, die Bedingungen der dort untergebrachten geflüchteten Menschen stetig zu verbessern. Als Rotes Kreuz beachten wir jedoch im Rahmen unseres humanitären Mandats und der humanitären Prinzipien die politischen Rahmenbedingungen. Das Griechische Rote Kreuz, die Schwestergesellschaft des DRK, wie auch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften stehen in regelmäßigem Kontakt mit den griechischen Behörden, um die humanitäre Lage weiter zu verbessern. 

    Nach dem Brand des Flüchtlingscamps Moria am 08.09.2020 wurde der Standort Kara Tepe II komplett neu aufgebaut, ohne jegliche bereits vorhandene Infrastruktur. Der Soforthilfeeinsatz des Deutschen Roten Kreuzes zielt seit September 2020 darauf ab, akute humanitäre Bedarfe der Menschen in Kara Tepe II zu decken. Unsere humanitären Hilfsleistungen verfolgen das Ziel international anerkannten Mindeststandards der humanitären Hilfe zu gewährleisten und bilden momentan vor Ort ab, was entsprechend der Rahmenbedingungen möglich ist. Seit Beginn des Einsatzes konnten wir eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Situation der Menschen in Kara Tepe II im Vergleich zur Situation nach dem Brand im Flüchtlingscamp Moria verbessern, umsetzen.

  • Wie hilft das Deutsche Rote Kreuz den Menschen in Kara Tepe II?

    In Abstimmung mit seiner Schwestergesellschaft, dem Griechischen Roten Kreuz, und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) setzt sich das DRK vor allem dafür ein, dass die Basishygiene und die Wasserversorgung gesichert werden können. 

    In einem ersten Schritt leistete das DRK mit vier Flügen eine Hilfslieferung von insgesamt 500 Familienzelten. Diese erfolgten nur wenige Tage nach dem Brand am 13. und 14. September 2020; mitgeliefert wurde auch winterfeste Zusatzausstattung für die Zelte. Der Großteil der Zelte wurde von September bis Oktober 2020 aufgebaut, entsprechend des damaligen von den zuständigen Behörden genannten Bedarfs. Die meisten der aufgebauten DRK-Zelte verfügen über eine winterfeste Struktur, d. h. isolierte Wände und eine wasserabweisende Zeltaußenhaut. Um die Menschen in den DRK-Zelten vor stagnierendem Regenwasser und Bodenkälte zu schützen, wurden Paletten vom DRK beschafft. Das Mandat des DKR vor Ort umfasst derzeit nicht eine Verbesserung der Unterbringung der Menschen in Kara Tepe II. 

    In einem zweiten Schritt startete das DRK einen umfangreichen Einsatz mit eigenem Personal (zurzeit: 5 DRK-Nothilfeexpert*innen). Dieser erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Griechischen Roten Kreuz und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) vor Ort in Kara Tepe II. Im Rahmen dieses aktuell noch bis Ende März 2021 laufenden Einsatzes soll schrittweise die Hygiene- und Wasserversorgung für rund 7.300 Menschen verbessert werden. Bisher wurden folgende Maßnahmen durchgeführt: 

    • Aufbau und Versorgung von 9 Wassertanks, 9 Wasserentnahmestellen und 28 Handwaschstationen
    • Täglich werden 180 Kubikmeter Trinkwasser und 50 Kubikmeter Warmwasser mit LKWs angeliefert und verteilt. So können 23 Liter aufbereitetes Kaltwasser pro Person bereitgestellt werden. Der international anerkannte humanitäre Indikator für derartige Notsituationen ist 15 Liter pro Person/Tag.
    • Abwasserentsorgung per LKW 
    • Verteilung von knapp 1.700 Hygienepaketen, u. a. mit Seife, Waschmittel, Zahnbürsten 
    • Vermittlung von Hygienewissen in verschiedenen Sprachen, auch für Kinder, durch mehr als 100 freiwillige Geflüchtete, unter anderem zur Eindämmung des Corona-Virus
    • Ein barrierefreier Duschplatz steht seit dem 15.03. zur Verfügung
    • Errichtung von über 120 provisorischen Warmwasserwaschzellen mit separaten Waschgelegenheiten für Frauen und Kinder

     

    Bei den provisorischen Warmwasserwaschzellen handelt es sich um sogenannte „Bucket Showers“, mit denen die Menschen sich in nach Geschlechtern getrennten Kabinen mit warmem Wasser waschen können. Dies ist eine kurzfristige Notlösung, die allerdings im Moment mit Blick auf die derzeit noch unzureichende Infrastruktur leider die einzige Möglichkeit darstellt, den Menschen überhaupt eine warme Ganzkörper-Waschmöglichkeit zu bieten. Die Einrichtung dieser „Bucket Showers“ erfolgte – wie alle Maßnahmen – in enger Abstimmung mit den an der Wasser- und Sanitärversorgung sowie den Hygieneaktivitäten beteiligten Organisationen vor Ort. Nichtsdestotrotz stehen wir mit den lokalen Behörden sowie den Vereinten Nationen in engem Austausch, um einen Anschluss von Kara Tepe II an das örtliche Zu- und Abwassersystem zu realisieren und die Waschmöglichkeiten der schutzsuchenden Menschen weiter zu verbessern.

  • Mit welchen anderen Organisationen und Partnern arbeitet das DRK in Kara Tepe II zusammen?

    Das DRK ist bei seiner Arbeit auf die enge und kontinuierliche Abstimmung mit einer Vielzahl von weiteren Akteuren angewiesen und in kollektive Strukturen und Prozesse eingebettet. Zu diesen Akteuren zählen die griechischen Behörden, unsere Schwestergesellschaft – das Griechische Rote Kreuz –, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), weitere international tätige Hilfsorganisationen (darunter z. B. UNICEF, UNHCR, IOM) sowie kleinere lokale Organisationen. Auch die in Kara Tepe II untergebrachten Menschen werden im Rahmen von Fokusgruppengesprächen und mittels Feedbackmechanismen in diese Abstimmungen einbezogen.

  • Wie hilft das DRK geflüchteten Menschen auch außerhalb von Kara Tepe II?

    Durch eine sehr großzügige Spende der Siemens AG und des Volkswagen Konzerns in Höhe von 5 Millionen Euro konnten die bisherigen Hilfen auf Lesbos ermöglicht werden. Doch auch außerhalb von Kara Tepe II sind in Griechenland viele geflüchtete Menschen auf Unterstützung des Roten Kreuzes und anderer Organisationen angewiesen. Mit den Mitteln von Siemens und VW ist es dem DRK daher möglich, auch diese vulnerablen Menschen in anderen Regionen Griechenlands über bereits laufende Hilfsprogramme des Griechischen Roten Kreuzes zu unterstützen. Diese umfassen den Betrieb einer Vielzahl von Zentren, in denen Gesundheitsdienstleistungen angeboten, unbegleitete Minderjährige untergebracht und versorgt, griechische Sprachkenntnisse vermittelt werden und Unterstützung bei Behördengängen geleistet wird. Zudem unterstützt das DRK die Beschaffung und den Betrieb von Mobilen Kliniken.

    Das DRK steht mit Volkswagen und Siemens in regelmäßigem Austausch. Beide Unternehmen sind an den operativen Hilfsmaßnahmen, sprich: deren Konzeption, Abstimmung und Umsetzung, allerdings nicht beteiligt. 

  • Zu welchen Transparenzstandards hat sich das DRK in Bezug auf Spenden verpflichtet?

    Zur Erfüllung seiner satzungsgemäßen Aufgaben wirbt der Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes Spenden ein. Der verantwortungsvolle Umgang mit Spenden bildet die Grundlage seiner Arbeit. Kooperationen mit Unternehmen durchlaufen einen intensiven Prüfprozess.

    Das DRK setzt die ihm anvertrauten Spenden unter anderem für soziale Projekte im Inland und für die weltweite humanitäre Hilfe in Katastrophen- und Krisengebieten ein. Ein Teil der Spenden fließt in wichtige Aufgaben des DRK-Verbandes in Deutschland.

    Durch Evaluationen messen wir die Wirkung der Projekte des DRK. Dadurch können wir die Qualität unserer Projekte kontinuierlich verbessern. Ob interne Evaluation durch alle Beteiligten oder externe Evaluation durch Gutachter mit spezieller Expertise: Das Lernen und die Verbesserung der Qualität der Arbeit stehen für das DRK im Vordergrund (www.drk.de/wirkungsmessung). Das DRK berichtet über die Verwendung der Spenden auf seiner Webseite, in seinen Spendenbriefen und anderen Medien.

    Das DRK ist Mitglied im Deutschen Spendenrat, zudem erkennt es als Grundlage seiner Arbeit die Leitlinien zur Selbstverpflichtung Spenden sammelnder Organisationen des DZI an. Das DZI bescheinigt dem DRK jedes Jahr mit dem Spenden-Siegel den sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit den Spenden und anderen Finanzmitteln. Das DZI-Siegel bestätigt: Das DRK leistet satzungsgemäße Arbeit, und der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist angemessen. Das DRK dokumentiert in seinem Jahresabschluss nachvollziehbar, wie die Mittel beschafft und verwendet werden.

    Die Kontrolle des Vereins und seiner Organe ist gegeben. Außerdem ist das DRK Mitglied der Initiative „Transparente Zivilgesellschaft“.  

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