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Familien auf der Flucht – wie der DRK-Suchdienst hilft. Eine Bilanz zum internationalen Tag der Vermissten

Statement des Stellv. Leiter der DRK-Suchdienst-Leitstelle Ronald Reimann vor der Bundespressekonferenz am 25. August 2016

Es gilt das gesprochene Wort!                                  

Liebe Frau Maier (Moderatorin),

sehr geehrte Damen und Herren,

bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen von in Deutschland lebenden Flüchtlingen arbeitet der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eng mit den weltweit insgesamt 190 nationalen Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes sowie dem Zentralen Suchdienst des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zusammen.

Aufgrund der häufig unterschiedlichen Transkription der Vor- und Nachnamen der Gesuchten aus anderen Schriftsystemen wie etwa dem Arabischen gestaltet sich die Suche mittels persönlicher Daten und Namen oftmals sehr schwierig. Allein zum Vornamen Mohammed gibt es sehr viele, ca. 70 verschiedene Schreibweisen. Oft fehlen genaue Angaben zum Geburtsdatum und Geburtsort, weil es in einigen Herkunftsländern der Flüchtlinge nicht üblich ist, diese zu erfassen. Das Gleiche gilt für die Angabe zum Nachnamen bei Frauen. Die Suche über nationale Personenregister und der Abgleich in der europäischen Datenbank der Rotkreuz-Suchdienste führt deshalb oft nicht zum Erfolg. Zur Optimierung der schwierigen Suche im Bereich der Flüchtlinge initiierten im September 2013 europäische Rotkreuz-Gesellschaften, darunter der DRK-Suchdienst, und das IKRK gemeinsam das Projekt „Trace the Face“. Jahrzehnte nach den Heimkehrerbefragungen nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Vermisstenbildlisten sucht der DRK-Suchdienst Menschen erneut mithilfe von Fotos.

Auf der eigens hierfür geschaffenen Internetseite www.tracetheface.org können Suchende ihr Bild einstellen mit dem Hinweis darauf, welchen Familienangehörigen die abgebildete Person sucht (Schwester, Bruder, Mutter, Sohn etc.). Gleichzeitig können sie ihr Foto auf vornehmlich europaweit ausgehängten Postern durch die Rotkreuz-Suchdienste veröffentlichen lassen. Auf der Internetseite kann zusätzlich die Staatsangehörigkeit und das ungefähre Alter der suchenden Person eingesehen werden. Alle weiteren Daten bleiben anonym. Anders als andere Plattformen wie facebook und Co. stellen die Rotkreuz-Suchdienste dabei höchste Anforderungen an die Datensicherheit ihrer Klientinnen und Klienten. Die personenbezogenen Daten sind nur autorisierten Mitarbeitern der Suchdienste zugänglich. Sollten Familienangehörige oder Bekannte auf der Webseite die suchende Person erkennen und Angaben zu der oder dem Gesuchten machen können, werden sie über einen Button direkt an diejenige Rotkreuz-Gesellschaft geleitet, welche die Nachforschungen initiiert hat. Diese gibt dem Suchenden Bescheid, der dann entscheiden kann, ob er sogleich Kontakt aufnimmt oder zum Beispiel zunächst ein Foto wünscht, um sicherzugehen, dass sich die richtige Person gemeldet hat. Hierdurch werden die Suchenden vor unerwünschten Nachstellungen geschützt. Insgesamt wurden in dem Zeitraum September 2013 bis Juni 2016 auf „Trace the Face“ 1249 Fotos veröffentlicht. Über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes wurden allein 521 Fotos eingestellt. Bisher konnten 20 ansonsten aussichtslose Suchfälle so geklärt werden. Natürlich hoffen wir, durch die weltweite Bekanntmachung unserer Fotosuche noch weitaus mehr Familien mit Hilfe dieser Methode wieder zusammenzuführen.

Für die besonders schutzbedürftigen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge unter 15 Jahren und auf Wunsch auch für Jugendliche ab 15 Jahren steht zusätzlich seit Oktober 2015 mit „Trace the Face-kids-“ eine sichere Online-Suche innerhalb der Website www.tracetheface.org passwortgeschützt zur Verfügung. Hier veröffentlichen ausschließlich Rotkreuz-Suchdienste Fotos von Kindern und Jugendlichen, die nach ihren Angehörigen suchen, sowie Fotos von Angehörigen, die nach ihren Kindern suchen. Die Fotos können zur Abwehr von Gefahren für die Minderjährigen nur über die Suchdienste der europäischen Rotkreuz-Gesellschaften eingesehen werden. Von Oktober 2015 bis Juni 2016 wurden insgesamt 451 Fotos von Minderjährigen innerhalb der Website www.tracetheface.org passwortgeschützt zur Verfügung gestellt. Über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes wurden allein 190 Fotos von Minderjährigen eingestellt. Bisher konnten 11 ansonsten aussichtslose Suchfälle von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen so geklärt werden.

 

Bei der Zahl der Suchanfragen stehen – wie von Herrn Dr. Seiters schon erwähnt - an erster Stelle afghanische Familien, die auf der Flucht von ihren Familienangehörigen getrennt wurden und diese jetzt suchen. Die afghanischen Familien haben große Schwierigkeiten, den verlorengegangenen Kontakt wiederherzustellen, weil sie häufig keinen Internetzugang, keine eigne E-Mail-Adresse haben. Hinzu kommt eine hohe Analphabetenrate in Afghanistan.    

 

Wie schon bei der Bildplakatsuche nach Eltern unbegleitet aufgefundener Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg hängt der Erfolg dieser Methode davon ab, dass die gesuchten Personen auf die Fotos aufmerksam werden. Die Poster des Projekts „Trace the Face“ hängen deshalb in Deutschland vor allem in Ausländer- und Asylbehörden, Flüchtlingswohnheimen, Flüchtlingsberatungsstellen und in den DRK-Suchdienst-Beratungsstellen. Gemeinsam mit dem IKRK wird die dazugehörige Webseite im Internet bekannt gemacht, wobei „Trace the Face“ nur ein zusätzliches Instrument der facettenreichen Suchdienstarbeit der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung darstellt.

Ich möchte wie Herr Dr. Seiters nochmals darauf hinweisen, dass wir einen Flüchtling aus Afghanistan und einen aus Syrien hier haben, die nach der Pressekonferenz auch für Einzelinterviews zur Verfügung stehen. Die Fluchtgeschichte von Farhad S. und Zakaria Z. finden Sie auch in den Presseunterlagen.  

 

Die internationale Vernetzung der Suchdienste der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften mit dem Zentralen Suchdienst des IKRK machen die Suchmöglichkeiten weltweit einzigartig. Diese wird Ihnen jetzt der stellvertretende Direktor für Europa und Zentralasien beim IKRK, Herr Martin Schüepp vorstellen, an den ich jetzt sehr gerne weiterleite.    

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