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Weltkatastrophenbericht 2015: Lokale Helfer – Schlüssel zu effektiver humanitärer Hilfe

Nach einer Katastrophe sind sie die ersten, die Menschen aus Trümmern oder Fluten retten, Erste Hilfe leisten, psychologische Betreuung organisieren oder Betroffene mit lebensnotwendigen Hilfsgütern versorgen: lokale Helfer. Der Weltkatastrophenbericht 2015 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (Föderation) stellt die Helfer vor Ort in den Mittelpunkt und bekräftigt damit ihre wichtige Rolle für effektive humanitäre Hilfe. Gleichzeitig hält der Bericht auch fest, dass die lokalen Einsatzkräfte damit zu kämpfen haben, die Unterstützung und finanziellen Mittel zu gewinnen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Eine Herausforderung, der es zu begegnen gilt.

Lokale Einsatzkräfte helfen nicht nur effektiv, weil sie direkt vor Ort sind. Sie sprechen auch die Sprache, verstehen die Kultur und kennen die Gemeinden so gut, dass sie diese dabei unterstützen können, Risiken zu minimieren, bevor eine Katastrophe eintritt. Dennoch spiegelt sich ihre Rolle nicht immer in der Finanzierung oder den Koordinierungsstrukturen der humanitären Hilfe wider. So werden beispielsweise nur 1,6 Prozent der jährlichen Finanzmittel für die humanitäre Hilfe direkt an lokale oder nationale Organisationen ausgezahlt. Die Föderation fordert deshalb mehr Anerkennung, Unterstützung und Ressourcen für die lokalen und nationalen Akteure der humanitären Hilfe.

Innerhalb der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaft spielen lokale Helfer schon immer die zentrale Rolle, um akute Katastrophenhilfe zu leisten, den Wiederaufbau nach Krisen und Katastrophen zu organisieren oder langfristige Projekte zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung vor Ort zu gestalten. Mit seinen 190 Nationalen Gesellschaften und Millionen von Freiwilligen weltweit handelt es sich bei der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung um die größte humanitäre Bewegung der Welt, die mit ihren lokalen Mitarbeitern und Freiwilligen direkt in den Gemeinden vor Ort verankert ist.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist dabei in über 40 Ländern tätig und führt seine humanitären Projekte immer in enger Kooperation mit der jeweiligen Schwestergesellschaft vor Ort durch. Dabei konzentriert sich das DRK auch sinnvollerweise auf die Stärkung dieser lokalen Strukturen seiner Schwestergesellschaften, damit die lokalen Einsatzkräfte und Freiwilligen der nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in der Lage sind, schnell und effektiv auf eine Notlage zu reagieren.

Die Autoren des Weltkatastrophenberichts zeigen auf, wie der Weg zu gleichberechtigten Partnerschaften zwischen internationalen und lokalen Akteuren sowie zu einer stärkeren lokal-orientierten Hilfe beschritten werden kann. Dazu geben sie drei zentrale Empfehlungen:

  • durch langfristige Initiativen zum Aufbau von Kapazitäten - auf Grundlage des Bedarfs vor Ort - ein Umfeld für eine wirksamere Zusammenarbeit zwischen den Partnern zu schaffen
  • das Vertrauen und die Beziehungen zwischen internationalen und lokalen Akteuren durch gemeinschaftliche Entscheidungen über verbesserte Rechts- und Steuerungsrahmen zu stärken
  • die Investitionen durch verbesserte Mechanismen zur internationalen Finanzierung zu regulieren, um Regierungen und lokale Organisationen zu unterstützen

"Auch wenn die Verantwortung für die Hilfe nach Katastrophen großen Ausmaßes nicht allein an die Menschen, Organisationen und Regierungen vor Ort übertragen werden sollte, müssen wir ein besseres Gleichgewicht finden", sagt der Generalsekretär der Föderation Elhadj As Sy. "Internationale Partner spielen weiterhin eine entscheidende Rolle, etwa bei der Bereitstellung spezialisierter Ressourcen und Expertise sowie durch Unterstützung, wenn die lokalen Ressourcen überlastet sind. Eine solche Hilfe sollte jedoch mit Bescheidenheit, Vertrauen und Respekt geleistet werden, und auch mit dem Engagement für den Aufbau lokaler Kapazitäten."

Weltkatastrophenbericht 2015 zum Herunterladen (in englisch)

Frühere Weltkatastrophenberichte zum Herunterladen (in englisch)