
„Ich habe sehr gelitten“, erinnert sich Abu Kalaam. „Wenn ich zur Toilette musste oder mich waschen wollte, stand ich jedes Mal vor einer unmenschlichen Wahl: Entweder ich verrichtete meine Notdurft im Freien oder ich machte mich auf den langen, beschwerlichen Weg zu einer entfernten Latrine.“ Für den 55-Jährigen, der mit einer körperlichen Behinderung lebt, war beides kaum zu bewältigen. „Oft war es schlicht unmöglich“, sagt er.
Mit der Zeit begannen Hilfsorganisationen, Gemeinschaftstoiletten und Badeplätze zu errichten. Für viele eine Erleichterung – für Abu nicht. „Ich konnte sie nicht benutzen“, erinnert er sich. „Es gab keine Rampen, keine Haltegriffe, nichts, was mir geholfen hätte.“

Aus Verzweiflung wandte er sich an das Büro der Campverwaltung und schilderte seine Situation. Sein Hilferuf wurde weitergeleitet und kurze Zeit später klopften Mitarbeitende des Bangladeschischen Roten Halbmonds (BDRCS) und DRK an seine Tür.
„Sie haben mir zugehört“, sagt Abu. „Und sie haben gehandelt.“ Direkt neben seinem Haus bauten sie eine barrierefreie Latrine und eine Waschgelegenheit – mit Rampe, Haltegriffen und einem zusätzlichen Sitz. „Endlich konnte ich Toilette und Bad jederzeit nutzen – Tag und Nacht. Mein Leben ist dadurch so viel einfacher geworden. Ich muss keine weiten Wege mehr gehen, habe weniger Angst zu stürzen und kann mich jeden Tag waschen. Das hilft mir, gesund zu bleiben.“
Geflüchtete in der Region Cox's BazarVor rund acht Jahren fanden rund 750.000 Menschen in der Region Cox’s Bazar in Bangladesch Zuflucht, nachdem sie aus dem benachbarten Myanmar vertrieben wurden. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt seitdem seine Schwestergesellschaft mit vielen verschiedenen Maßnahmen. Über eine Million Rohingya leben mittlerweile in 33 Camps in Cox’s Bazar. Rund 37.000 Geflüchtete befinden sich zusätzlich auf der Insel Bhasan Char. Allein 2024 mussten etwa 150.000 weitere Menschen aus Myanmar nach Bangladesch fliehen, sodass sich die Gesamtzahl der Geflüchteten in Cox’s Bazar auf über 1,14 Mio. erhöht hat. |

Abu denkt an die Zeit davor zurück: „Es gab nur eine Gemeinschaftslatrine, weit entfernt von meinem Haus. Ich lebe oben auf einem Hügel – für jemanden mit einer Gehbehinderung ist das fast unüberwindbar.“ Oft musste er lange warten, bis er überhaupt an der Reihe war. „Das war eine Qual.“
Besonders nachts und während der Regenzeit wurde jeder Gang zum Risiko: „Einmal, in einer regnerischen Nacht, musste ich dringend zur Toilette. Der Weg war schlammig. Ich bin ausgerutscht und habe mich schwer verletzt.“ Seine Familie brachte ihn ins Krankenhaus, Fast einen Monat musste Abu Kalaam dort bleiben.
Die Veränderungen in Abus Alltag sind deutlich spürbar. „Früher hatte ich Krätze, weil ich gezwungen war, schmutzige Kleidung zu tragen“, erzählt er. Auch Verletzungen durch Stürze auf dem Weg zu den weit entfernten Toiletten gehören heute der Vergangenheit an.

Neben den körperlichen Belastungen trafen Abu die Reaktionen mancher Menschen im Camp. „Einige behandelten mich schlecht. Sie verspotteten mich und sagten, ich sei eine Last für meine Familie. Das hat sehr wehgetan.“
Doch eines habe ihm immer Halt gegeben: seine Familie. „Sie waren immer für mich da“, sagt der 55-Jährige. „Und das DRK und der BDRCS sind für mich auch wie eine Familie.“ Er fügt hinzu: „Meine Eltern haben mir das Leben geschenkt, aber durch das DRK habe ich ein neues Leben bekommen.“

Für Abu ist die Veränderung mehr als nur eine bauliche Maßnahme. „Die Latrine und die Badegelegenheit haben mir nicht nur den Alltag erleichtert“, sagt er. „Sie haben mir Würde und Selbstständigkeit zurückgegeben.“ Durch Schulungen des DRK und BDRCS habe auch die Gemeinschaft gelernt, Menschen mit Behinderungen respektvoller zu begegnen. „Ich fühle mich heute gesünder, sicherer – und respektiert.“