

Hauptamt
Linda Radtke arbeitet als Referentin Soziale Innovationen/Liga im DRK-Landesverband Sachsen. Sie begleitet sie die Zukunftsplattform für soziale Innovation in Sachsen (SINN) und ist für den Themenbereich künstliche Intelligenz (KI) im Landesverband verantwortlich.
Was ist ein Promptathon?
Der Name „Promptathon“ setzt sich aus „Marathon“ und „Prompt“ zusammen. Prompts sind Eingaben oder Aufforderungen an generative KI-Systeme, mit dem Ziel ein möglichst gutes Ergebnis zu erreichen. Das Format dieses Promptathons ist vom „Hackathon“-Format inspiriert. Es geht darum, unter Stress gesetzt zu werden, aber trotzdem im Team zu arbeiten, ein Ergebnis zu erreichen und Spaß zu haben.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Prompathon bei euch im Landesverband umzusetzen?
Wir haben uns vorgenommen, innerhalb von drei Jahren das Thema KI im Verband bei uns in Sachsen voranzutreiben. Dafür haben wir uns überlegt: wie ist es möglich uns und unsere Kreisverbände zu befähigen, mit KI umzugehen? Begonnen haben wir mit einer KI-Richtlinie, der nächste Schritt war eine Grundlagenschulung. Anschließend haben wir uns überlegt, dass es sinnvoll ist, sich erst mit den Prompts auseinanderzusetzen und wie man generative KI so nutzen kann, dass man dadurch Arbeitserleichterung spürt. Genau das war auch die Challenge bei unserem Promptathon.
Warum habt ihr erstmal mit den Prompts angefangen?
Weil die Entwicklung von Prompts niederschwellig ist. Wenn man gute Prompts hat, kann man die immer einsetzen und miteinander teilen. So können schnell viele Menschen eine Arbeitserleichterung spüren und bekommen einen besseren Bezug zur Arbeit mit KI.
Wie kam es dann zu der Umsetzung des Projekts?
Wir sind auf die Idee gekommen, das in einem Veranstaltungsformat zu machen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war, verbands- und bereichsübergreifend gemeinsam in Teams an Lösungen zu arbeiten. Deswegen haben wir dieses Format auch für Haupt- und Ehrenamtliche, für die Kreisverbände, und für den Landesverband geöffnet um zusammenwachsen und uns vernetzen.
Und wie lief der Workshop dann ab?
Zu Beginn gab es einen halbstündigen Fachimpuls zu dem Thema, wie man Prompts formuliert. Anschließend fand eine Einteilung in Teams statt, in denen dann anhand eines DRK-Handlungsfeldes Prompts entwickelt wurden. Zum Schluss hat jedes Team seine Ergebnisse präsentiert und die Prompts über die Veranstaltungswebseite eingereicht. Diese wurden dann von einer menschlichen Jury und einem KI-System bewertet. Die Jury hat die Pitches, Teamarbeit und die Promptvielfalt bewertet. Das KI-System „Claude“ hat die Prompts an sich, also die Qualität, Verständlichkeit und den Praxisbezug bewertet. Es war spannend zu sehen, dass die menschliche Jury und die KI die Teams oft sehr unterschiedlich bewertet haben. Die drei besten Teams wurden ausgezeichnet.
Wie viele solcher Veranstaltungen haben bereits stattgefunden? Und wie ist die Nachfrage für das Projekt in eurem Verband?
Ursprünglich haben wir geplant, dass wir zwei Veranstaltungen anbieten – eine unter der Woche und eine am Wochenende, damit auch Ehrenamtliche teilnehmen können. Aber wir haben festgestellt, dass die Samstagsveranstaltung nicht so gut angenommen wurde. Die haben wir jetzt also erstmal abgesagt. Für die Veranstaltung, die wir am 17. April durchgeführt haben, war die Nachfrage wirklich groß. Insgesamt hatten wir 30 Teilnehmende aus unterschiedlichen Bereichen und Mitgliedsorganisationen. Es war eine lockere Veranstaltung und das kam gut bei allen an. Auch der Wettbewerbscharakter hat wahrscheinlich viele gelockt.
Was wäre eine Alternative zu einer zweiten Veranstaltung?
Wir überlegen gerade, dass es am sinnvollsten ist, eine Sammlung von Prompts auf einer Webseite zu erstellen. Darin sind die verschiedenen DRK-Handlungsfelder mit unterschiedlichen Prompts aufgelistet. Von dort aus kann man sich dann Prompts für verschiedene Themenbereiche kopieren und im Arbeitsalltag nutzen. Die Website kann dann stetig wachsen und anderen nachhaltig zur Verfügung stehen. Deshalb überlegen wir, das Geld statt für eine zweite Veranstaltung lieber für diese nachhaltige Lösung zu nutzen. Dazu sind wir gerade noch in der Abstimmung.
Der Promptathon wurde aus Mitteln des DRK-Strategie-Förderprogramms finanziert. Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen, euch da zu bewerben?
Im Frühjahr 2025 haben wir im Rahmen der Maßnahmenplanung überlegt, was wir generell tun können, um Befähigung im Bereich KI voranzutreiben. Dann kam auch die Ausschreibung für das Förderprojekt. Und da haben wir gedacht, dass unsere Idee doch eine passende Maßnahme wäre. Dann haben wir einfach den Antrag für die Förderung eingereicht. Da muss man auch ein ganz großes Kompliment an das Generalsekretariat mitgeben. Der ganze Prozess und die Kommunikation dazu liefen sehr gut. Ich hatte mich auch gewundert, warum das Angebot im Verband nicht besser angenommen wurde.
Was würdest du anderen Menschen im DRK, die sich in Zukunft auf das Förderprojekt bewerben möchten, für Tipps mitgeben?
Gute Frage. Im DRK haben wir alle so viele gute Ideen, aber es wird immer schwieriger, diese auch finanziell umzusetzen. Oft liegt es auch an den personellen Ressourcen. Ich bin stolz darauf, dass sich in unserem Landesverband immer wieder Menschen finden, die einen unterstützen, selbst wenn die Idee vielleicht gar nicht unmittelbar in das eigene Aufgabenfeld fällt. Gerade wenn man verbands- und bereichsübergreifende Themen voranbringen will, sind diese Menschen entscheidend. Wichtig ist dann, dass man solche Gelegenheiten wie das Förderprojekt ergreift, wenn sie sich bieten. Dazu ist es natürlich hilfreich, bereits Ideen in der Schublade zu haben.
Und wo habt ihr die Expertise für das Thema KI herbekommen?
Die Expertise für die Methodik kam aus dem SINN-Projekt, weil wir da schon mit den anderen Projektpartnern in den vergangenen Jahren bereits Hackathons in Sachsen durchgeführt haben. Aber zum Thema KI braucht man natürlich KI-Experten zum Thema Prompt- und Context-Engineering. Hier in Dresden haben wir ein KI-Netzwerk, welches wir um Unterstützung gebeten haben. Daniel Dietze von digitalwert® hat sich dann bei uns gemeldet. Daniel hat uns unfassbar gut mit seinem Fachimpuls unterstützt und sogar eine Veranstaltungswebseite gebaut. Wenn jemand im DRK dieses Format umsetzen will, kann er sich wirklich gerne an ihn wenden. Es ist immer eine große Herausforderung, das Thema KI in einfacher Sprache und auch noch im DRK-Kontext zu vermitteln – das hat er wirklich super gemacht.
Welche Empfehlung würdest du an andere weitergeben, die ein ähnliches Projekt durchführen möchten?
Auch wenn sie vielleicht ihren Spaß gehabt hätten, wären Ehrenamtliche keine gute Zielgruppe für den Promptathon gewesen. Das Ziel bestand schließlich darin, eine Arbeitserleichterung im DRK zu schaffen. Daher sollten sich die Hauptamtlichen darum kümmern. Wenn ich jetzt eine Empfehlung geben müsste, würde ich sagen, dass es besser ist, eine solche Veranstaltung von vornherein an die hauptamtlichen Rotkreuzler*innen zu adressieren. In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, sich auf ein KI-System zu verständigen, mit dem man Prompts entwickeln möchte.
Zum Abschluss: wie würdest du das Projekt in drei Worten beschreiben?
Wettbewerb, Stress, aber ganz viel Spaß.