Immer wieder haben Überschwemmungen massive Folgen, insbesondere für die Menschen vor Ort. Durch den Klimawandel steigen auch in Deutschland Häufigkeit und Intensität von Hochwasser- und Starkregenereignissen seit 2000 an: Die Hochwasser an der Elbe, Donau, im Ahrtal sowie im Saarland und in Bayern machten in den letzten Jahren deutlich, dass der Schutz und die Vorbereitung von Kommunen und Einsatzkräften auf zukünftige Überflutungen unerlässlich bleibt. Aus diesem Bedarf heraus entstand bereits vor Jahren der Lehrgang der Wasserwacht “Fachberaterinnen und Fachberater Hochwasserschutz”.
Mit dem Angebot reagieren wir als Wasserwacht auf die wachsenden Anforderungen im Hochwasserschutz und schaffen eine bundesweit einheitliche Ausbildung, die einmal jährlich stattfinden soll. Anfang März wurden nun die ersten Fachberater, die aus dem gesamten Bundesgebiet kamen, nach dem überarbeiteten Konzept, das auf die Bedarfe angepasst wurde, ausgebildet.
Aufgaben und Einsatzfelder
Ziel des Lehrgangs ist es, die Einsatzvorbereitung zu stärken, Lageeinschätzungen zu ermöglichen und Entscheidungen fachlich zu begleiten. Die Ausbildung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Wasserwacht des DRK-Landesverbands Bayerisches Rotes Kreuz und Hochschulen in Bayern entwickelt. Die Lehrinhalte umfassen unter anderem
- strategischer Hochwasserschutz,
- Informationen im Hochwasserfall,
- urbane Sturzfluten,
- Grundlagen in Hochwasserentstehung, Deich- und Dammbau
- Statik und Hydrodynamik im Hochwasserfall,
- praktische Übungen.
Die Ausbildung verbindet die neueste wissenschaftliche Theorie mit der Praxis. Nach dem neuen Konzept wurden 25 Teilnehmende erfolgreich ausgebildet. Nach einer Online-Vorbereitungsschulung kamen sie für drei Tage an die Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München, wo die theoretische und praktische Wissensvermittlung im Vordergrund stand. Beispielsweise wurden im Wasserbaulabor der Universität, die bei der Simulation eines Dammbruchs auftretenden Strömungen und hydrodynamischen Kräfte analysiert, der Aufbau und die Grundlagen des Deich– und Polderbaus, samt praktischer Einordnung im Bodenlabor durchgenommen.
Auch praktische Übungen gehörten zur Ausbildung. Beim gemeinsamen Aufbau eines Deichverbaues konnten die Teilnehmenden erleben, welcher organisatorische und technische Aufwand hinter wirksamen Schutzmaßnahmen steht.
„Über die Landesverbände hinweg zeigt sich, wie gut die Wasserwacht bundesweit zusammenarbeitet. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven kommen zusammen. Genau dieses gemeinsame Lernen macht den Lehrgang so wertvoll“, sagt DRK-Kursleiter Johann Penn von der Wasserwacht Bayern.
Nach Angaben von Bundesleiter Andreas Paatz sollen die ausgebildeten Fachberaterinnen und Fachberater künftig nicht nur in Einsatzlagen unterstützen. „Sie bringen ihr Fachwissen auch in die Beratung von Behörden, Kommunen und Einsatzleitungen ein. Damit stärken wir den Hochwasserschutz bereits in der Vorbereitung auf mögliche Ereignisse“, so Paatz.
So können die geschulten Kräfte der DRK-Gliederungen als Bindeglied zwischen Fachpersonal auf der einen und Krisenstäben auf der anderen Seite fungieren. Diese Verbindungsstelle wird im Hinblick auf zunehmende Wetterextreme immer bedeutsamer. Die Rolle des Fachberatenden Hochwasserschutz stellt deshalb einen zentralen Baustein dar, um Gemeinden und Einsatzpersonal zukünftig noch besser vorzubereiten und bei der Bewertung und Bewältigung von Hochwasserlagen zu unterstützen. Ein Anfang ist mit dem Lehrgang gemacht und die Wasserwacht im Deutschen Roten Kreuz freut sich auf die Fortsetzung des Ganzen im kommenden Jahr.


