Am Kap der Guten Hoffnung

Während des Burenkrieges leisten deutsche Rotkreuzhelfer ihren bisher größten Einsatz in Übersee.

In Südafrika ziehen die Briten gegen die beiden Buren­re­pu­bliken im Landesinneren zu Felde. Den Buren gehören die Sympathien der deutschen Öffentlichkeit. Mehrere Hilfs­expe­di­ti­onen machen sich auf den weiten Weg. Sie werden von Kaiser Wilhelm II. persönlich verabschiedet und von Präsident Paul Krüger begrüßt.

Der Chirurg Hermann Küttner, Leiter der ersten Expedition, besucht zunächst die 1500 britischen Kriegs­ge­fan­genen in Pretoria. Es herrschen vergleichs­weise humane Bedingungen. Einer der Insassen ist ein junger Kriegs­be­richt­erstatter namens Winston Churchill.

Die Expedition führt ein komplettes Feldlazarett und sogar einen Röntgenapparat mit - einen der ersten überhaupt, die in Afrika zum Einsatz kommen. In Jacobsdal, einem strategisch wichtigen Ort unweit der Diamantenminen von Kimberley, richten sie schließlich das Lazarett ein. Petroleummotor und Dynamomaschine werden mit Ochsen­ge­spannen aus einer Goldmine herbei­ge­schafft. Die Front fegt mehrfach über Jacobsdal hinweg. Das Feldlazarett, in dem Buren und Engländer friedlich nebeneinander liegen, gerät dabei unter Beschuss. Küttner rühmt die Kaltblütigkeit der Schwestern, "welche bei ihren Verwundeten ausharrten, trotzdem die Kugeln rechts und links neben ihnen einschlugen".

Briten wie Buren schießen mit neuen, klein­ka­li­brigen Waffen, die den Medizinern insofern als "humaner" gelten, als die Wunden weniger eitern. Es kommen aber auch hochexplosive Lydditbomben zum Einsatz, gegen die sich ebenso internationale Proteste erheben wie gegen die Internierung der Zivil­be­völ­ke­rung in Konzen­tra­ti­ons­la­gern.

Wenn die Gefechte abflauen, rücken die Helfer mit ihrem vierspännigen Ambulanzwagen aus, um Verwundete zu bergen. Als die Briten Jacobsdal endgültig erobern, macht sich die Expedition nach drei Monaten auf den Rückweg, in einem epischen Treck mit siebzig Zugtieren und Dutzenden von Verwundeten.

Wenig später erheben sich 1906 auch die Zulu gegen die britische Oberherrschaft. Der junge Mohandas „Mahatma“ Gandhi führt dabei eine Sani­täts­ab­tei­lung indisch­stäm­miger Freiwilliger. Die dort gesammelten Kriegs­er­fah­rungen bestimmen die Entwicklung seiner Ideen für friedliche Konflikt­lö­sungen.

In den Folgejahren leisten Rotkreuzkräfte aus Deutschland bei einer Reihe von Auslands­mis­si­onen Hilfe im großen Stil, etwa im Russisch-Japanischen Krieg und im Tripo­li­ta­ni­schen Krieg zwischen Italien und der Türkei. Sie helfen aber auch bei zivilen Katastrophen wie dem Großbrand in der norwegischen Stadt Ålesund im Jahr 1904 oder dem Erdbeben von Messina.

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