In Mandalay ist Mittagszeit. Die schwüle Hitze drückt auf die Stadt und die meisten Menschen suchen Schutz im kühlen Inneren der Gebäude. Plötzlich wackeln die Wände – ein schweres Erdbeben der Stärke 7,7 trifft Myanmar.
Dann geht es an diesem Mittag des 28. März 2025 ganz schnell: Straßen reißen auf, Häuser und Brücken stürzen ein. Insgesamt verlieren über 3.300 Menschen durch die Trümmer ihr Leben, weit mehr werden verletzt.
Viele der Überlebenden stehen nach der Erdbebenkatastrophe vor dem Nichts. Ihr Wohnhaus mit Hab und Gut, ihr Bauernhof oder ihr Geschäft – die zerstörten Gebäude lassen die Menschen ohne ein Einkommen und damit ohne eine Lebensgrundlage zurück.
Hinzu kommt, dass die humanitäre Situation in Myanmar ohnehin schon besorgniserregend war. Seit Jahrzehnten destabilisiert ein interner bewaffneter Konflikt das Land. Viele Menschen fliehen vor der Gewalt und müssen sich nun ihr Leben neu aufbauen.
Das Erdbeben hat die Not drastisch verschärft. Noch mehr Menschen haben ihre Unterkunft und ihre Lebensgrundlage verloren. Hinzu kommt, dass durch Schäden an der öffentlichen Infrastruktur viele Menschen kein sauberes Trinkwasser mehr bekommen können. Zerstörte Transportwege erschweren den Alltag.
Insgesamt waren über 1,3 Millionen Menschen von dem Erdbeben betroffen. Helferinnen und Helfer des Myanmarischen Roten Kreuzes waren rund um die Uhr im Einsatz – eine Ausnahmesituation, auf die unser Training sie vorbereiten konnte. Unermüdlich suchten sie nach Verschütteten, leisteten Erste Hilfe und bauten Notunterkünfte auf. Außerdem leisteten sie psychosoziale Unterstützung für von der Katastrophe traumatisierte Menschen.
Nur 16 Tage nach dem verheerenden Beben landeten 42 Tonnen Hilfsgüter vom Deutschen Roten Kreuz in Myanmar. Die Lieferung enthielt neben Zelten, Decken und Hygieneartikeln, um bedürftigen Menschen vor Ort direkt zu helfen, auch Werkzeugsets. Denn sowie die akute Not gelindert ist, beginnt der Wiederaufbau.
Im Katastrophenfall sofort helfen – das gelingt nur dank des Zusammenhalts der weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Auch der Transport der Hilfsgüter aus Deutschland zu den Betroffenen in Myanmar war eine Teamleistung: In Zusammenarbeit mit dem Belgischen Roten Kreuz Flandern und der Europäischen Union wurden die Güter nach Myanmar geflogen. Dort angekommen, halfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes und des Myanmarischen Roten Kreuzes, die Lieferung an die Betroffenen zu verteilen.
Mit unserer Schwestergesellschaft in Myanmar arbeiten wir bereits seit 2018 zusammen. Gemeinsam mit den Freiwilligen bereiteten wir das Myanmarische Rote Kreuz auf den Katastrophenfall vor. Eine Partnerschaft, die ihren wahren Wert nach dem Erdbeben zeigte.
Zurzeit begleiten wir unsere örtliche Schwestergesellschaft beim Wiederaufbau. Unser Fokus liegt auf den dringendsten Bedürfnissen der Menschen. Wir sorgen dafür, dass die Menschen ihre Lebensgrundlage zurückerlangen und dass sie sich angemessene Unterkünfte wiederaufbauen können. Wir arbeiten auch weiterhin eng mit den Gemeinden zusammen, damit sie auf künftige Naturkatastrophen vorbereitet sind und schneller zur Normalität zurückkehren können.