Collage aus Ansichten des Rauhen Hauses
Brigitte Hiss/DRK

Hamburg: Christliche Brüder als erste Rotkreuzhelfer

Beim Rauhen Haus handelt es sich um eine von dem Theologen Johann Hinrich Wichern im September 1833 ins Leben gerufene Stiftung, die zunächst der Betreuung verwahrloster und verwaister Kinder aus den Armutsvierteln Hamburgs dienen soll.

Vor den Toren der Stadt, im damals sechshundert Seelen zählenden Dorf Horn, erhält Wichern von Karl Sieveking ein Grundstück mit der Bauernkate Ruges Hus zur Verfügung gestellt. Abseits der Großstadt soll den Kindern ein Neuanfang ermöglicht werden, sie sollen hier lernen, arbeiten und feiern können. Schon bald wird aus dem Rettungshaus ein Rettungsdorf. Die Erziehung der Kinder erfolgt in familienähnlichen Strukturen. Maximal zwölf von ihnen, zunächst nur Jungen, später auch Mädchen, und ein Erzieher oder eine Erzieherin leben jeweils in einem Haus. Schon bald gründet Wichern auf dem Gelände eine pädagogisch-theologische Ausbildungsstätte für seine Mitarbeiter, die sich Brüder nennen.

Brüder vom Rauhen Haus sind dann im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 bei Düppel im Einsatz, um Verwundete zu pflegen und Hilfsgüter an die Soldaten zu verteilen. Als weltweit erste Helfer tragen sie dabei eine Rotkreuzarmbinde, wobei das Kreuz in diesem Fall noch die Form des Hanseatenkreuzes hat. Vergleichbare Einsätze erfolgen im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, dann schon mit dem bis heute vertrauten roten Kreuz am Arm. Diese Erfahrungen der Brüder veranlassen das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz 1886, dem damaligen Leiter des Rauhen Hauses, dem Sohn und Nachfolger des Gründers, Johannes Wichern, den Aufbau einer Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege zu übertragen. Sie wird ein dem Roten Kreuz angeschlossener Verband. Bereits während des Ersten Weltkriegs gibt es Hinweise auf eine eigene Rotkreuz-Jugendarbeit im Rauhen Haus.

Adresse und Öffnungszeiten

Beim Rauhen Hause 21
Zentraler Empfang: Horner Weg 190
22111 Hamburg

Telefon: 040/ 655 91-213
E-Mail: rvg@rauheshaus.de
Website: www.rauheshaus.de

Öffnungszeiten: Das Gelände ist frei zugänglich. Jeden ersten Freitag im Monat (außer an Feiertagen) werden Führungen angeboten. Sie dauern rund zwei Stunden und sind kostenlos. Treffpunkt ist vor dem Alten Haus um 14.00 Uhr, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der nächstliegende Eingang hierfür ist Beim Rauhen Hause 21. Darüber hinaus können Gruppenführungen vereinbart werden.

Tipps & Links

Weitere Orte zu den Anfängen des Roten Kreuzes in Deutschland:Flensburg (Löwenapotheke), Hamburg (Börse) und Langensalza.

Buchtipps: Johann H. Wichern, Das Rauhe Haus und die Arbeitsfelder der Brüder des Rauhen Hauses 1833 bis 1883. Nachdruck der Originalausgabe von 1883, Hamburg 2017.

Volkmar Schön (Hg.), „Auf nach Düppel“ – erstmals Hilfe unter dem Zeichen des Roten Kreuzes. Die Wurzeln des Roten Kreuzes in Hamburg. Beiträge zur Rotkreuzgeschichte 2, AVM, München 2019.

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