Transit in ein neues Leben

Von 1945 bis 1951 besteht bei Pöppendorf unweit von Lübeck das größte Flüchtlingsdurchgangslager Norddeutschlands. Über 615.000 Menschen passieren diesen humanitären Knotenpunkt. Während er formell unter britischer Führung steht, leistet das DRK die Verwaltungsarbeit und die Versorgung. 

Das Lager wird im Sommer 1945 für die Aufnahme von mehr als 78.000 deutschen Soldaten errichtet, die bei Kriegsende in Norwegen in Gefangenschaft geraten sind. Es wird mit Großküchen, Waschanlagen, Toiletten, Zelten und einer Sanitätsbaracke ausgestattet. Später dient es auch für Flüchtlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone sowie für Zwangsausgesiedelte aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn als wichtige Anlaufstelle. 

Eine zentrale Rolle spielt der Suchdienst des DRK (► 1945-2), der in der Ankunftsbaracke des Lagers untergebracht ist. Zahllose Heimkehrer und Vertriebene stellen hier Suchanträge nach Familienmitgliedern oder geben Vermisstenanzeigen auf. 

Weitere Helferinnen und Helfer des DRK sind für die medizinische Versorgung und die Sicherstellung der Grundversorgung zuständig, sie leiten dann auch den Weitertransport in die jeweiligen Aufnahmeorte ein. Angesichts von bis zu dreitausend Neuankömmlingen täglich und unter oft widrigen Umständen bedeutet dies eine gewaltige logistische und humanitäre Aufgabe. 

Heutzutage sind im Erholungsgebiet Waldhusener Forst bei Pöppendorf kaum noch Spuren des ehemaligen Lagers zu finden. 

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