
Zunächst als Naturschutzorganisation gedacht, wächst die Bergwacht immer weiter und hat heute über 12.000 qualifiziert ausgebildete ehrenamtliche Mitglieder. Ehrenamtliche, die da sind, um dort zu helfen, wo sonst niemand mehr hinkommt – 365 Tage im Jahr. Bei jedem Wetter, an jedem Ort.
Nach dem ersten Weltkrieg wollen die Menschen raus in die Natur: Wandern gewinnt an Popularität. Fritz Berger stört sich vor allem am Umgang mit der Natur und gründet die Bergwacht am 14. Juni 1920. Der Ursprungsgedanke: Ehrenamtliche sind in den Bergen unterwegs und unterbinden einen ungezügelten Umgang mit der Natur und seltenen Pflanzen.
Weil mit dem steigenden Interesse der Freizeitaktivtäten in der Bergwelt auch die Unfälle zunehmen, wird Bergrettung und Erste Hilfe in Notsituationen immer mehr zum Fokus. Schon fünf Jahre später erkennt der Deutsche und Österreichische Alpenverein die Wertigkeit der Bergwacht als „Landesstelle für alpines Rettungswesen“ an. Auch in Sachsen und im Schwarzwald bilden sich in den 1920er-Jahren erste lokale Initiativen für Bergrettung.
Zunächst unabhängig aktiv, wurden die (unabhängigen) Gruppierungen in den 1950er-Jahren reorganisiert und nach und nach ins DRK integriert. Damit wurde auch der Bergwacht-Bundesverband im DRK gegründet.
1953 kommt die Luftrettung als Tätigkeitsfeld in der Bergrettung dazu. Mit Hubschraubern können die Einsatzkräfte viele Einsatzorte schneller erreichen. Erste Luftrettungsübungen finden 1956 am Tegernsee in Bayern statt. Schon 1975 werden bis zu 90 Prozent aller Verletzten am Berg mit Hubschraubern ins Tal gebracht.
Möglich ist dies nur dank kompetenter Partner wie der Luftrettung im „Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC), der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) der Bundes- und Landespolizei en oder der Bundeswehr – bis heute.
2024 wurden insgesamt 2.023 Hubschrauberrettungen durchgeführt, also rund 5,5 Rettungen pro Tag.
1957 wird die „Internationale Kommission für alpine Rettung“ (ICAR) gegründet, die Bergwacht ist eines ihrer Gründungsmitglieder. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Bergrettung weltweit durch Erfahrungsaustausch und gemeinsame Standards zu verbessern.
Nach dem Mauerfall folgt 1990 die Vereinigung der beiden Rotkreuzgesellschaften. Auch die Bergwachten der damaligen DDR werden Teil der gesamtdeutschen Bergwacht im DRK.
Ein Höhepunkt der Weiterentwicklung der Ausbildung ist die Eröffnung des Bergwacht Zentrums für Sicherheit und Ausbildung 2008. In dem Ausbildungszentrum in Bad Tölz trainieren nicht nur Ehrenamtliche der Bergwacht, sondern auch andere Hilfsorganisationen unter Realbedingungen. Das Ausbildungszentrum ergänzt ein breites Spektrum an Aus- und Fortbildungen in der Bergwacht, die den Ehrenamtlichen eine ausgezeichnete Fachexpertise ermöglichen. Expertise, die auch im Komplexen Hilfeleistungssystem des DRK wie bei Katastrophen wie dem Hochwasser im Ahrtal 2021 nicht mehr wegzudenken ist.
Inmitten der Covid19-Pandemie feiern wir das 100-jährige Jubiläum der Bergwacht – auf Abstand. In Zeiten, in denen vom Reisen abgeraten wird, boomt der Inlandstourismus und auch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte haben alle Hände voll zu tun. Aktuelle Statistiken zeigen: Die Bergwacht wird gebraucht wie nie.
Danke an alle, die sich einbringen – damals wie heute.