Foto: Portrait einer Ehrenamtlichen des DRK auf der Berliner Fußballfan-Meile Gero Breloer / DRK
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Im Wandel zukunftsfähig bleiben

Jahrbuch 2018: DRK-Generalsekretär und Vorsitzender des Vorstands Christian Reuter im Interview über gemeinsame Visionen für die nächste Dekade – die Strategie 2030

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Foto: Portrait von Christian Reuter Henning Schacht/DRK
Mit Visionen positiv an Herausforderungen und Umsetzungen herangehen: Der Diplom-Volkswirt Christian Reuter ist seit April 2015 Generalsekretär und Vorsitzender des Vorstands des DRK e.V.
  • Herr Reuter, warum überhaupt eine neue Strategie?

    Wir befinden uns in einer Gesellschaft, die sich in einem unglaublichen Tempo und Ausmaß verändert. Da nenne ich alleine nur beispielhaft die Themenfelder Globalisierung, Digitalisierung und demographischer Wandel. Wir erleben eine Aufweichung, teilweise sogar Auflösung klassischer familiärer und sozialer Strukturen und gesellschaftlicher Werte, einen Zuwachs an regionaler Mobilität und eine deutliche Abwanderung aus dem ländlichen Raum, gerade auch in die Ballungsräume hinein. Damit ist auch ganz klar, dass das alles nicht nur operative Fragestellungen für uns sind. Gerade für diese Themenfelder benötigen wir auch strategische Antworten.

    Losgelöst davon besteht für uns auch die gesamtverbandliche Notwendigkeit, für die Strategie 2020 „Menschen helfen, Gesellschaft gestalten“ eine Nachfolgestrategie 2030 zu entwickeln. Dazu sind alle Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften durch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) aufgerufen worden.

  • Wie startet das DRK seinen Strategieprozess 2030?

    Wir halten „gefühlt“ einen Moment inne, schauen zurück zu den Strategien 2010 plus und 2020, evaluieren: Was lief gut, was lief weniger gut, was hat den Gesamtverband besser oder schlechter durchdrungen? Dem folgt eine Umfeldanalyse: Wo stehen wir heute, wie schätzen Mitglieder, Förderer, Ehren- und Hauptamt, Partner, Auftraggeber, relevante Dritte uns ein, was erwarten diese von „ihrem“ DRK? Daneben ist das Prozessdesign natürlich wichtig, wie diskutieren und erarbeiten wir als Gesamtverband diese Strategie 2030. Diese Bestandsaufnahme und das richtige Prozessdesign sind ganz wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die Strategie 2030 ein Erfolg wird – sprich kein verkopftes Papier aus der Metaebene eines Elfenbeinturms, sondern ein gesamtverbandlicher, valider und evaluierbarer Handlungsrahmen für die Sicherung des Erfolges unseres DRK in den kommenden Jahren.

  • Wie lauten die inhaltlichen Fragestellungen?

    Das Präsidium hat sich bisher auf erste, aber zentrale Fragestellungen zur Strategie 2030 verständigt. In einem Zeitalter der Unsicherheiten und des Wandels macht es sicher Sinn, sich ein Stück selbst zu vergewissern. Wofür steht das DRK? Was sind unsere Aufgaben? Wie gehen wir mit unserem Mandat, unseren Grundsätzen und unserer auxiliaren Rolle um? Was sind Kernaufgaben unseres DRK, sprich unserer DRK-Familie?

    Weitere wichtige Fragestellungen werden sich sicherlich um die Zukunftssicherung von ehrenamtlichem und freiwilligem Engagement, Vielfalt und Inklusion im DRK drehen. Aber auch das Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichem Agieren auf der einen Seite, klassischer Vereinsarbeit und Interessensvertretung auf der anderen Seite wirft Fragen auf. Und – für das Präsidium ganz wesentlich: Good Governance und Compliance im DRK. Diese Fragestellungen müssen dann sicherlich unter Berücksichtigung der vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen diskutiert werden.

  • Welche Rolle spielen dabei das Ehrenamt und der föderale Aufbau?

    Das DRK war, ist und wird ein ehrenamtlich geführter und föderal aufgebauter Verband bleiben. Und das ist auch gut so! Und es ist auch gut, dass das Präsidium diese beiden Grundprinzipien unserer Verfasstheit in einer Strategie 2030 sicherstellen wird. Wir erkennen aber auch, dass unsere Gesellschaft bunter und vielfältiger wird. Insofern müssen wir dieses gesamtverbandlich auch in unseren ehrenamtlichen und freiwilligen Angeboten verstärkt widerspiegeln.

    Und es gilt natürlich, dass wir unser verfasstes Ehrenamt, unsere fünf Gemeinschaften, weiterhin stärken.

    Wir müssen sicherlich das Spannungsverhältnis zwischen föderaler Vereinsstruktur einerseits, dem Zwang und Bedarf zu größeren Einheiten in der Vereinsstruktur und im wirtschaftlichen Agieren andererseits vertieft diskutieren. Aber das ändert nichts an den beiden Grundprinzipien Ehrenamt und Föderalität im DRK.

  • Wie werden die Verbände in den Prozess einbezogen?

    Text zu Frage 5

    Das ist für uns eine ganz wichtige und zentrale Komponente. Ziel ist es, den Gesamtverband transparent über den Prozess zu informieren, für das Strategiethema zu sensibilisieren und zur aktiven Beteiligung aufzurufen.

    Denn die Strategie 2030 kann nur gelingen, wenn wir sowohl das Ehren- und Hauptamt als auch die unterschiedlichen Verbandsebenen in den gesamten Prozess mit einbeziehen.

    Wir wollen keine Diskussion im Elfenbeinturm führen und schon gar nicht von oben herab. Dabei sind auch die bestehenden und sich derzeit entwickelnden Strategien auf allen Verbandsebenen, die der Gemeinschaften auf Bundesebene und auch die IFRC-Strategie zu berücksichtigen. Die Gliederungen vor Ort müssen sich in der Gesamtstrategie wiederfinden können. Wir brauchen eine Strategie für den Verband, die auch vom Verband kommt, und konkrete, valide und evaluierbare Ergebnisse für alle im DRK mit sich bringt.

  • Wie sieht die Beteiligung konkret aus?

    Wir werden den Kreisverbänden beispielsweise Veranstaltungsleitfäden und einen Fragenkatalog zur Verfügung stellen, damit sie vor Ort mit Mitgliedern, Helferinnen und Helfern sowie Ehren- und Hauptamt über die Strategie 2030 diskutieren und sich einbringen können. Auf Landes- und Mitgliedsverbandsebene regen wir Beteiligungsforen an, um miteinander über die Strategie 2030 ins Gespräch zu kommen. Außerdem gibt es eine Onlinebefragung für ehrenamtlich und hauptamtlich Aktive im Gesamtverband. Auch ist eine Befragung wichtiger externer Interessengruppen und Anspruchsberechtigter vorgesehen.

    Der Analyseteil – insbesondere die Befragung – wird in Kooperation mit einem hochqualifizierten und erfahrenen Beratungsunternehmen konzipiert und durchgeführt.

  • Bis wann soll das Projekt abgeschlossen sein?

    Der Fahrplan steht. Die Vorbereitungsphase wurde Ende 2018 abgeschlossen. Im Jahr 2019 beginnt die Analysephase, Ende 2019 und im Jahr 2020 sollen die Ergebnisse der Analysephase in den Mitgliedsverbänden und Gremien diskutiert werden. Ende 2020 soll die DRK-Strategie 2030 dann auf der DRK-Bundesversammlung verabschiedet werden. Wir werden sicherlich dann im Rahmen der Umsetzung der DRK-Strategie 2030 einen regelmäßigen Monitoringprozess aufsetzen, um den Umsetzungserfolg überprüfen zu können.

    Eines ist jedenfalls sicher: Das Thema wird uns in den nächsten knapp zwei Jahren intensiv beschäftigen. Und zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Strategieentwicklung eine zusätzliche Aufgabe und zusätzlichen Aufwand für alle Beteiligten darstellt. Ich finde aber, dass sich dies lohnt und auch jede Mühe und Anstrengung wert ist. Denn am Ende des Tages geht es darum, unser DRK in dem vor uns liegenden Jahrzehnt weiterhin im Dienst der Hilfe für Menschen, und zwar alleine nach dem Maß der Not, zu stärken und zu festigen.

Dieses Interview ist im DRK-Jahrbuch 2018 erschienen.

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