Historischer DRK-Dienstausweis

Franz Heigl

Kolonnenführer in der Kreisstelle Dachau

Franz Heigl kommt am 27. November 1871 in Dachau zur Welt. Als dort 1889 die Freiwillige Sanitätskolonne gegründet wird, befindet er sich gerade in der Ausbildung am Königlich-Bayerischen Messamt. Mit vierundzwanzig Jahren tritt er schließlich 1896 in die Kolonne ein. Nach dem Ausscheiden des Kolonnengründers wird der mittlerweile zum hauptamtlichen Planinspekteur aufgestiegene Heigl zum stellvertretenden Kolonnenführer ernannt. Als solcher koordiniert er in den folgenden Kriegsjahren die Krankentransporte der Dachauer Sanitäter.

Franz Xaver Heigl in Dienstuniform 1929
Franz Heigl um 1929

Noch bis 1918 bleiben Fahrtragen trotz des Vormarsches des Automobils das Haupttransportmittel. Doch in den Augen Heigls ist es nun dringend geboten, auch als Sanitätskolonne mit der Zeit zu gehen und einen motorisierten Krankenwagen zu beschaffen. Hierüber gerät er jedoch 1919 so sehr in Streit mit seinem Vorgesetzten, dass dieser noch vor Ende des Jahres zurücktritt und Heigl dessen Stelle übernimmt. 

Seine Amtszeit als Kolonnenführer sollte bis 1948 andauern. In dieser Zeit wird er nicht nur Zeuge vieler Umbrüche, sondern trägt durch seine Führung maßgeblich zum Wandel der Dachauer Rotkreuzwelt bei. Als sich das DRK 1933 binnen kürzester Zeit freiwillig dem Nationalsozialismus anpasst, wird auch Heigls Kolonne Teil der Dachauer NS-Bewegung. Infolge der Neustrukturierung des Roten Kreuzes fünf Jahre später wird aus dem Kolonnenführer der Bereitschaftsleiter. Eine Beförderung zum Führer der neu geschaffenen „DRK-Kreisstelle Dachau“ wird ihm jedoch aufgrund seines Alters verwehrt. Erst nach Fürsprache der NSDAP-Kreisleitung wird er 1940 in die Partei aufgenommen; ursprünglich war auch dieser Antrag Heigls aufgrund seines Alters abschlägig beschieden worden.

Historischer DRK-Dienstausweis
Heigls Dienstausweis

Nach Kriegsende bleibt er von den Entnazifizierungsmaßnahmen der US-Militärregierung verschont. Die damit einhergehenden Internierungen und Zwangsentlassungen haben jedoch zur Folge, dass die Kreisstelle nun ohne Leiter dasteht. Fortan liegt es also wieder an Heigl, die Geschicke des Roten Kreuzes in Dachau zu koordinieren. Gemeinsam mit seinen Helfern baut er die inzwischen als „BRK-Kreisverband Dachau“ bezeichnete Rotkreuzstelle aus.

1948 wird der Siebenundsiebzigjährige in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und als Ehrenmitglied des Bayerischen Roten Kreuzes ausgezeichnet. Am 23. März 1953 stirbt Franz Heigl nach siebenundfünfzig Jahren DRK-Mitgliedschaft und knapp neunundzwanzig Jahren als Kolonnenführer und Bereitschaftsleiter in seiner Heimatstadt.

Tizian Bartling

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