Im Lazarett und an der „Heimatfront“

Nach der Neuausrichtung des Deutschen Roten Kreuzes auf kriegswichtige Aufgaben stockt vor allem das DRK zwischen 1939 und 1945 den Sanitätsdienst der Wehrmacht personell auf. Im Verlauf des Krieges wird die Ausbildung der Krankenschwestern gestrafft, weil in den Lazaretten immer mehr helfende Hände benötigt werden. Dennoch bleibt die Ausbildung zur DRK-Schwester professionell und sehr praxisbezogen. Für die spätere Lazarettarbeit mit ihren hohen Anforderungen unter oft gefahrvollen Umständen – ganz zu schweigen von dem menschlichen Elend, das die Schwestern dort erleben – ist das von Vorteil.

DRK-Angehörige sind nicht nur als Kriegskrankenschwestern oder als Sanitäter tätig, sie leisten auch Begleit- und Betreuungsdienste bei Verwundetentransporten und Erfrischungsdienste auf den Durchgangsbahnhöfen.

An der „Heimatfront“, also abseits der eigentlichen Kampfgebiete ist die Arbeit mit fortschreitendem Krieg und immer häufigeren Bombardierungen von Städten und Fabriken für die DRK-Helfer nicht weniger gefährlich. Nach dem Rotkreuz-Gesetz von 1937 ist Unterstützung für den Sanitätsdienst des Luftschutzes fester Bestandteil der DRK-Arbeit. Auch bildet es Helfer für den Werkssanitätsdienst aus und stellt sie Betrieben und Firmen zur Verfügung. Bei Kriegsende sind rund 600.000 Rotkreuz-Angehörige – Schwestern, Ärzte und anderes Hilfspersonal – im Einsatz.


 

Schwester Klara Meier erinnert sich:

„Ich war Hilfsschwester im Zweiten Weltkrieg. Gerade war ich auf dem Weg zu einem Mann, der vor dem Krankenhaus zusammengebrochen war. Dass dieser Mann ein Pole war, hielt mich nicht davon ab, ihm zu helfen. Ich wurde dabei beobachtet und bei der SS denunziert. Man warf mir vor, einem Feind geholfen zu haben. Ein Arzt verhinderte, dass ich verhaftet wurde. Er sagte gegenüber der SS, er könne keine Schwester entbehren, er brauche sie dringend zur Pflege der deutschen Soldaten.

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr verletzte Soldaten kamen in die Lazarette und desto schwerer waren die Verletzungen. Ich war vorrangig im OP und im Verbandszimmer tätig. Amputationen von Gliedmaßen nach Erfrierungen waren an der Tagesordnung. Besonders schwere Fälle waren die ,Panzerverbrannten‘: Wenn ein Panzer in Brand geschossen wurde, kam die Besatzung oft nicht mehr rechtzeitig heraus und erlitt schwerste, oft tödliche Verbrennungen; ich habe so manchem jungen Soldaten während der Nachtwache die Augen zugedrückt.“

 

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