
Als sich Ende Dezember 2025 dunkle Wolken über Zentralmosambik zusammenzogen, war klar: Diese Regenfälle würden mehr sein als nur ein saisonales Unwetter. Die Wetterprognosen warnten frühzeitig vor stark steigenden Pegeln und akuter Überschwemmungsgefahr – besonders in den Provinzen Zambézia und Sofala. Für das Mosambikanische Rote Kreuz (CVM) bedeutete das: nicht abwarten, sondern vorab handeln, um Leben zu retten.
Seit Ende Dezember kommt es in Mosambik landesweit zu schweren Überschwemmungen infolge anhaltender Regenfälle, die sich derzeit vom Norden in das Zentrum und den Süden des Landes verlagern. Stand 20. Januar sind ungefähr 600.000 Menschen betroffen. Es wurden mehrere Todesfälle und Verletzte gemeldet. Tausende Häuser wurden komplett zerstört, Felder überschwemmt und Lebensunterhalte zerstört. Auch Gesundheitszentren, Schulen und landwirtschaftliche Flächen sind erheblich betroffen. In mehreren Regionen ist der Zugang nur per Boot möglich.
Für die kommenden Tage werden weitere starke Regenfälle im Süden erwartet, und die Lage wird sich voraussichtlich weiter verschärfen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Malaria- und Choleraausbrüche.
Das Mosambikanische Rote Kreuz (CVM) arbeitet eng zusammen mit der Regierung und anderen Hilfsorganisationen. Frühwarnprotokolle wurden aktiviert, Evakuierungen laufen, und erste Hilfsmaßnahmen (u. a. Boote, Notunterkünfte, NFIs, Frühwarninformationen) sind angelaufen. Auch das Deutsche Rote Kreuz arbeitet eng mit dem CVM zusammen, um die reibungslose Umsetzung dieser vorausschauenden Maßnahmen zu unterstützen.
Nach der offiziellen Aktivierung durch die Regierung und das Nationale Institut für Katastrophenrisikomanagement (INGD) setzte CVM sein Frühwarnprotokoll für Überschwemmungen um. Der Schwerpunkt lag auf dem Einzugsgebiet des Licungo-Flusses, insbesondere im Distrikt Maganja da Costa – einer Region, die regelmäßig von Hochwasser betroffen ist.

Manchmal braucht es keinen perfekten Plan, sondern Mut, Kreativität und Mitgefühl: Als jede Minute zählte, zeigte unsere Freiwillige Lina aus Chókwè, was Improvisation bewirken kann. Mit großem Einfallsreichtum organisierte sie ein provisorisches Boot, um zwei schwangere Frauen, die bereits in den Wehen lagen, von außerhalb ins Stadtzentrum zu bringen. Dort warteten schon Einsatzkräfte im Rotkreuz-Fahrzeug, die die Frauen weiter nach Chiaquelane bzw. Macia brachten. Am Ende dieses außergewöhnlichen Einsatzes standen zwei glückliche Geburten: ein Junge per Kaiserschnitt und ein Mädchen auf natürlichem Weg. Eine Geschichte, die zeigt, was möglich ist, wenn Menschen füreinander da sind.

Noch bevor viele Häuser überflutet wurden, erreichten CVM-Teams gemeinsam mit lokalen Freiwilligen die Gemeinden. Rund 10.000 Menschen erhielten vorausschauende Unterstützung, mit besonderem Fokus auf gefährdete Gruppen: Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, schwangere und stillende Frauen sowie Haushalte, die von Frauen geführt werden.
Eine zentrale Rolle spielten dabei die Lokalen Katastrophen-Risikomanagement-Komitees (CLGRDs). Sie mobilisierten Nachbarschaften, unterstützten Evakuierungen und sorgten dafür, dass die Maßnahmen von der jeweiligen Gemeinde getragen wurden. Einige Familien fanden Schutz in temporären sicheren Unterkünften, andere wurden von Verwandten oder Gastfamilien aufgenommen.

Die Bedingungen vor Ort waren schwierig: Überflutete Straßen, beschädigte Brücken und der Transport per Boot erschwerten den Zugang zu vielen Gemeinden. Dennoch gelang es dem CVM sowie über 50 engagierten Freiwilligen, die Hilfe kontinuierlich anzupassen und aufrechtzuerhalten.
Parallel dazu führte das CVM eine Schnellbedarfsanalyse in weiteren gefährdeten Gebieten durch. Dabei wurden zusätzliche Bedürfnisse identifiziert: Notunterkünfte, Hygiene-Sets, Decken, Moskitonetze und Nahrungsmittelhilfe – insbesondere, weil viele landwirtschaftliche Flächen unter Wasser standen. Auch die Überwachung von wasserbedingten Krankheitsrisiken, darunter Cholera, wurde intensiviert.
Auch hier unterstützt das DRK mit einem Soforthilfe-Projekt, damit aus den Planungen Hilfsmaßnahmen für Betroffene in der Hauptstadt Maputo und der Region Gaza werden können.

Diese zweite Aktivierung des Hochwasser-Frühwarnprotokolls im Jahr 2025 baute auf den Erfahrungen früherer Einsätze auf und profitierte von der technischen Unterstützung internationaler Partner, unter anderem des DRK. Sie zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Frühwarnungen konsequent in frühes Handeln übersetzt werden.
Anticipatory Action bedeutet nicht nur, Schäden zu reduzieren. Sie bedeutet, Menschen Zeit zu geben – Zeit, sich vorzubereiten, das Wichtigste zu schützen und der Katastrophe nicht völlig schutzlos gegenüberzustehen. In Mosambik hat dieses frühe Handeln einmal mehr bewiesen: Wer vorher handelt, rettet Leben.
Fotos: CVM / DRK /Thomas Smarcyk