Haiti: Wappnen für die nächste Katastrophe
Ob Erdbeben, Stürme oder Überschwemmungen: Immer wieder wird Haiti von schweren Unwettern und Katastrophen getroffen. Für die arme Bevölkerung ist das eine schwere Belastung. Zusammen mit dem Österreichischen Roten Kreuz unterstützt das DRK zehn Gemeinden in den Bezirken Leogane und Gressier bei der Vorbereitung auf künftige Katastrophen und der Anpassung an den Klimawandel.
Region: 10 Gemeinden in den Bezirken Leogane und Gressier
Laufzeit: Mai 2010 bis April 2013
Projektvolumen: 627.000 Euro
Finanzierung: Spenden, Mittel des Österreichischen Roten Kreuzes, Drittmittel
Partner: Österreichisches Rotes Kreuz, Haitianisches Rotes Kreuz
Leben mit Naturgefahren
Nicht nur Erdbeben – wie am 12. Januar 2010 – haben Haiti in der Vergangenheit erschüttert. Regelmäßig ist der Karibikstaat auch Schauplatz von Wirbelstürmen und Überschwemmungen, besonders in den Bergregionen. Allein 2008 trafen vier Wirbelstürme das Land, sie zerstörten Saat und Ernte einer ganzen Saison. Zudem kommt es gelegentlich zu Dürren. Die immer wiederkehrenden Katastrophen verschlimmern die Lage der Haitianer, die ohnehin unter Armut und instabilen politischen Verhältnissen leiden.
Ihre Spende hilft
- Mit 350 Euro können zehn Lehrer in einem Kurs lernen, wie sie ihre Schüler im Katastrophenfall schützen.
- 500 Euro kostet es, eine Schule mit Unterrichtsmaterial zum Thema Katastrophenvorsorge auszustatten, einen Notfallplan für diese Schule zu entwickeln und eine Simulationsübung durchzuführen.
- 3.000 Euro helfen, eine Katastrophenhilfe-Einheit mit Schutzkleidung, Funkgeräten, Erste-Hilfe-Kits, Megaphonen und anderen Hilfsmitteln auszurüsten.
Stärken für die Zukunft
Um die Menschen für zukünftige Katastrophen zu wappnen und die Auswirkungen der Naturgewalten zu verringern, führt das DRK in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz als Teil eines umfangreichen Wiederaufbauprogramms auch Maßnahmen der Katastrophenvorsorge in den Bezirken Leogane und Gressier durch. Ziel ist, dass die Menschen in den zehn beteiligten Gemeinden besser über die Naturgefahren sowie die Folgen des Klimawandels informiert sind und im Katastrophenfall in der Lage sind, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Die Menschen lernen effektiv auf Erdbeben, Stürme, Hurrikane sowie Überschwemmungen zu reagieren – in Abstimmung mit dem Haitianischen Roten Kreuz und dem staatlichen Katastrophenschutz. So werden sie im Ernstfall weniger katastrophenanfällig sein.
Risiken und Schutzmöglichkeiten erkennen
Schützen kann man sich nur vor Gefahren, die man kennt. Deshalb ist eine Risikoanalyse für eine wirksame Katastrophenvorsorge unentbehrlich. Zusammen mit der lokalen Bevölkerung wurden die Gefahren und Risiken in allen zehn Gemeinden überprüft. „Wo sind in der Vergangenheit Fluten aufgetreten?“ und „Gibt es eine medizinische Versorgung?“ sind nur zwei Fragen, die dabei geklärt wurden.
Aber nicht nur Gefahren wurden bei der Analyse unter die Lupe genommen. Auch das Wissen um die Potenziale der Gemeinde im Katastrophenfall kann die Menschen besser schützen. So wurde gleichzeitig beispielsweise geprüft, wo fliehende Menschen Schutz finden, welche Straßen als Evakuierungsrouten dienen können oder wo sichere Wasserstellen sind.
Die Ergebnisse der Analyse wurden auf einer Karte festgehalten. So verfügt jede der zehn am Projekt teilnehmenden Gemeinden nun über eine Risikokarte, die die Bewohner jederzeit einsehen können, um Fluchtwege, Gefahrenzonen und sichere Orte zu kennen.
Katastrophenvorbeugung
Die Ergebnisse der Analyse wurden auch dem Geographischen Institut in Haiti zur Verfügung gestellt, wo Experten die technischen Risiken in den Gemeinden überprüft haben. Aus den gewonnenen Informationen werden Maßnahmen entwickelt, um Katastrophen in Zukunft abzumildern oder gar zu verhindern. Für jede Gemeinde wurden bereits mindestens vier Maßnahmen erarbeitet. Beispielsweise wird aufgeforstet, um Bodenerosion vorzubeugen, es werden Kanäle gereinigt und Drainagen gebaut, damit der Niederschlag besser ablaufen kann. Gabionenwände – Mauern aus Drahtschotterbehältern – sollen dazu beitragen, dass Hänge gestützt werden.
Auch eine stabile Bauweise kann die Bevölkerung vor Katastrophen schützen. So schult das DRK Maurermeister in erdbeben- und sturmresistenten Techniken. Bis Mai 2012 wurden 30 Maurer ausgebildet.
Wissen schützt
Die richtige Vorbereitung auf eine Katastrophe mindert ihre Folgen. Für jede Gemeinde wird daher ein eigener Notfallplan entwickelt und mit dem Haitianischen Roten Kreuz sowie mit dem behördlichen Katastrophenschutz abgestimmt. Um den Betroffenen im Ernstfall die Orientierung zu erleichtern, werden Evakuierungsrouten, sicherere Orte sowie Gefahrenzonen gekennzeichnet. Durch Erste-Hilfe-Schulungen lernen die Menschen zudem, wie sie kleinere Verletzungen selbst versorgen können.
Damit die Bewohner wissen, wie sie sich im Notfall verhalten sollten und für Naturgewalten sensibilisiert werden, informiert das Rote Kreuz sie über die Katastrophenrisiken sowie Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen – etwa durch Radiospots, Videovorführungen, Flugblätter, Banner und SMS. Allein Anfang April 2012 hat das Rote Kreuz mit seiner Aufklärungskampagne rund 37.000 Menschen in Leogane erreicht. Beispielsweise wurden während der Übertragung von Fußballspielen über lokale Fernsehsender kurze Aufklärungs-Videos ausgestrahlt. Teil der Kampagne sind auch Theaterstücke, die von Freiwilligen aufgeführt werden.
Lokale Katastrophenhilfe-Experten
In jeder der zehn teilnehmenden Gemeinden bildet das DRK mindestens eine Katastrophenhilfe-Einheit aus. Diese lokalen Helfer lernen, wie sie die Menschen rechtzeitig warnen und für eine Evakuierung mobilisieren können. Auch Rettungs- und Hygienemaßnahmen stehen auf ihrem Kursprogramm. Ihre komplette Ausrüstung erhalten die Helfer vom DRK.
Damit die Bewohner der Gemeinden ihre Kenntnisse festigen, führen die Katastrophenhilfe-Einheiten gemeinsam mit der Bevölkerung zum Abschluss des Projektes eine umfangreiche Evakuierungsübung durch. Früh übt sich
Im Katastrophenfall sind Kinder am meisten gefährdet. Um sie besser zu schützen, schult das DRK Lehrer. Sie lernen, wie sie ihre Schule sicherer gestalten, wie sie sich im Katastrophenfall am besten verhalten und eine medizinische Erstversorgung vornehmen können. Spezielle Unterrichtsmaterialien und Spielanregungen helfen den Lehrern, ihren Schülern das Thema altersgerecht nahezubringen.
Zudem wird für jede teilnehmende Schule ein Notfallplan entwickelt. Dazu werden sichere Orte und Evakuierungsrouten ermittelt und Evakuierungsabläufe festgelegt. In Evakuierungsübungen, die von dem Direktor, den Lehrern und ausgewählten Schülern durchgeführt werden, üben alle Beteiligten das Verhalten sowie die Abläufe im Katastrophenfall.






