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„Schnell und effektiv – Hilfe in der Not ist unsere Stärke!“

Das DRK hat die großen Herausforderungen im Jahr 2016 mit Bravour gemeistert, sagt DRK-Generalsekretär Christian Reuter im Interview. Er spricht über die Schwerpunkte der Arbeit im vergangenen Jahr und gibt eine Einschätzung der weiteren Entwicklungen.

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Jens Jeske/ DRK-Service GmbH
Christian Reuter ist seit April 2015 Generalsekretär und Vorstandsvorsitzender des DRK.
  • Herr Reuter, was waren 2016 die Schwerpunkte des DRK?

    Unser Hauptthema war natürlich die Flüchtlingshilfe im In- und Ausland. Dabei hat sich der Schwerpunkt unserer Arbeit in Deutschland im Laufe des Jahres von der Unterbringung zur Integration verlagert. Hier bewegt uns die Frage: Wie gehen wir um mit gut einer Million Menschen, die mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und sozialen Hintergründen zu uns kommen?

    Unser größter Auslandseinsatz läuft nach wie vor in Syrien und den Nachbarländern. Wir erhielten dafür in den letzten fünf Jahren mehr als 100 Millionen Euro für Hilfsleistungen, alleine aktuell 30 Millionen vor allem von der Bundesregierung.

    Das andere große Thema 2016 war die innerverbandliche Weiterentwicklung. Wir haben ein neues Hauptaufgabenfeld Altenhilfe definiert und werden ein Hauptaufgabenfeld Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz einrichten. Dabei ist vor allem positiv festzustellen, dass unser Gesamtverband auch diese Themenfelder mit einer hohen verbandlichen Geschlossenheit angeht.

  • Das DRK unternahm große personelle Anstrengungen, um rasch eine Infrastruktur für die vielen Flüchtlinge aufzubauen. Wenig später fiel die Zahl deutlich und viele Einrichtungen mussten schließen. Wie hat das DRK diesen Kraftaufwand gemeistert?

    Das DRK hat dies mit Bravour gemeistert! Im ersten Quartal 2016 kamen immer noch 174.000 Menschen nach Deutschland. Nicht nur das DRK, auch viele andere Hilfsorganisationen haben geholfen, die dafür notwendige Struktur mit wirklich qualifizierten Hilfsangeboten weiterhin vorzuhalten. Mit 140.000 Flüchtlingen, die wir in 490 Notunterkünften betreut haben, waren wir sehr präsent. Das ist unsere Stärke, unsere Kernkompetenz: Schnelle und effektive Hilfe in der Not!

  • Ist nach der heißen Phase der Flüchtlingskrise eine veränderte Wahrnehmung der Leistung des DRK durch die Politik spürbar?

    Die Anerkennung ist gestiegen. Wir haben etwa in Bayern jetzt eine Besserstellung unserer Helfer erreicht. Wir hoffen, dass nun andere Bundesländer bald nachziehen. Wir haben große Anerkennung auch auf der politischen Ebene erfahren. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière hat sich anlässlich unseres Bundestagsfrühstücks sehr lobend und wertschätzend über die Arbeit des Ehren- und Hauptamtes im DRK geäußert.

  • Welche Maßnahmen zur Integration der Geflüchteten hat das DRK unternommen? Wie viele Menschen sind in der Betreuung des DRK?

    Allein das DRK-Generalsekretariat begleitet, unterstützt und fördert bundesweit mehr als 60 Projekte in diesem Bereich. So vielfältig die Biografien der zu uns gekommenen Menschen sind, so vielfältig müssen auch die Angebote sein. Eine große Stärke des DRK ist, dass wir genau das liefern können, weil wir vor Ort gesellschaftlich aktiv und fest verankert sind. Hier zeigt sich eben wieder die besondere Wichtigkeit unserer föderalen Strukturen, die zwingend notwendige hohe Eigenständigkeit unserer Verbände auf allen Ebenen und die große Bedeutung unseres starken Ehrenamtes.

    Aber auch unsere Erfahrung als internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung kommt hier zum Tragen. Wir haben einen ganz besonderen Zugang zu den zu uns Kommenden, weil sie in ihrer Heimat mit uns oder unserer Schwes­tergesellschaft durchweg positive Erfahrungen gemacht haben. Das bringt aber auch die Verpflichtung für das DRK mit sich, dass wir in herausragender Weise zum Gelingen der Integration beitragen.

  • Als DRK unterstützen Sie auch Schwestergesellschaften in den Ländern, aus denen Flüchtlinge kommen oder in denen sie sich während ihrer Flucht aufhalten. Wo lagen hier die Schwerpunkte?

    Unser Engagement beschränkt sich nicht nur auf Syrien und die Nachbarländer. Wir helfen im Sudan, in Asien, in Haiti oder den zentralasiatischen Republiken. Wir engagieren uns in rund 50 Ländern der Erde. Wir versuchen mit den Möglichkeiten, die wir haben – und die haben wir sicherlich als eine der größten nationalen Gesellschaften – unseren Schwesterorganisationen zu helfen, die kleiner sind als wir. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch ausländische Delegierte und Schwestergesellschaften uns auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland geholfen haben. Das zeigt, wie wichtig und lebendig unsere Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist.

  • Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

    Ich glaube, dass wir mit dem Wissen „wir schaffen auch große Herausforderungen“ gut gewappnet sind für die Aufgaben der kommenden Jahre. Ich denke, Kriege und Konflikte, Flucht, Elend und Vertreibung werden uns in den nächsten Jahren noch stärker fordern. Leider ist das so! Daher ist es so wichtig, auch unsere Strukturen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zu überprüfen. Wir müssen hoch professionell im Ehren- und Hauptamt unsere Einsatz- und Durchhaltefähigkeit als Hilfsorganisation auch bei stärker dynamischen Lagen aufrechterhalten können.

    Das DRK-Gesetz macht deutlich, was unsere Kernaufgabe in der Gesellschaft ist: die Rolle als Nationale Hilfsgesellschaft für die Bundesrepublik. Innerverbandlich wird die Evaluierung der Strategie 2010/2020 in den Blick rücken und damit natürlich auch der erste Schritt zu einer gesamtverbandlichen Diskussion einer Strategie 2020/2030 starten. Denn neben allen täglichen Herausforderungen müssen wir auch nach vorn schauen, damit wir in den kommenden Jahren weiterhin erfolgreich bleiben.

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