Baby auf dem Arm seiner Mutter
Steffen Freiling/DRK

Familienhilfe: Süße Momente der Stille

Wenn ein Neugeborenes ungewöhnlich lange – über Stunden – schreit, kann es sich um ein sogenanntes „Schreibaby“ handeln. Oft ist dann die gesamte Familiensituation stark belastet und die Eltern benötigen besondere Unterstützung. An den drei Standorten der DRK-SchreiBabyAmbulanz Düsseldorf bekommen sie Hilfe im richtigen Umgang mit Schreibabys.

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100 € helfen z. B., bei einem komplett spendenfinanzierten Projekt wie der SchreiBabyAmbulanz die Honorarkosten für zwei Therapiestunden zu begleichen.

Frau G. genießt es, ihre Tochter in ihren Armen zu wiegen. Wie ihr kleiner Engel dann über das ganze Gesicht strahlt. Das gibt der jungen Mutter Kraft. Sie fühlt sich stark und ausgeglichen. Das hätte sie vor ein paar Monaten kaum zu träumen gewagt. „Mein Mann und ich waren völlig verzweifelt, weil unsere Tochter stundenlang geschrien hat. Sie war sehr schreckhaft und hatte Angst vor allem Neuen, was ihr begegnete. Wir konnten sie nicht ablegen, geschlafen hat sie kaum, die Nächte und teilweise auch die Tage waren der blanke Horror“, erinnert sich Frau G. immer noch mit Schrecken.

Dabei taten die Eltern alles für ihr Baby. Doch egal, was sie versuchten – beruhigendes Zureden, sanftes Schaukeln, stundenlanges Herumtragen und vieles mehr – nichts brachte das Kind zur Ruhe. In ihrer Not suchten Frau G. und ihr Mann professionelle Hilfe: „Bei Ärzten, Osteopathen, Hebamme kamen wir zunächst nicht weiter und stießen auf taube Ohren. Die SchreiBabyAmbulanz war unsere letzte Hoffnung.“

Eine große Belastung für Mutter und Kind

„Wenn Babys stundenlang schreien, ist das für die Eltern eine große Belastung“, erklärt Silke Rickert, Teamleitung Eltern-Kind-Arbeit des DRK-Kreisverbandes Düsseldorf. „Sie fühlen sich dann oft ohnmächtig und chronisch erschöpft.“ 

Das Gefühl, überfordert zu sein, belastet die Gesundheit von Mutter und Vater. Zudem ist es häufig der Nährboden für ungewollte Aggressionen gegenüber dem eigenen Kind, die wiederum zu weiteren Schuldgefühlen und Selbstzweifeln führen. „Als erstes suchen wir gemeinsam mit den Eltern nach möglichen Ursachen: Wie verlief die Schwangerschaft, wie die Geburt? Wie ist die aktuelle Belastung in der Familie? Gibt es vielleicht Sorgen?“, beschreibt Silke Rickert.

Signale richtig deuten

„Um herauszufinden, wo mögliche Gründe für das Schreien liegen könnten, haben wir auf zwei Ebenen gearbeitet: körperlich und psychisch“, berichtet Frau G. „Dabei haben wir entdeckt, dass unsere Kleine mit einem KiSS-Syndrom* geboren wurde. Das konnten wir dann bei einem spezialisierten Arzt in Köln behandeln lassen.“ Neben den gesundheitlichen Problemen wurde auch die seelische Belastung erforscht. „Auf psychischer Ebene haben wir erarbeiten können, dass über die Zangengeburt ein Geburtstrauma vorlag mit psychischen Auswirkungen für meine Tochter, aber auch für mich selbst. In dieser Situation stand mir Anke Klein wöchentlich zur Seite.“

Die DRK-Mitarbeiterin Anke Klein ist als Körperpsychotherapeutin speziell für die Krisenbegleitung von Schreibabys ausgebildet. In Gesprächen gibt sie den Eltern Werkzeuge an die Hand, mit denen sie das Baby mit eigenen Kräften besser beruhigen können.

„In einer akuten Situation hilft zum Beispiel unser ‚Notfallbaukasten‘ für Eltern: Wenn sie merken, dass sie nicht mehr können, legen sie ihr Kind an einem sicheren Ort ab und gehen in einen anderen Raum. Dort atmen sie kurz durch und sammeln Kraft. Oft genügt schon dieser kurze Rückzug, damit sich Eltern wieder ihrem Kind widmen können“, berichtet Silke Rickert. „Auch die Oma oder Freunde zu bitten, sich eine Weile um das Kind zu kümmern, kann die Belastung der Eltern deutlich senken.“

Kostenlose Hilfe

Die DRK-SchreiBabyAmbulanz ist kostenlos und steht damit allen Familien unabhängig von ihrer Einkommenssituation offen. Und die Nachfrage verzweifelter Eltern ist groß: „2019 haben wir 29 Familien mit 83 Terminen beraten“, rechnet Silke Rickert zusammen. Und auch im vergangenen Jahr suchten viele junge Familien Hilfe. „Während der Corona-Pandemie arbeiten wir in Videokonferenzen zusammen, um in Kontakt zu bleiben.“

Echtes Mutterglück

Die gemeinsamen Sitzungen mit Anke Klein haben bei der Tochter von Frau G. große Erfolge gezeigt: „Ich bin sehr dankbar dafür, eine Person gefunden zu haben, die mit großer Einfühlsamkeit und Verständnis auf uns und unsere Situation reagiert hat. Meine Tochter ist heute acht Monate alt, seit etwa zwei Monaten sind sämtliche Schwierigkeiten behoben. Sie ist körperlich sogar wesentlich fitter als andere Babys in ihrem Alter. Sie schreit ganz normal, wie Babys das eben tun, und erkundet neugierig die Welt“, berichtet die Mutter überglücklich.

Das kostenlose Angebot der DRK-SchreiBabyAmbulanz ist eines von unzähligen sozialen Rotkreuz-Projekten. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie eine Vielzahl solcher und ähnlicher Angebote.

* Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung: Bewegungsstörung der oberen Halswirbelsäule, die Beschwerden und Auffälligkeiten bei Neugeborenen verursacht.


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