Für viele Kinder ist es ein großes Glück, mit Großeltern aufzuwachsen. Doch was, wenn Oma und Opa weit weg wohnen oder es sie nicht mehr gibt? Genau hier setzt das Herzensprojekt „Wunschgroßeltern“ des DRK-Kreisverbands Mettmann an.
Die Kinder sind aus Schule und Kindergarten abgeholt, die Brotdose liegt offen auf dem Küchentisch. Der Laptop steht aufgeklappt daneben, denn in wenigen Minuten beginnt der nächste Videocall. Der Kleine will kuscheln, die Große schreit aus dem Wohnzimmer, weil sie ein Legoteil nicht findet:„ MAMA ... KOMM. JETZT!“
Gleichzeitig gibt es Menschen wie Bernd: im Ruhestand, mit viel freier Zeit und dem Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.
Als Wunschopa ist der 77-Jährige Teil eines jungen Projekts des DRK-Kreisverbands Mettmann. Wunschgroßeltern geben Familien wertvolle Unterstützung. Für Kinder bedeuten sie zusätzliche Geborgenheit, spannende Geschichten und liebevolle Zuwendung. Für die älteren Menschen ist es oft eine sinnstiftende Aufgabe, die ihr Leben bereichert.
Projektleiterin Helena Thiel bringt Familien mit Wunschgroßeltern zusammen: „Es geht um Beziehung, nicht um Betreuung – ums Dasein, ums Spielen, gemeinsam Lachen.“ Natürlich kommen auch Besuche auf dem Steinzeitspielplatz, im Märchenzoo oder eine Partie Minigolf gut an. „Es braucht aber nicht immer einen großen Ausflug“, sagt Thiel, „vom Kindergarten abholen, ein Besuch auf dem Spielplatz, ein Eis essen oder einfach gemeinsam puzzeln. Das macht Freude.“
Es geht um Beziehung, nicht um Betreuung.
Helena Thiel, Projektleiterin, DRK-Kreisverband Mettmann
Vor Kurzem haben sich Bernd und die Familie zum Kennenlernen getroffen. „Es sollte nur so eine halbe Stunde dauern. Zwei Stunden später saßen wir immer noch zusammen. Die Chemie war einfach sofort da“, erzählt Helena Thiel lachend. Der sechsjährige Noah* war interessiert und neugierig, seine kleine Schwester Nina* machte sich ständig aus dem Staub. Schon beim nächsten Treffen wird auch Bernd ordentlich in Bewegung kommen, um Nina auf den Fersen zu bleiben.
Das aber ist für Bernd eine leichte Übung: Er ist Vater von sechs Kindern und hat zwölf Enkel – viele davon leben jedoch weit entfernt. Das gemeinsame Lachen, Spielen und Staunen – all das fehlt ihm in seinem Alltag. Indem er seine Zeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge mit den Kindern teilt, erlebt er selbst große Freude und Erfüllung. „Teilen macht mich glücklich. Da bin ich ganz egoistisch“, sagt er und lächelt.
Damit auch künftig noch viele Kinder solche wertvollen Momente erleben können, sind Spenden nötig. Sie ermöglichen Fahrtkostenzuschüsse, decken Auslagen bei Ausflügen und finanzieren auch Kurse wie Erste Hilfe am Kind für die Ehrenamtlichen.
Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Doch mit jeder neuen Begegnung wächst, was wirklich zählt: gegenseitiges Vertrauen und Nähe zwischen Generationen.