Wohlfahrts- und Sozialarbeit nehmen ihren Aufschwung

Für das Rote Kreuz steht unmittelbar nach Kriegsende die Soforthilfe für die eigene Bevölkerung im Vordergrund. Mit Kleiderspenden und Lebensmittelhilfen lindert es die unmittelbare Not nach vier Kriegsjahren. Durch seine internationalen Kontakte steht sogar Fisch aus Norwegen zur Verfügung, Grundnahrungsmittel kommen aus Brasilien, und Südafrika finanziert Schulspeisungen. In einigen Großstädten dienen Kleingärten des Roten Kreuzes dazu, bedürftigen Familien den Anbau von Kartoffeln und Gemüse zur Selbstversorgung zu ermöglichen. Mit öffentlichen Suppenküchen und Milchausgabestellen begegnet das Rote Kreuz der zunehmenden Verelendung als Folge der Inflation der 1920er Jahre.

Die Verantwortlichen erkennen die Notwendigkeit einer nachhaltigen und professionellen Sozialarbeit: Schulen für hauptamtliche Wohlfahrtspflegerinnen werden eingerichtet, und 1927 entsteht die Werner-Schule in Berlin. Sie widmet sich der Weiterbildung von Rotkreuzschwestern, die in der Krankenpflege, aber auch in der frühkindlichen Erziehung und der Fürsorge tätig werden, in Kindergärten, Erholungseinrichtungen für Kinder und Heimen für alleinerziehende Mütter.

Ein Schwerpunkt der Rotkreuzarbeit liegt in der Gesundheitserziehung der Bevölkerung: Lehrgänge in Haushaltsführung, „Mutter und Kind“ und Erster Hilfe sind wichtige Bausteine, um hohe Sterberaten insbesondere bei Kleinkindern zu senken. Der 1924 gegründeten „Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege“ schließt sich zwei Jahre später auch das DRK an und ist nun ganz offiziell ein Wohlfahrtsverband.


 

Die Werner-Schule

Clementine von Wallmenich, Oberin der Münchner Schwesternschaft, gründet 1903 zur Aus- und Weiterbildung von Pflegeschwestern die „Oberinnenschule“. Nach wechselvollen Jahren kommt es 1927 in Berlin zur Neugründung als „Werner-Schule“, benannt nach Generalarzt Otto Werner, ehemaliger Vorsitzender der Oberinnenschule und unermüdlicher Förderer der Schwesternschaften. Nach der Zerstörung des Berliner Gebäudes im Zweiten Weltkrieg wird der Betrieb 1947 im neuen Haus in Göttingen wieder aufgenommen. Bis zur Schließung 2016 werden dort Generationen von Rotkreuzschwestern fortgebildet.

 

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