
Eva von Gadow kommt am 3. September 1913 in Klein Ridsenow östlich von Rostock zur Welt. An einer Klosterschule in der Prignitz erhält sie eine protestantische Erziehung. Sie stammt aus einem ärmlichen Teil von Mecklenburg, ihre Familie besitzt jedoch ein Gut und ist sich ihres Standes bewusst.
Ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolviert sie beim Roten Kreuz in Hamburg-Blankenese. Danach arbeitet sie als freie Schwester in einer psychiatrischen Einrichtung, bleibt aber als Bereitschaftsschwester im DRK und stellt sich bei Kriegsbeginn wieder in dessen Dienste.
Von 1941 bis 1943 kommt sie in der Sowjetunion zum Einsatz. Dort beginnt Eva von Gadow ein Tagebuch, das ihr nach dem Krieg als Basis für ausführlichere Aufzeichnungen dient. Sie reichen vom Juli 1941 bis in den Dezember 1945 und berichten zunächst vom Leben als Krankenschwester an der Ostfront, das von einer hohen Arbeitslast und vielen prekären Situationen geprägt ist. Darunter die Arbeit unter primitivsten Umständen, die Konfrontation mit schwersten Verletzungen und immenser Brutalität, der Verlust von befreundeten Schwestern, von Verwandten und Bekannten oder das Erleben des Rückzuges der Wehrmacht. Im August 1941 notiert sie in Baryssau (Borissow, einer Stadt zwischen Minsk und Smolensk): „Tage und Nächte vergehen, ohne dass ich es spüre. Nie weiß ich, welchen Monats- oder Wochentag wir haben. Komme ich nachts von der Station, so denke ich nur noch: Schlaf. Von persönlicher Krankenpflege, wie man es noch von früher gewohnt war, ist nicht mehr die Rede.
1943 wird sie nach Belgien verlegt, wo sie Anfang 1945 in britische Gefangenschaft gerät. Ihre letzten Tagebucheinträge sind geprägt von Resignation: „In den Trümmern unserer Heimatstädte lauern Verbrechen, Hunger und Not. Schlimmer wird es sein, als alles, was uns in Rußland begegnet ist. Von vorn müsste man anfangen können, arbeiten, schuften – unbekümmert. Ich aber bin müde. Endlos lang erscheinen mir die Jahre, die ich bei Sterbenden und Kranken zugebracht habe.“
Dennoch kehrt sie nach dem Krieg in die Pflege zurück und arbeitet wieder im Bereich der Psychiatrie. 1948 erscheint ihr Buch „Irrenpflege. Selbstbeobachtungen im Hungerzustand“. Ab 1952 arbeitet sie in Gütersloh, Göttingen, Altena und Kiel, wo sie in den sechziger und siebziger Jahren die Pflegedienstleitung der Psychiatrischen Klinik innehat. Ende der siebziger Jahre reist Eva von Gadow, die fließend Russisch und Italienisch spricht, mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die Sowjetunion. Sie stirbt im Jahr 2002.
Yvonne Aregger