Mobiler Hilfsdienst

Die 1970er Jahre bringen in vielerlei Hinsicht eine Modernisierung und Öffnung der Gesellschaft. Das betrifft auch die Sozialfürsorge durch das Deutsche Rote Kreuz – im Westen bereits eine tragende Säule von Rotkreuz-Arbeit, im Osten, wo sie sich erst mit der Wende in großem Umfang etabliert, eher weniger entwickelt. Man erkennt, dass man besser alten und gebrechlichen Menschen möglichst lange ein Leben in der eigenen Umgebung ermöglicht, statt sie in Pflegeeinrichtungen unterzubringen.

Damit sich auch hilfsbedürftige oder alleinstehende Senioren ausgewogen ernähren, führt das DRK das „Essen auf Rädern“ ein. Wer es wünscht, bekommt fertig zubereitete Mahlzeiten, die nur noch erhitzt werden müssen. Auch andere mobile Dienste wie Fußpflege oder der Friseurbesuch zuhause werden von manchen Kreisverbänden angeboten.

Der Begriff „Barrierefreiheit“ ist noch nicht allgegenwärtig. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist es schwierig, die Wohnung zu verlassen, Teilhabe am sozialen Leben findet nicht oder nur sehr eingeschränkt statt. Mit dem neu eingerichteten Fahrdienst gibt das DRK diesen Menschen ein Stück Welt zurück. Dank Zivildienstleistenden bleiben die Kosten überschaubar und machen das Angebot für jeden bezahlbar. In der Folge entfaltet dieser Service eine solche Nachhaltigkeit, dass er Eingang in das Sozialgesetzbuch findet und heute einen Rechtsanspruch begründet.


 

Zu Beginn der 1940er Jahre führt der „Königliche Frauenhilfsdienst“ in Großbritannien einen Lieferdienst für Mahlzeiten ein und nennt ihn „Meals on Wheels“ [‚Essen auf Rädern’]. Es dauert rund 20 Jahre, bis die Idee sich auch in Deutschland ausbreitet. Starthilfe bekommt sie vom Kuratorium Deutsche Altershilfe, und bald ist auch das DRK dabei. Zu den Pionieren gehört das Berliner Rote Kreuz. 1971 liefert es unter dem Namen „Fahrbarer Mittagstisch“ 308.000 Mahlzeiten an Bürger über 65 Jahre aus. Ein Menü kostet damals 3,50 DM.

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