Das Deutsche Rote Kreuz im Nationalsozialismus

Die Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutet auch für das DRK einen radikalen Einschnitt: Schrittweise wird ein föderal strukturierter Verein zu einer zentral gesteuerten Organisation umgebaut, die von der NSDAP nur formal unabhängig ist. Von nun an befindet es sich in widerstreitenden Spannungsfeldern: Einerseits agiert es im NS-Staat und zeigt sich dem neuen Regime ergeben. Andererseits ist es Mitglied der internationalen Rotkreuzbewegung, nach deren humanitären Grundsätzen die meisten freiwilligen Mitglieder weiterhin ihren Rotkreuzdienst versehen.

In Satzungen, Dienstvorschriften und schließlich dem DRK-Gesetz, das am 1. Januar 1938 in Kraft tritt, wird das DRK dem NS-Staat und seiner Ideologie einverleibt: Die Arbeit des Roten Kreuzes wird sukzessive auf „kriegswichtige Aufgaben“ eingeengt, d.h. den Sanitätsdienst und hier insbesondere die freiwillige Krankenpflege im Krieg, ebenso die Betreuung von Soldaten. Jugendarbeit und die soziale Arbeit der Frauenvereine werden NSDAP-Gliederungen übertragen, Schlüsselpositionen im DRK-Präsidium mit SS-Mitgliedern besetzt.


 

Präsident wird 1933 Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, ehemals regierender Fürst des gleichnamigen Herzogtums und NSDAP-Mitglied der ersten Stunde. Ihm zur Seite steht als „Geschäftsführender Präsident“ und damit eigentlicher Entscheidungsträger Ernst-Robert Grawitz, als „Reichsarzt SS“ gleichzeitig für Morde und Menschenversuche verantwortlich.

Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes ist Adolf Hitler. An seinem Geburtstag werden verdiente Rotkreuzler ausgezeichnet, und auf ihn werden die Rotkreuzmitarbeiter eingeschworen:

„Ich schwöre Treue dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler. Ich gelobe Gehorsam und Pflichterfüllung in der Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes nach den Befehlen meiner Vorgesetzten. So wahr mir Gott helfe.“

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