
Von Hausbränden bis zu Hochwasser – wenn viele Menschen ihr Zuhause verlassen müssen, sind die Ehrenamtlichen des Betreuungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes zur Stelle. Phil Ritter und Dominik Krohm vom DRK-Kreisverband Berlin Schöneberg-Wilmersdorf berichten von ihrem größten Einsatz aus dem letzten Jahr.
Am 9. September 2025 bereitet sich Dominik Krohm, ehrenamtliches Präsidiumsmitglied des DRK-Kreisverbands Berlin Schöneberg-Wilmersdorf, gerade auf ein Video-Meeting vor, als ihn seine Alarm-App aus seinem Büroalltag als Architekt reißt. Kurz darauf sitzt er in einem Einsatzfahrzeug des Betreuungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Weg in den Südosten Berlins. Grund für den Alarm ist ein Stromausfall, der rund 50.000 Haushalte betrifft. Später wird er als längster Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg in die Stadtgeschichte eingehen.
In Deutschland sind Ehrenamtliche das Rückgrat im Bevölkerungsschutz.
Philipp Wiesener, Teamleitung Nationales Krisenmanagement

Der Betreuungsdienst ist Teil des Bevölkerungsschutzes und versorgt Menschen, die von einer Katastrophe oder einem Unglücksfall betroffen sind. Wenn Menschen evakuiert werden müssen, kümmern sich die Ehrenamtlichen um einen warmen und trockenen Aufenthaltsort sowie um die Betreuung vor Ort. Meist nutzt das DRK dafür Turnhallen, in denen im Falle längerer Einsätze Schlafmöglichkeiten errichtet werden. So auch während des 60-stündigen Stromausfalls.
Dennoch – den alltäglichen, klassischen Einsatz gibt es nicht. „Unsere Einsätze sind immer abwechslungsreich“, erklärt Dominik Krohm, „weil wir für die breite Bevölkerung da sind.“ Die Betroffenen haben in so einer Lage viele unterschiedliche Bedürfnisse. Zum Beispiel benötigen Eltern warme Mahlzeiten für ihr Baby. Und während manchen die Situation mental viel abverlangt und psychosoziale Unterstützung benötigt wird, brauchen bettlägerige Menschen Hilfe, um ihr Haus überhaupt verlassen zu können.
Hinzu kommen Schicksale, auf die der Betreuungsdienst spontan reagieren muss. „Eine Frau kam verzweifelt auf uns zu, weil ihrer beatmungspflichtigen Mutter der Sauerstoff zur Neige ging. Sie hatte nur noch eine halbe Flasche übrig. Der Lieferant war ebenfalls vom Stromausfall betroffen und nicht fähig, eine neue zu bringen“, erzählt Dominik Krohm. Zum Glück konnten die Ehrenamtlichen mit einigen Anrufen eine sofortige Lösung für die Frau finden.
Phil Ritter, Kreisbereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbands Berlin Schöneberg-Wilmersdorf, erinnert sich an einen anderen Einsatz, der mit einem Mal komplexer wurde als gedacht: „Nach einem Dachstuhlbrand in einer Pflegeeinrichtung evakuierten wir etwa 100 ältere Menschen und kümmerten uns um sie. Dass einige von ihnen den Zweiten Weltkrieg miterlebt hatten und die Erinnerungen daran sie noch heute stark belasteten, brachte eine weitere Dimension hinzu.“ Für solche Fälle sind in den Einsatzeinheiten des Betreuungsdienstes immer Helferinnen und Helfer, die dafür ausgebildet sind, Menschen psychosozial zu versorgen. Auch in diesem Einsatz konnten sie den Betroffenen beistehen und ihnen die Angst nehmen, bis die Ausnahmesituation vorbei war.

Damit der Betreuungsdienst möglichst schnell auf einen Einsatz reagieren kann, ist er entsprechend vorbereitet. Gepackte Kisten und Notfallrucksäcke stehen immer bereit. Sie enthalten Erste-Hilfe-Sets, Müsliriegel, Teebeutel, Hygieneartikel und vieles mehr, um die meisten Bedürfnisse zu stillen.
Noch wichtiger ist, dass die Helfenden über die nötigen Kenntnisse verfügen, damit ein Einsatz reibungslos verläuft. Dafür erhalten alle Ehrenamtlichen eine Grundausbildung. Aufgrund des breiten Aufgabenfelds absolvieren sie außerdem eine fachdienstliche Ausbildung, die sie auf verschiedenste Herausforderungen vorbereitet.
Die Einsätze der Ehrenamtlichen müssen gut koordiniert werden. Jede Einsatzvorbereitung beginnt mit zahlreichen Telefonaten – in kurzer Zeit gilt es, genügend Ehrenamtliche zu organisieren. Es sind fordernde, aber auch sehr berührende Momente für Phil Ritter: „Die Menschen fühlen sich gebraucht und helfen gerne. Das motiviert mich auch selbst.“ Dominik Krohm ergänzt, dass es ihn immer wieder ermutigt zu sehen, was möglich ist, wenn Menschen in einer Krisensituation zusammenkommen: „Wenn Not da ist, heißt es eben doch nie ‚Jeder für sich‘.“
Die Helferinnen und Helfer im Betreuungsdienst engagieren sich ehrenamtlich dafür, dass die Bevölkerung geschützt und versorgt wird, wenn es die Situation erfordert. Und das bundesweit: Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 kamen Ehrenamtliche aus ganz Deutschland, um Hilfe zu leisten.
Für ihre Ausbildung setzt das Deutsche Rote Kreuz Spenden ein. Bei der Anschaffung von speziellem Equipment, wie etwa Notstromgeneratoren, die beim Stromausfall in Berlin benötigt wurden, kommen ebenfalls Spenden zum Einsatz.

Im Fall einer Evakuierung macht eine Liste das Packen für Sie deutlich leichter. Sorgen Sie dafür, dass Sie alle Gegenstände stets schnell griffbereit haben. Denken Sie an Folgendes: