Wende, Wiedervereinigung und das neue DRK

Tausende DDR-Bürger versuchen 1989 über westdeutsche Botschaften in die Bundesrepublik zu gelangen, während sich in ihrer Heimat die Proteste gegen das Regime zuspitzen. Die „Wende“ ist nicht mehr aufzuhalten. Sie erfasst auch das DRK der DDR. Im April 1990 wird mit Christoph Brückner zum ersten Mal ein DRK-Präsident der DDR demokratisch gewählt. Mit seinem westdeutschen Amtskollegen Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein beschreitet er den Weg hin zu einem einheitlichen Deutschen Roten Kreuz.

Die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erfordert auch eine Neuorganisation des DRK, denn nach dem Grundsatz der „Einheit“ kann es in einem Land nur eine nationale Rotkreuzgesellschaft geben. Da sich die 15 Bezirke der DDR ohnehin zu Bundesländern umgestalten, liegt es nahe, analog neue Landesverbände zu gründen. Die beiden Berliner Landesverbände vereinigen sich zu einem einzigen. Diese treten mit Wirkung vom 1. Januar 1991 dem DRK der Bundesrepublik bei. Nur drei Monate später wird das neue DRK von der Bundesregierung, weitere zwei Monate später vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz anerkannt.

Ein Umzugsbeschluss besiegelt die Verlegung des Dienstsitzes von Bonn nach Berlin, wo das DRK seit 2001 im ehemaligen Rittberg-Krankenhaus im Stadtteil Steglitz residiert.


 

Im August 1989 suchen Tausende DDR-Bürger Zuflucht im Prager Palais Lobkowitz, dem Sitz der bundesdeutschen Botschaft. Die beginnende Wende nimmt ihren Lauf.

Die Versorgung der neuen „Bewohner“ ist eine logistische Herausforderung, nicht zuletzt für die aus der Bundesrepublik anreisenden Rotkreuzhelfer. Zweieinhalb Wochen lang leitet Angelika Schmitz vom DRK-Kreisverband Euskirchen die Kochgruppe. Sie führt während dieser Zeit ein Tagebuch über ihre Tätigkeit, ihre Erlebnisse und ihre Eindrücke. Die zunehmende Enge in der Botschaft wird in ihren Aufzeichnungen aus der Per­spektive der Verpflegungseinheit deutlich: „1.500 Essen zubereitet; am nächsten Tag: 2.500 Essen; am Tag darauf: 3.500 Essen …“

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