Ausstellung zur Geschichte des Lagers Friedland in Nissenhütte
Jörg F. Müller/DRK

Friedland: Das Tor zur Freiheit

Am 20. September 1945 wird seitens der britischen Besatzungsmacht auf dem Gelände der nach Friedland ausgelagerten Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Universität Göttingen das Grenzdurchgangslager für Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland sowie Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft in Betrieb genommen.

Der Standort liegt günstig am Schnittpunkt der amerikanischen, britischen und sowjetischen Besatzungszonen sowie an einer wichtigen Bahnstrecke. Zunächst besteht das Lager aus ehemaligen Stallgebäuden, Baracken und Nissenhütten. Es umfasst Unterkünfte für Mütter mit Kleinkindern, für Frauen und für Männer.

Anfangs kommen täglich tausende ehemaliger Wehrmachtsangehöriger, die hier ihren Entlassungsschein, ihren Wehrsold und ein Entlassungsgeld erhalten. Vorgesehen ist zudem eine ärztliche Untersuchung und Desinfektion, nach vierundzwanzig Stunden sollen die Ankömmlinge weiterziehen. Besonders kompliziert gestaltet sich die Ankunft von Kindergruppen, da hier oftmals erst die Angehörigen ausfindig gemacht werden müssen. In diesem Zusammenhang beginnt dann auch die dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz.

„Von Friedland sprach man einfach. Friedland war ein Knotenpunkt, einer der wichtigsten. Wir wussten nur, dass alles dahinströmte und dass man da über die Grenze gehen könnte. Aber stellen Sie sich mal vor: Eintausend Menschen jeden Tag! Sie mussten sich in einen Treck eingliedern, weil der ganze Osten ja zum Westen wollte. Entweder wegen der Sicherheit oder die Menschen hatten dort Bekannte und Verwandte, die sie aufnehmen konnten. Und was für viele kranke Menschen auch sehr wichtig war: Die wurden hier im Westen noch intensiver versorgt. Das war ja in anderen Gebieten sehr vernachlässigt“, so Adelheid Gräfin vom Hagen, die selbst über Friedland in den Westen gekommen ist und dann über ein Jahr lang sechs Tage die Woche ehrenamtlich dort mitgearbeitet hat. In der Folge wird sie Präsidiumsmitglied des Deutschen Roten Kreuzes.

Später dient Friedland als erste Anlaufstelle für Übersiedler aus der DDR, vor allem jedoch als zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Bundes für Spätaussiedler. Seit 2011 fungiert es zudem als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen für Asylbewerber. Immer wieder wurden und werden auch Flüchtlingsgruppen aus anderen Ländern zunächst hier untergebracht: Ungarn (1956), Chile (1973), Vietnam (1978), Sri Lanka (1984), Albanien (1990), Irak (2009) und Syrien (2013). Allein bis Ende 1945 haben mehr als 500.000 Menschen Friedland durchlaufen. Insgesamt ist es für über vier Millionen Menschen erste Anlaufstelle in der Bundesrepublik. Daher wird es auch das „Tor zur Freiheit“ genannt. Über fast siebzig Jahre hinweg ist das Rote Kreuz Teil von Friedland gewesen, erst 2013 schließt es seine dortige Betreuungsstelle.

Adresse und Öffnungszeiten

Grenzdurchgangslager: Heimkehrerstraße 18
Museum: Bahnhofstraße 2
37133 Friedland

Telefon: 05504 803-0
E-Mail: poststelle-fr(at)lab.niedersachsen.de
Website: www.lab.niedersachsen.de

Öffnungszeiten: Das Gelände ist frei zugänglich, allerdings ist zu beachten, dass das Grenzdurchgangslager kein Museum ist, sondern vorübergehender Wohnort von Zuwanderern.

Tipps & Links

Museum: Im März 2016 wurde in den Räumen des alten Bahnhofs das Museum Friedland eröffnet. Geplant ist zudem ein zweiter Bauabschnitt mit Themenpark und Pavillons. Kernpunkte der Ausstellung sind Flucht, Vertreibung, Migration und Integration. Ein Raum ist dem DRK-Suchdienst gewidmet.
E-Mail: Für Gruppen besuch(at)museum-friedland.de
Website: museum-friedland.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr

Weitere an Flucht und Vertreibung erinnernde Orte: Berlin (Marienfelde)

In der Nähe: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Friedland-Gedächtnisstätte mit dem 1967 eingeweihten Heimkehrerdenkmal.

Buchtipp: Karoline Grothe, Ein Stück Leben. Zeitzeugen erinnern sich an ihre Einsätze im Grenzdurchgangslager Friedland (hg. vom DRK-Landesverband Niedersachen), Hildesheim 2007

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