Krieg ist grundsätzlich verboten. Krieg verursacht unermessliches Leid. Trotzdem ist er allgegenwärtig. Die Nachrichten berichten täglich über bewaffnete Auseinandersetzungen und ihre grausamen Folgen. Massengräber, Minenopfer, Vertreibungen und Vergewaltigungen gehören zu diesem Schreckensszenario.
Das humanitäre Völkerrecht ist ein für Situationen bewaffneter Konflikte geschaffenes Sonderrecht. Zwar kann es Kriege nicht verhindern, jedoch durch seine Regeln menschliches Leid im Krieg verringern.
Das humanitäre Völkerrecht dient dem Schutz aller an einem Konflikt beteiligten Personengruppen und legt den kriegsführenden Parteien Beschränkungen hinsichtlich der Art und Weise der Kriegsführung auf.
Es ist Aufgabe des Roten Kreuzes, die Regeln des humanitären Völkerrechts zu verbreiten, damit die Teilnehmenden bewaffneter Konflikte sie kennen und umsetzen können. Außerdem ist es Teil seines Auftrags, die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch die Parteien eines bewaffneten Konfliktes einzufordern.
Das Rote Kreuz setzt sich nicht nur für die Verbreitung der Kenntnisse über das humanitäre Völkerrecht und für dessen Einhaltung ein, sondern auch für dessen kontinuierliche Stärkung und Fortentwicklung. Dies betrifft insbesondere die Verbesserung des Schutzes der Opfer von bewaffneten Konflikten. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat dazu in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene unterstützt.
Ein Erfolg der Bemühungen im Bereich humanitäre Abrüstung und Rüstungskontrolle ist u.a. der Abschluss des Streumunition-Übereinkommens von 2008. Zudem beteiligt sich das DRK seit Jahrzehnten an internationalen Kampagnen und Positionierungen gegen den Einsatz von Antipersonenminen und leistet Hilfe für Betroffene. Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der irregulären Verbreitung von Waffen und deren Nutzung zur Begehung von Verletzungen des humanitären Völkerrechts hat das DRK den Abschluss des internationalen Waffenhandelsvertrages im Jahre 2013 begrüßt und fordert Staaten zu seinem Beitritt und seiner Umsetzung auf.
Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung hat sich zudem für ein Verbot von Kernwaffen ausgesprochen und eingesetzt (Aktionsplan 2022-2027), seitdem sie 1945 in Hiroshima und Nagasaki Zeuge des mit dem Einsatz von Atomwaffen verbundenen menschlichen Leides wurde. Das DRK hat den im Juli 2017 angenommenen Atomwaffenverbotsvertrag insbesondere mit Blick auf das darin enthaltene und auf dem humanitären Völkerrecht basierende Verbot des Einsatzes von Atomwaffen begrüßt. Es appelliert ferner an Staaten und nicht-staatliche bewaffnete Gruppen, die Parteien eines bewaffneten Konfliktes sind, das humanitäre Völkerecht bei der Kriegsführung in urbanen Gebieten strikt einzuhalten und dem Schutz der Zivilbevölkerung und ziviler Objekte besondere Bedeutung beizumessen („War in Cities: A Solemn Appeal from the International Red Cross and Red Crescent Movement“).
Trotz aller Bemühungen häufen sich bewaffnete Konflikte und damit auch die Herausforderungen für das humanitäre Völkerrecht – etwa durch Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer und medizinische Einrichtungen sowie die Einschränkung humanitärer Hilfe.
Das DRK tritt für ein besseres Verständnis und mehr Respekt für unparteiisches, neutrales und unabhängiges Handeln im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht ein und fordert auf zum Schutz von Mission, Mandat und Grundsätzen der Bewegung sowie zur Ergreifung von Maßnahmen gegen Desinformation und entmenschlichende Rhetorik („Call for Respect and Support for Principled Humanitarian Action / Appeal to States“).
Das DRK ist Unterstützer der Globalen Initiative zur Förderung des politischen Engagements für das humanitäre Völkerrecht.