
PSync untersucht die Zusammenarbeit im psychosozialen Versorgungssystem und entwickelt digitale sowie organisatorische Instrumente für eine leichtere Synchronisation und Koordination in Einsatzlagen, die durch eine hohe Beteiligung unterschiedlicher Organisationen geprägt sind.
Das psychosoziale Krisenmanagement ist ein zentraler Bestandteil des Katastrophenschutzes. Es umfasst alle Maßnahmen, Strukturen und Abläufe, die darauf ausgerichtet sind, Menschen in Krisen- und Schadenslagen zu stabilisieren und in ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen. Es verbindet unmittelbare psychosoziale Hilfe mit der Organisation von Anschluss- und Nachsorgeangeboten. Ein gut abgestimmtes psychosoziales Krisenmanagement trägt außerdem dazu bei, Einsatzkräfte zu entlasten und die Einsatzfähigkeit über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig wird in größeren, langanhaltenden oder überregionalen Krisenlagen – wie etwa während der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 – deutlich, dass die psychosoziale Unterstützung an organisatorische Grenzen stößt. Die verschiedenen Akteursgruppen der psychosozialen Unterstützung sind nicht ausreichend vernetzt und Informationen über Zuständigkeiten und Kompetenzen sind unklar. Versorgungsstrukturen, die im regionalen Regelbetrieb gut funktionieren, reichen in komplexen Lagen häufig nicht aus.

Diese Bedingungen führen dazu, dass Ressourcen nicht zielgerichtet eingesetzt werden können und Zuständigkeiten im Einsatz unklar bleiben. Dadurch können Lücken in der Versorgung entstehen und fehlende Anschlussstrukturen erschweren zudem die Fortführung psychosozialer Unterstützung nach der akuten Phase.
Das Projekt „Psychosoziale Notfallversorgung: Synchronisations- und Koordinationsplattform“ (PSync) setzt an diesen Herausforderungen an. Ziel ist es, relevante Akteursgruppen im psychosozialen Versorgungssystem zu erfassen, ihre Kompetenzen, Zuständigkeiten und Kooperationsstrukturen zu analysieren und digitale sowie organisatorische Instrumente für eine leichtere Synchronisation und Koordination in Großschadenslagen zu entwickeln. So sollen Strukturen aufgebaut werden, die im Ereignisfall ineinandergreifen und ermöglichen, vor die Lage zu kommen.

Das DRK ist eine der zentralen Organisationen, die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) in Deutschland anbieten. Die PSNV umfasst den akuten Bereich des psychosozialen Krisenmanagements, also jene Unterstützung, die unmittelbar nach einem belastenden Ereignis notwendig wird. Bundesweit stellen DRK-Gliederungen PSNV-Teams bereit, die Menschen unmittelbar nach belastenden Ereignissen begleiten, stabilisieren und in ihren nächsten Schritten unterstützen. Damit trägt das DRK einen wesentlichen Teil zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe des psychosozialen Krisenmanagements bei.
Im Projekt PSync übernimmt das DRK die Konsortialführung und steuert die Zusammenarbeit aller beteiligten Partnerorganisationen. Das DRK-Projektteam verantwortet zentrale Arbeitsbereiche des Verbunds: Es erfasst relevante Akteurinnen und Akteure der psychosozialen Unterstützung; analysiert, wie Akteursgruppen zusammenarbeiten; wo Zuständigkeiten liegen und wo Brüche, Doppelstrukturen oder Versorgungslücken entstehen.
Zudem entwickelt das DRK praxisorientierte Austausch- und Lernformate, in denen die im Projekt erarbeiteten Methoden und Instrumente erprobt werden können. Auf dieser Grundlage werden im Austausch mit Expertinnen und Experten Empfehlungen für eine erleichterte Zusammenarbeit in Großschadenslagen erarbeitet. Gleichzeitig stellt das DRK-Projektteam sicher, dass die entstehenden Instrumente und Erkenntnisse sowohl in die DRK-Strukturen als auch in die übergreifende Zusammenarbeit des psychosozialen Hilfeleistungssystems integriert werden.
PSync nimmt Bezug auf die von den DRK-Gliederungen identifizierten Handlungsnotwendigkeiten „Optimale Koordinierung und Einsatz von Personalressourcen“, „Sozialräumliche Vernetzung vor Ort“, „Verbesserte Risikokommunikation vor und während Schadensereignissen“ „Vulnerable Gruppen in Krisen und Katastrophen“.
Im November 2025 fand der erste PSync-Workshop in Berlin statt. Vertreterinnen und Vertreter aus der PSNV-Fachberatung des DRK, der Notfallseelsorge, dem Netzwerk PSNV e. V., dem öffentlichen Gesundheitsdienst, kommunalen Gefahrenabwehrbehörden, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie aus Fort- und Ausbildungsinstituten arbeiteten gemeinsam an zentralen Fragen des psychosozialen Krisenmanagements: Welche psychosozialen Akteursgruppen müssen in Großschadenslagen eingebunden werden? Wo gibt es bereits Schnittstellen und wo entstehen Brüche? Welche Akteure fungieren als Drehscheiben zwischen akuter Unterstützung und Nachsorge? Welche Informationen sollten in einer Datenbank hinterlegt sein, damit Akteurinnen und Akteure in schwierigen Lagen schnell die richtigen Ansprechpersonen und Wege finden?
Die gemeinsame Analyse dieser Fragen half, erste Bedarfe für die Entwicklung der Instrumente des Forschungsprojektes zu präzisieren. So können wichtige Perspektiven aus der Praxis in die Projektarbeit von Beginn an eingebunden werden.
Dr. Carolin Saltzmann ist Verbundkoordinatorin des Projekts.
Die Projektleitung liegt bei Sina Giesemann.
Stellvertretende Projektleitung ist Paula Sophie Günther.
Für die projektbezogene Kommunikation nutzen Sie gerne auch das zentrale DRK-Projektpostfach: psync(at)drk(dot)de



Paula Sophie Günther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Team Sicherheitsforschung
p.guenther(at)drk(dot)de