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Auswirkungen der Syrienkrise auf die Aufgaben und den Aufbau des Libanesischen Roten Kreuzes

Seit 1945 hilft das Libanesische Rote Kreuz (LRC) im ganzen Libanon unparteilich und nach dem Maß der Not. Trotz der turbulenten Geschichte des Landes, zu der Bürgerkriege, Auseinandersetzungen mit Nachbarländern, ethnische und religiöse Konflikte gehören, gelang es dem LRC immer, seine Position als neutrale und unparteiliche Hilfsgesellschaft zu wahren und als solche von allen Konfliktparteien und Bevölkerungsgruppen anerkannt zu bleiben.

Aus diesem Grund genießt das LRC einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung und hat als einzige humanitäre Organisation Zugang zu allen Landesteilen. Über viele Jahre waren das Rettungswesen sowie die Blutbanken Schwerpunkte der Arbeit. Doch auch medizinische und soziale Betreuungszentren, Such- und Rettungsdienst, Erste-Hilfe-Stationen, Jugendclubs, mobile Kliniken und Ausbildungszentren für Krankenschwestern gehören zum Angebot. 

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Ihre Spende hilft!

Mit etwa 45 € können drei Erste-Hilfe-Kits beschafft werden.

Neue Herausforderungen durch die Syrienkrise

Durch den anhaltenden Zustrom von Flüchtlingen, die seit 2012 vor der Gewalt im Nachbarland Syrien fliehen, kamen das Land sowie das Libanesische Rote Kreuz an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung leben in keinem Staat der Welt mehr Flüchtlinge als im Libanon – etwa jede vierte Person im Land ist aktuell ein Flüchtling aus Syrien, insgesamt mehr als eine Millionen Menschen.

Die Folgen der Krise und der damit verbundene Druck auf die soziale Infrastruktur im Libanon sind im Laufe der Jahre immer weiter gestiegen. Das gilt auch für die Not vieler Menschen im Land – neben den syrischen Flüchtlingen sind das insbesondere hilfsbedürftige Libanesen und palästinensische Flüchtlinge. Damit war auch das LRC besonders gefordert, denn die vorhandenen Strukturen und Maßnahmen reichten nicht mehr aus, um den Herausforderungen gerecht zu werden: Zu den bisherigen Tätigkeiten kamen in kurzer Zeit vielfältige neue und dringende Aufgaben hinzu, denn die Grundbedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen mussten erfüllt werden, etwa durch die Verteilung von Nahrungsmittelpaketen, die Unterstützung mit Heizöfen in den kalten Wintermonaten oder die Ausstattung der Flüchtlinge mit erforderlichen Hygieneartikeln. All das war mit den bisherigen Strukturen des LRC nur schwer zu bewältigen.

Ihre Spende hilft!

Für 500 € können wir vier Einsatzteams mit Erste-Hilfe-Materialien ausstatten, um medizinische Erstversorgung zu leisten.

DRK-Hilfe: Unterstützung beim Aufbau der Abteilung für Katastrophenmanagement

Mit Hilfe des DRK und anderer nationaler Schwestergesellschaften hat das Libanesische Rote Kreuz Ende 2013 damit begonnen, eine eigene Abteilung für Katastrophenmanagement, die „Disaster Management Unit“ (DMU) aufzubauen – eine neue Abteilung, in der all die genannten Aufgaben gebündelt und koordiniert werden. Weil der Hilfsbedarf im Libanon aufgrund des fortschreitenden bewaffneten Konfliktes im Nachbarland stetig steigt, war die neue Abteilung von Beginn an sehr stark gefordert.

Das DRK hat die Verteilung von Hilfsgütern an syrische Flüchtlinge von Anfang an mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und anderer Geber finanziell unterstützt. Gleichzeitig berät das DRK das LRC nach wie vor, sowohl in der Planung oder Weiterentwicklung von Hilfsmaßnahmen und strategischen Fragen, als auch in der Förderung von notwendigen angepassten Programmen.

In nur drei Jahren ist aus der DMU – auch aufgrund der Unterstützung durch das DRK - die zweitgrößte Abteilung des LRC geworden. Inzwischen engagieren sich dort 26 Angestellte in der Zentrale und über 250 Freiwillige in den Gemeinden, die auf verschiedene Bereiche spezialisiert sind. 

Die neue Abteilung kommt vielen Menschen zugute

Das DRK unterstützt die Abteilung für Katastrophenmanagement finanziell, personell und strategisch. Denn eine solche Abteilung, die strategisch gut ausgerichtet ist, kommt nicht nur dem DRK zugute, das inzwischen große Teile seiner Projektaktivitäten im Libanon über die DMU umsetzt. Auch andere Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften nutzen die Abteilung, und am Ende profitieren davon unzählige syrische Flüchtlinge und hilfsbedürftige Libanesen.
Die DMU ist schon jetzt so etabliert, dass sie inzwischen ein wichtiger Bestandteil des „Lebanon Crisis Response Plans“ ist. Das sind Vorsorgemaßnahmen der Regierung des Landes, um auf weitere und vielleicht noch größere Notlagen schnell und abgestimmt reagieren zu können. 

Lebensnotwendige Hilfe in drei Bereichen

Durch die Disaster Management Unit kann das Libanesische Rote Kreuz die Hilfsleistungen für die syrischen Flüchtlinge und andere hilfsbedürftige Menschen im Land wesentlich besser koordinieren und optimal an den sich ändernden Bedarf anpassen. Die Schwerpunkte der DMU umfassen drei Bereiche:

  • Nothilfe: Dazu gehören zum Beispiel die Verteilung von Nahrungsmitteln und Wintergütern, aber auch ein steigender Anteil von Bargeldzahlungen an Hilfsbedürftige, um persönliche Bedürfnisse zu stillen.
  • Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene: Den Zugang der Menschen zu Trinkwasser zu sichern, ist lebenswichtig. Auch die Hygieneaufklärung und Verteilung von Hygieneartikeln, der Zugang zu sanitären Einrichtungen und die Verbesserung der sanitären Infrastruktur in den Flüchtlingslagern gehören in diesen Bereich.
  • Katastrophenvorsorge: Darunter fällt eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Folgen von Katastrophen mindern sollen. Praktisch bedeutet das zum Beispiel die Durchführung von Erste-Hilfe-Trainings, Aufklärungskampagnen über mögliche Katastrophenrisiken in den verschiedenen Landesteilen oder die Durchführung von Kleinprojekten, um Risiken in den Gemeinden zu reduzieren.

Bei allen Maßnahmen berücksichtigen die Rotkreuzmitarbeiter sowohl in der Planung, als auch der Umsetzung übergreifende Themen wie psychosoziale Hilfe oder geschlechterbedingte Risiken und Bedürfnisse. Um soziale Spannungen zu mindern, bezieht das LRC in all seine Hilfsaktivitäten bedürftige Libanesen ein. Zudem ist verstärkt geplant, dass Nothilfemaßnahmen noch besser mit langfristigen Aktivitäten verzahnt werden, um die Bedürfnisse der Flüchtlinge auch über den Tag hinaus erfüllen zu können. Der Aufbau der Abteilung für Katastrophenmanagement durch partnerschaftliche Zusammenarbeit leistet hierbei einen wesentlichen Beitrag.  

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