Die Brückenbauer von Marzahn-Hellersdorf

Wenn sich einzelne kleine Schwierigkeiten häufen können sie schnell zu beinahe unüberwindbaren „Häuserschluchten“ werden. Wir helfen Menschen, Wege aus ihrer Not zu finden.

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Familien, die von Armut bedroht sind, wünschen sich bessere Zukunftschancen für ihre Kinder. Doch um ihre Arbeitssituation zu sichern oder wichtige Hilfsangebote der Behörden anzunehmen, benötigen viele Hilfe. Alleinerziehenden fehlt ohne Unterstützung bei der Kinderbetreuung oft die Zeit für Anträge und Behördengänge. Und wer dann auch noch wie Frau S. aus Syrien geflohen ist, steht vor besonders großen Herausforderungen: Zurzeit lebt sie mit ihren drei Kindern in einem Berliner Heim für Wohnungslose. Dort wird die Familie immer wieder Zeuge von Auseinandersetzungen. Zum Schutz ihrer Kinder hofft sie auf eine eigene Wohnung.

Sie versucht, einen Wohnberechtigungsschein zu bekommen und die Übernahme der Mietkosten zu beantragen. Doch ihr Deutsch ist noch nicht gut genug und die Behördensprache sehr kompliziert. Mit der Zeit kommen immer mehr Briefe von Ämtern. Frau S. versteht nicht, was darin steht. Wohin soll sie gehen, an wen soll sie sich wenden?

Von Armut bedroht

Berlin, das ist nicht nur unsere Bundeshauptstadt, sondern leider auch die Hauptstadt der Alleinerziehenden. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wo auch Familie S. lebt, wachsen bei fast jeder zweiten Familie die Kinder bei nur einem Elternteil auf. Ihr Armutsrisiko ist sehr hoch. Aber auch viele andere Menschen in dem 270.000-Einwohner-Bezirk sind von Armut bedroht.

Ein Mann mit zusammengebundenem Haar und schwarzem T-Shirt sitzt im freien auf einer Bank. Er hält einige Dokumente in der Hand und spricht mit einer anderen Person. Sie sitzt neben ihm, mit dem Rücken zur Kamera.
Unsere Brückenbauer sind erfahrene sozialpädagogische Fachkräfte. Sie leiten Hilfesuchende an und begleiten sie etwa durch den Behördendschungel.

Aus Chaos wird Ordnung

Um sie davor zu schützen, hat das DRK Berlin-Nordost im April 2020 das Projekt „MaX“ ins Leben gerufen – gefördert durch das Akti(f)-Programm (Aktiv für Familien und Kinder) des Europäischen Sozialfonds (ESF). Rainer Oetting, Geschäftsführer des Kreisverbands, erklärt: „An drei Standorten stehen unsere Türen allen offen, die Sozialleistungen beziehen oder in akuten Schwierigkeiten stecken.“ Und die sind bei Frau S. noch ernster als sie befürchtet hat.

„Als sie in das MaX-Büro in der Sella-Hasse-Straße kam, hatte sie eine Tasche voller Dokumente und ungeöffneter Briefe bei sich. Unser Mitarbeiter sichtete die Schreiben und stellte schnell fest, dass der Wohnungswunsch ihr kleinstes Problem war“, erzählt Rainer Oetting. Frau S. hatte unwissentlich wichtige Fristen etwa beim Jobcenter, der Schule und der Familienkasse verstreichen lassen. Letztere forderte bereits 2.000 Euro zurück. Wenn Nachweise nicht rechtzeitig eingereicht werden, bekommt die Familie weniger Geld oder Zahlungen werden eingestellt oder zurückgefordert. Das muss zum Wohl der Familie unbedingt verhindert werden.

Große Fortschritte

Inzwischen trifft sich Frau S. einmal pro Woche mit einem „MaXCoach“. In den zweieinhalb Stunden sichten und sortieren sie Unterlagen und erarbeiten weitere Handlungsschritte. Sie üben gemeinsam, Anträge auszufüllen, und tätigen Anrufe bei Behörden. Das gibt ihr die nötige Sicherheit. So ist es Frau S. zum Beispiel gelungen, den Kindergeldbezug selbstständig zu klären. Nun begibt sie sich auf Wohnungssuche. Zudem vermitteln die Brückenbauer ihr einen Sprachkurs, damit sie auch auf dem Arbeitsmarkt bald Fuß fassen kann. Denn auch das ist eines der Ziele des Projekts.

Das ist alles nur möglich, weil sich während der Termine von Frau S. ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des DRK um die Kinder von Frau S. kümmern. Sie besuchen zum Beispiel gemeinsam den Spielplatz oder gehen mit ihnen spazieren. In dieser Zeit kann Frau S. ihre Angelegenheiten regeln.

Wir bauen Brücken

„Hier kommen unsere Brückenbauer ins Spiel“, berichtet Rainer Oetting. Bei „MaX“ haben Hilfesuchende wie Familie S. eine Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Bereiche, von der Unterstützung bei Anträgen über berufliche Probleme bis zur Wohnungssuche. Ein Vorteil ist dabei die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit: verschiedene behördliche Aktionen werden zusammengeführt, um Hilfesuchende optimal zu unterstützen. Das erleichtert ihnen die Inanspruchnahme von Hilfen sehr! „Ein Coach vom ‚MaX‘ hat schnell den Kontakt zwischen der Familie S. und den entsprechenden Ämtern und Einrichtungen hergestellt, um die dringlichsten Anliegen sofort zu klären. Als nächstes haben sie die benötigten Nachweise eingereicht. Damit ist vorerst die Versorgung der Familie gesichert.“

„MaX“ ist eines von vielen DRK-Projekten für sozial benachteiligte Familien in Deutschland. Mit einer Spende können Sie dazu beitragen, Kinder und ihre Eltern vor der Armut zu schützen. Vielen Dank!


Möchten Sie mehr über unsere Rotkreuz-Arbeit erfahren?

Diese und viele weitere Informationen und Geschichten über unsere spannende Rotkreuzarbeit lesen Sie in unserem viermal jährlich erscheinenden SOFORTHILFE REPORT

Titel des Soforthilfe Reports 4/2019

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