
Als Sohn eines Kaufmanns kommt John Louis Adolphe Sanne 1875 in Aux Cayes, Haiti, zur Welt. Als Siebenjähriger kehrt er mit seiner verwitweten Mutter nach Hamburg zurück. Nach einer kaufmännischen Ausbildung lebt er vorübergehend in England; 1910 wird er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Sanne tritt dem Hamburger Roten Kreuz bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei, im Jahr darauf amtiert er bereits als stellvertretender Vorsitzender des Landesvereins. Am 24. Januar 1920 wird er zum ehrenamtlichen Landesvorsitzenden gewählt; bald darauf wird er Mitglied des Hauptvorstandes des Roten Kreuzes in Berlin. Rund ein halbes Jahr später unternimmt er auf Einladung der US-amerikanischen „Relief Administration“ eine dreimonatige Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten. Mit drastischen Schilderungen der sozialen Not in Deutschland wirbt er dabei Geld- und Sachspenden für das Rote Kreuz ein.
Auch als er 1926 sein Amt niederlegt, um an der Hamburgischen Gesandtschaft in Berlin tätig zu werden, bleibt er Vorstandsmitglied des Landesvereins und wird 1930 nach seiner Rückkehr in die Hansestadt erneut, jetzt in hauptamtlicher Funktion, dessen Vorsitzender.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten tritt Louis Sanne am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Falls er gehofft haben sollte, dadurch weiter für das Rote Kreuz wirken zu können, so hätte er sich geirrt: Am 31. Mai 1934 wird er auf Weisung des Berliner Zentralkomitees abberufen, bleibt jedoch Ehrenvorsitzender des nun als „Hamburgischer Landes-Männerverein“ firmierenden Teil des Landesvereins.
Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges erhält Sanne dann wieder eine wichtige Aufgabe: Als „Beauftragter des Deutschen Roten Kreuzes beim Generalgouverneur für die besetzten polnischen Gebiete“ stellt er von Krakau aus sicher, dass Hilfslieferungen aus den USA und von ausländischen Rotkreuzgesellschaften die polnische und jüdische Bevölkerung erreichen. Um die Verteilung der Sachspenden zu gewährleisten, gründet Sanne die Organisation „Hauptfürsorgerat“. Am 20. April 1940 wird er zum DRK-Generalführer befördert und Mitglied des Präsidiums. Im August reist er schwer erkrankt nach Berlin, wo er am 7. Oktober 1940 stirbt.
Andrea Brinckmann