
TELEPIK erforscht, wie pflegebedürftige Menschen im Katastrophenfall besser versorgt werden können. Dafür entwickelt das Projekt eine digitale Anwendung, die Pflegeinformationen sichert, Pflegefachpersonal und nicht-professionelle Helfende unterstützt – um Versorgungslücken abzubauen.
Pflegebedürftige Menschen gelten in Krisen- und Katastrophenlagen als besonders schutzbedürftig. Gründe dafür sind eingeschränkte Mobilität, geringe Selbstrettungsfähigkeit oder die Abhängigkeit von Medikamenten und Betreuung. Beispielsweise zeigen die Flutkatastrophe im Ahrtal, aber auch die jüngsten Stromausfälle im Berliner Südosten und Südwesten, dass der Bevölkerungsschutz auf die spezifischen Bedarfe pflege- und unterstützungsbedürftiger Menschen bislang nicht ausreichend vorbereitet ist. Fällt der gewohnte Pflegealltag weg – etwa im Fall einer Evakuierung – gehen pflegerelevante Informationen häufig verloren. Gleichzeitig ist das Pflegefachpersonal in Notunterkünften knapp, sodass nicht-professionelle Helfende einspringen müssen.
Bei diesen Herausforderungen setzt TELEPIK an: Eine digitale Anwendung soll die sichere Dokumentation und Weitergabe pflegerelevanter Informationen ermöglichen und Pflegefachpersonen die Anleitung von Helfenden aus der Ferne erleichtern. Ausgerichtet wird die Entwicklung an der Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Notunterkünften. Ergänzt wird dies durch ein Schulungskonzept, das klar definiert, welche Aufgaben sicher an nicht-professionelle Helfende übertragen werden können und ihren Einsatz gezielt unterstützt. TELEPIK soll unter anderem im Mobilen Betreuungsmodul 5.000 erprobt und in bestehende Strukturen des Bevölkerungsschutzes eingebunden werden.


Pflege und Bevölkerungsschutz sind zentrale Aufgabenbereiche des DRK und fest in Ausbildung, Organisation und Einsatzpraxis verankert. Im Projekt TELEPIK übernimmt das DRK die Konsortialführung und verantwortet die organisatorische Gesamtkoordination. Schwerpunkt des DRK-Teilvorhabens ist die Katastrophenpflege und Telepflege als integrativer Bestandteil des Bevölkerungsschutzes. Dazu analysiert das DRK pflegerische Bedarfe, Brüche und Engpässe in realen Einsatzlagen und entlang typischer Versorgungspfade, insbesondere in Notunterkünften. Auf dieser Grundlage schafft das DRK fachliche und organisatorische Voraussetzungen für die Entwicklung des TELEPIK-Systems und verantwortet dessen Transfer, Sichtbarkeit und Verstetigung im Bevölkerungsschutz.
Im Projekt entwickelt das Universitätsklinikum Aachen (UKA) eine webapp-basierte Dokumentations- und Informationsplattform für den Katastrophenfall. Kern des UKA-Teilvorhabens ist die sichere, videobasierte Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Pflegeexpertinnen und -experten. Das UKA bringt seine Erfahrung im Katastrophenschutz sowie in Engineering und Entwicklung ein, um eine praxistaugliche, robuste Lösung zu gestalten. Dazu erstellt das UKA einen Prototypen, analysiert die benötigten Funktionen und testet ihn in realitätsnahen Szenarien. So entsteht eine nutzerzentrierte Plattform, die bestehende Abläufe im Bevölkerungsschutz sinnvoll unterstützt und den effizienten und sicheren Einsatz telepflegerischer Expertise ermöglicht.
Im Projekt unterstützt MA&T die Entwicklung eines praxisnahen Gesamtkonzepts für den Einsatz von Telepflege im Katastrophenfall. Schwerpunkt des MA&T-Teilvorhabens sind Kompetenzaufbau, Qualifizierung und Akzeptanz von Telepflege im Bevölkerungsschutz. MA&T bringt insbesondere seine Erfahrung in der konzeptionellen Arbeit, im Change-Management sowie in der Entwicklung strukturierter Qualifizierungs- und Kompetenzkonzepte ein. Ein Fokus liegt darauf, telegestützte pflegerische Maßnahmen sinnvoll in bestehende pflegerische Organisations- und Betreuungsprozesse einzubinden, exemplarisch an der Pflegestation des Mobilen Betreuungsmoduls 5.000. Die erarbeiteten Ansätze werden in Praxiserprobungen begleitet und evaluiert. So entstehen umsetzbare Konzepte, Qualifizierungsmodule und Handlungsempfehlungen für Telepflege im Bevölkerungsschutz.


Das DRK hat die Ausrichtung der Forschungsaktivitäten verbandsübergreifend festgelegt. Dabei wurden drei zentrale Schwerpunktthemen identifiziert: Gesellschaftliche Entwicklung, Ressourcenmanagement und Resilienz. Um die wissenschaftliche Befassung mit diesen Themen praktisch umzusetzen, orientieren sich daran spezifische Handlungsnotwendigkeiten und Forschungsprojekte.
TELEPIK nimmt dabei Bezug auf folgende Handlungsnotwendigkeiten: „Optimale Koordinierung und Einsatz von Personalressourcen“, „Betreuungsdienst der Zukunft“, „Vulnerable Gruppen in Krisen und Katastrophen“, „Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Bevölkerungsschutz“, „Bedarfsgerechte Integration Ehrenamtlicher“, „Verbesserte Einbindung spontaner Hilfsangebote“.
Zum DRK-Projektteam gehören Dr. Carolin Saltzmann als Verbundkoordinatorin sowie Marcus Schöps und Joshua Stepputat als wissenschaftliche Mitarbeiter.
Für die projektbezogene Kommunikation nutzen Sie gerne auch das zentrale DRK-Projektpostfach: telepik(at)drk(dot)de

Dr. Carolin Saltzmann
Sachgebietsleiterin Sicherheitsforschung
Team Sicherheitsforschung & Innovationstransfer
C.Saltzmann(at)drk(dot)de
Joshua Stepputat
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Team Sicherheitsforschung & Innovationstransfer
j.stepputat(at)drk(dot)de
Marcus Schöps
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Team Sicherheitsforschung & Innovationstransfer
m.schoeps(at)drk(dot)de
Amelie Kloas
Studentische Hilfskraft
Team Sicherheitsforschung & Innovationstransfer
a.kloas(at)drk(dot)de