Collage: Haus in Fürth und Mosaik mit Rotkreuzmotiv
Quelle Fürth Wiki Archiv Kamran Salimi, Urheber Kamran Salimi, Lizenz cc-by-sa-3.0; DRK

Fürth: Ein Mosaik zieht um

Am 20. Oktober 1910 schreibt der in Fürth geborene Luis Alfred Nathan aus Meran an den Magistrat: „In Ehrung eines mir heiligen Wunsches übergebe ich der Stadtgemeinde Fürth 70000 M unter folgenden Bestimmungen:

Die Stadtgemeinde möge auf einem städtischen Grundstück ein Haus erbauen, das der ersten Hilfeleistung an erkrankte und verunglückte Personen gewidmet ist. […] Das Gebäude möge der freiwilligen Sanitätskolonne übergeben werden.

Der nicht benötigte Teil des Kapitals soll als Fond für den Rettungsdienst verwaltet werden. Aus seinen Zinsen ist das Haus zu unterhalten. […] Hienach mögen die erforderlichen Vorbereitungen getroffen und die Begründung des Fonds sowie die geplanten Maßnahmen anläßlich des 90. Geburtstages Seiner königlichen Hoheit des Prinzregenten, des erlauchten Förderers aller gemeinnützigen Bestrebungen, zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden. Die Nennung meines Namens soll unterbleiben.

gez. Alfred Nathan, k. b. Hofrat.“

Ein Standort ist schnell gefunden: Der alte Friedhof an der Auferstehungskirche ist gerade zu einem Park umgestaltet worden. Zur Nordstraße hin soll der Bau entstehen. Im März 1912 wird er fertiggestellt. Ein großes Rotes Kreuz weist darauf hin, wer hier zu Hause ist. Links vom Haupteingang stellt ein Mosaik eine barmherzige Schwester dar, die einen ermüdeten alten Wanderer labt. Der Entwurf stammt von dem Nürnberger Maler Hermann Schwabe, gestaltet wird es vom Münchener Atelier Rauecker.

Der Jahresbericht der Sanitätskolonne von 1912 hält fest: „Rechts vom Haupteingang haben wir das Wachzimmer. Das Mobiliar ist einfach gehalten, Tische und Stühle aus weichem Holze, Schreibtisch und Bücherregal; auch ein Gaskocher ist vorgesehen; zur Heizung dient ein Kachelofen. Durch eine Verbindungstüre kommen wir in das Schlafzimmer (4 eiserne Betten, Nachttische und Schränke, weiß gestrichen), daneben liegen Bade- und Toilettenraum. 

Das Verbandzimmer erinnert an einen kleinen Operationsraum einer modernen Klinik: Weiße Wand- und Bodenplättchen, Instrumenten- und Verbandschrank, Instrumentenkocher, Irrigator, Waschgelegenheit mit Warm- und Kaltwasserzuleitung. […]  Nicht vergessen werden darf die Wagenhalle für das Elektromobil, das hier auch gespeist wird, die bespannten Wägen und die Fahrbahren. Neben dieser Halle ist eine kleinere angebaut für Wägen, welche zum Transporte von infektiös Erkrankten benutzt worden waren. Die Sanitätsmänner, welche einen solchen Transport auszuführen hatten, begeben sich von dieser Halle aus in eine Auskleidezelle, kommen von dieser in einen Doucheraum und verlassen diesen auf der anderen Seite, um frisch gekleidet das Wachzimmer wieder zu betreten. Der Wagen und die möglicherweise infizierte Kleidung wird desinfiziert.“

Im ersten Stock liegen ein Unterrichtsraum und ein großer Übungsraum. Im Dachgeschoss befindet sich die Wohnung des Hausmeisters, ein Schrankzimmer für die Kolonne und eine sogenannte Rüstkammer für Schienen und Verbandmaterial. Der Keller beherbergt eine Werkstatt für Hilfsgeräte. 

Die Einweihung wird zu einem großen Ereignis. Unter Begleitung des Musikkorps des 21. Infanterieregiments marschiert die 1886 gegründete Sanitätskolonne von ihrem alten Standort im Rathaushof zum festlich geschmückten neuen Gebäude. 

Bis 1976 wird sie hier ihre Heimat haben. Mit der Übersiedlung ins neue Rotkreuzhaus in der Henri-Dunant-Straße 11 bekommt das Mosaik einen Ehrenplatz in der Eingangshalle. Das alte Kolonnenhaus wird 1981/82 in Abstimmung mit dem Denkmalamt zum Gemeindehaus umgebaut. Heute wird es gemeinsam vom Pfarramt der Auferstehungsgemeinde und dem Evangelischen Bildungswerk Fürth genutzt.

Adresse und Öffnungszeiten

Otto-Seeling-Promenade 7
90762 Fürth

Telefon: BRK-Kreisverband Fürth: 0911 77981-0 (zwecks Besichtigung des Mosaiks)
E-Mail: BRK-Kreisverband Fürth: info(at)brkfuerth.de
Website: www.auferstehungskirche-fuerth.de/Pfarramt.htm und www.ebw-fuerth.de

Öffnungszeiten: Das frühere Kolonnenhaus wird heutzutage kirchlich genutzt. Das Mosaik befindet sich im Kreisverbandsgebäude in der Henri-Dunant-Straße 11.

Tipps & Links

Weitere Orte zu Sanitätskolonnen: Biedenkopf, Bockau, Lübeck (Friedhof und Kolonnenhaus), Lindau und Stendal.

Auch sehenswert: Da Fürth im Zweiten Weltkrieg relativ wenig zerstört wurde, ist das historische Stadtbild weitgehend erhalten geblieben, mitsamt einiger Ensembles aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das ab 1840 im italienischen Stil erbaute Rathaus mit seinem markanten Turm. Im Untergeschoss ist befindet sich das Kriminalmuseum. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Museen, etwa den Standort Fürth des Jüdischen Museums Franken, den Ausstellungsteil des Ludwig Erhard Zentrums und das Dialysemuseum im Jakob-Henle-Haus. (www.tourismus-fuerth.de)

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