
Der Einsatzort im Gebirge ist sicherlich einer der schönsten, doch auch eine besondere Herausforderung. Die Einsatzorte sind oftmals mit Einsatzfahrzeugen nicht erreichbar oder erfordern eine langwierige Anfahrt, das Gelände ist steil und schwierig. Alle Beteiligten sind der Witterung ausgesetzt und die notfallmedizinische Versorgung von Patienten ist besonders schwierig. Dennoch erwarten Patienten zeitnah eine fachgerechte Behandlung, die dem Stand der Technik und der Notfallmedizin entspricht.
So rettet die Bergwacht in den Frühjahrs- und Sommermonaten überwiegend Wanderer, Bergsteiger und Gleitschirmflieger. In den Wintermonaten konzentrieren sich die Einsätze stark auf Wintersportler und die Lawinenrettung. Ganzjährig führt die Bergwacht Luftrettung und Seilbahn-Evakuierung durch.

Die Versorgung von Notfallpatienten im Gelände stellt eine der Kernkompetenzen der Bergwacht dar. Die Einsatzkräfte der Bergwacht müssen mit Abschluss ihrer 2-jährigen Ausbildungszeit in der Lage sein, einen Patienten im Gelände eigenständig notfallmedizinisch zu versorgen und dem Notarzt bei der Durchführung der ärztlichen Maßnahmen zu assistieren. Die notfallmedizinische Ausrüstung entspricht dabei in etwa der eines Rettungswagens, jedoch ausgerichtet auf die Versorgung der Patienten im Gelände. Vor allem im Gewichts- und Größenbereich der Ausrüstung muss darauf geachtet werden, dass die gesamte Ausrüstung zur Not zu Fuß über längere, schwierige Anmarschwege zum Patienten gebracht werden muss.

Die Rettung aus unwegsamem Gelände ist eine der Kernaufgaben der Bergwacht überhaupt. Für diesen speziellen Zweck eignen sich vor allem die Gebirgstrage (im Sommer) und der Akja (im Winter). Die Rettung aus unwegsamem Gelände ist eine weitere Kernaufgabe der Bergwacht. Für diesen speziellen Zweck eignen sich vor allem im Sommer die Gebirgstrage und im Winter der Akja. Die Gebirgstrage wird zu diesem Zweck mit einem Radsatz versehen. Hierunter versteht man eine Einrad-Vorrichtung, die wahlweise unter die Gebirgstrage oder den Akja montiert werden kann.
So wird das Gewicht von Patient und Gerät auf das Einrad verlagert, insgesamt ist man von der Spurbreite und von der Beweglichkeit her so flexibel, dass die Gebirgstrage auch auf schmalen Wanderwegen ihre Vorteile voll ausschöpfen kann.

Die Felsrettung stellt die Einsatzkräfte je nach den örtlichen Gegebenheiten vor besondere Herausforderungen. Wo die Zustiege es zulassen (vor allem im Mittelgebirge) wird nach Möglichkeit von oben an die Unglückstelle abgeseilt. Wo dies nicht möglich ist, muss der zeitlich aufwendigere Weg über die Kletterrouten genommen werden, den zuvor der Patient möglicherweise auch schon benutzt hat. Wo Witterungsbedingungen und Gelände es zulassen, kann der Patient auch mit Hilfe der Winde des Rettungshubschraubers aus der Wand gerettet werden.

Im Winter liegt der Schwerpunkt der Bergwachtarbeit auf der Pistenrettung. Die Bergwachtfrauen und -männer sorgen in diesem Fall auf Abfahrtspisten und Langlaufloipen für die schnelle Versorgung der Patienten. Sind es auf der Abfahrtspiste vor allem die chirurgischen Notfälle, die es zu versorgen gilt, so nehmen auf den Langlaufloipen die akuten Krankheitsbilder infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stetig zu. Auch die Einsätze im freien Skigelände nehmen zu und stellen die Retter immer wieder vor Herausforderungen.

Da Höhengewöhnung und Sicherungstechnik zum täglichen Handwerkszeug einer aktiven Einsatzkraft der Bergwacht gehören, war der Schritt in Richtung Höhenrettung ein kleiner. Vor allem die besonderen Gefahren, die von scharfen Kanten, wie sie z.B. an Industriebauten anzutreffen sind, und die damit erhöhte Verletzungsgefahr gegenüber einem kontrollierten Sturz im Felsen, machen den Hauptunterschied für die Einsatzkraft aus.
Ähnlich wie bei der Seilbahnevakuierung existieren hier für bestimmte Gebäude bzw. Anlagen vorgefertigte Alarmierungs- und Einsatzpläne. Die Bergwacht kooperiert hier oft eng mit den örtlichen Feuerwehren.

Für die Evakuierung von Seilbahnen ist in Deutschland grundsätzlich der Betreiber zuständig. Für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass eine Seilbahn durch das Betriebspersonal nicht leergefahren werden kann, weil sowohl Hauptantrieb als auch Hilfsantriebe versagen, muss die betroffene Bahn durch speziell geschulte Einsatzkräfte evakuiert werden können. Die Bergwacht stellt hier diese Einsatzkräfte und auch das Einsatzkonzept zur Verfügung.

Die Luftrettung erfolgt beim Bergwacht-Einsatz auf zwei Arten: Zum einen wird der Hubschrauber als Notarzt-Zubringer eingesetzt – als fliegendes Notarzteinsatzfahrzeug. In der Regel übernimmt der Hubschrauber in einem solchen Fall auch den Transport des Patienten in die Klinik. Zudem kann der Hubschrauber als Rettungsgerät eingesetzt werden. Mit einer Winde bzw. mit einem fixen Tau, das an der Unterseite der Hubschrauberkabine befestigt ist, wird so der Spezialist der Bergwacht an der Einsatzstelle abgesetzt und auch samt Patient wieder aufgenommen. Nicht jeder Hubschrauber ist mit einer solchen Winde ausgestattet und es erfordert nicht nur vom Spezialisten der Bergwacht, sondern auch von der Hubschrauberbesatzung ein spezielles Training.
Canyoning ist eine modere Sportart, bei der die Aktivisten wasserführende Schluchten passieren, die für Boote regelmäßig zu eng sind. Dabei trägt der Sportler einen Neopren-Anzug sowie die persönliche Schutzausrüstung. Verunfallt ein Sportler in einer wasserführenden Schlucht, so stellt dies höchste Anforderungen an die Rettungskräfte. Neben der Rettungstechnik muss sich die Einsatzkraft in diesem Fall noch mit dem Element Wasser auseinandersetzen.

Bei den Bergwacht-Rettungshunden werden besondere Ansprüche an Mensch und Tier gestellt: Der Hundeführer muss die Bergwacht-Ausbildung abgeschlossen haben und über Erfahrungen im alpinen Gelände verfügen. Die Lawinensuche ist eine eigene Disziplin neben der Flächen- und Trümmersuche in der Rettungshundeausbildung. Der Lawinenhund ist nach wie vor das Mittel der Wahl im planmäßigen Lawineneinsatz, insbesondere wenn vom Verschütteten kein Signal seines Lawinenpiepsers aufgefangen werden kann – bevor mit zeitraubenden Suchketten auf der Lawine begonnen wird zu suchen.

Die Bergwacht engagiert sich auch im Bereich der Höhlenrettung. Hierbei werden verunglückte Personen aus einer Höhle gerettet und an den straßengebundenen Rettungsdienst übergeben. Wenn bekannte Techniken auch unter Tage nicht von vornherein ihre Gültigkeit verlieren, so haben sich die Retter doch auf die besondere Situation einzustellen. Die Bergwacht kann ebenfalls die Grubenrettung sicherstellen. Dabei handelt es sich meist um ehemalige Bergwerke, die heute als Schau- oder Lehrbergwerk einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Im Bereich der Höhlenrettung arbeitet die Bergwacht eng mit den anderen Höhlenrettungsorganisationen zusammen.
Bei der »Baumrettung« geht es um die Rettung z.B. eines Gleitschirmpiloten und die anschließende Gerätebergung. Die überwiegende Anzahl der Baumlandungen sind den Umständen entsprechende »kontrollierte« Landungen, die der Pilot durchführt, wenn er über bewaldetem Gebiet fliegt und der Auftrieb nicht mehr bis zum vorgesehenen Landeplatz reicht. Dabei sucht er sich möglichst einen etwas freier stehenden Baum, in dem er landen kann. Nach der »Landung« verfangen sich die Leinen im Baum und verhindern so, dass der Pilot abstürzt.

Die Erfahrungen und Lehren aus Notfalleinsätzen haben gezeigt, dass bei belastenden Einsätzen nicht nur die Patienten, sondern auch die Angehörigen oft Hilfe benötigen. Aus dieser Erfahrung heraus haben sich in allen Bereichen des Rettungsdienstes und der anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ständig abrufbereite Teams für den Kriseninterventionsdienst gebildet, die sich – sachkundig in den Belangen des Einsatzes – ausschließlich um die Angehörigen und Begleiter kümmern können.
Krisenintervention versteht sich vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe, dass die betroffenen Personen in die Lage versetzt werden sich selbst bzw. sich gegenseitig zu helfen. Gemeinsam mit den Betroffenen soll ihr soziales Netzwerk aktiviert werden, dass ihnen dabei zu Seite steht.
Das KID-Berg (z.Zt. ausschließlich in Bayern verfügbar) besteht aus Einsatzkräften der Bergwacht, die sich zu ihrer rettungsdienstlichen Ausbildung in den speziellen Belangen der Krisenintervention fortgebildet haben.