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Hilfslogistik: So erreichen Hilfsgüter die Menschen in Syrien

Die beim DRK für Syrien zuständige Leiterin der Projektgruppe MENA (MENA: Akronym für eine feststehende Ländergruppe in „Middle East & North Africa“ ), Tiana Hickel, im Interview zur Frage, auf welchem Weg deutsche Nahrungsmittelpakete zu hungernden Menschen in Syrien gelangen.

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Frage: Als uns vor einigen Wochen Bilder der Hilfskonvois erreichten, die in belagerte syrische Städte wie Madaja vorgelassen wurden, sahen wir auch immer wieder Pakete und Fahrzeuge des DRK. Können Sie uns sagen, wie die Pakete mit dem Logo des DRK und Autos aus Deutschland da eigentlich hinkamen?

Tiana Hickel: Das Deutsche Rote Kreuz ist Teil der weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. In mittlerweile insgesamt 190 Ländern dieser Erde gibt es eine Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft! Und in Syrien eine besonders aktive: den Syrischen Arabischen Roten Halbmond, mit einem großen Netzwerk von rund 3000 großartigen Helferinnen und Helfern im ganzen Land. Diese mutigen Frauen und Männer vom Syrischen Arabischen Roten Halbmond leisten für Millionen ihrer Landsleute, die aufgrund des gewaltsamen Konflikts in Not geraten sind, oft überlebensnotwendige humanitäre Hilfe. Und weil die Not in Syrien so groß ist, unterstützen das Deutsche Rote Kreuz und andere wiederum den Syrischen Arabischen Roten Halbmond mit Hilfsgütern und anderem Material. So kommt es, dass in der Hilfslieferung für Madaja zum Beispiel medizinische Zusatznahrung vom DRK war und dass auch einige Fahrzeuge des Hilfskonvois vom DRK stammten.

Frage: Ach, und die Güter werden dann mit Hilfsflügen, wie sie das DRK auch in Katastrophengebiete wie etwa nach Nepal oder auf die Philippinen fliegt, nach Syrien geliefert? Oder wie kommen die Nahrungsmittelpakete da hin?

Hickel: Nach Syrien liefert das DRK seine Hilfsgüter vor allem per Schiff. Vom Verschiffungsort, der meistens in Europa liegt, werden die Hilfsgüter in Latakia, einer syrischen Hafenstadt am Mittelmeer, an Land gebracht. Am Hafen werden die Container von Mitarbeitern des Syrischen Arabischen Roten Halbmonds entgegengenommen, die sich auch um die Verzollung kümmern. Von dort wird die Ware dann per Lkw in das Logistikzentrum bzw. Zentrallager des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes in Tartous gebracht. Der SARC hat Zugang zu fast allen vom Konflikt betroffenen Gebieten in Syrien. Die Hilfsmittel werden so eingelagert, dass jederzeit darauf zugegriffen und die aktuelle Verfügbarkeit ermittelt werden kann. Durch eine besondere Kennzeichnung kann man immer genau sagen, welche Hilfsgüter wo im Einsatz sind bzw. wo sie sich befinden. Mit den Fahrzeugen, die das DRK dem SARC zur Verfügung gestellt hat, verhält es sich ähnlich. Sie werden verschifft und der Syrische Arabische Rote Halbmond übergibt sie dann an einzelne seiner Branches, das entspricht den DRK-Kreisverbänden.

Frage: Wer fährt denn die LKWs? Ist das eine Spedition?

Hickel: Überwiegend werden die Fahrzeuge des SyrischenArabischen Roten Halbmondes selbst verwendet. Darüber hinaus werden je nach Hilfslieferung auch LKWs des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) oder der UN verwendet. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, weil eine Branch bspw. keine eigenen Fahrzeuge hat oder zu viele LKWs auf einmal benötigt werden, werden Transportunternehmen beauftragt, gemeinsam mit dem SARC zu fahren und Hilfsgüter zu transportieren. Die Fahrer der LKWs sind Freiwillige und Mitarbeiter des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes und die Fahrzeuge gehören den verschiedenen Branches.

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Frage: Ach, es sind gar keine Helfer aus Deutschland, die die Güter dann in Syrien verteilen?

Hickel: Nein, die Rotkreuz-/Rothalbmondbewegung arbeitet anders: Wir als DRK unterstützen eine Schwestergesellschaft, in diesem Fall den Syrischen Arabischen Roten Halbmond, nachdem diese um Hilfe gebeten hat. Also schicken wir Hilfsgüter und Material, die dann über die Strukturen vor Ort, das heißt über die lokalen Helfer, verteilt werden. Denn sie sind in den Dörfern und Städten verwurzelt, sprechen die Landessprache und haben den entsprechenden kulturellen Hintergrund. Hier braucht es oft keine deutschen oder internationalen Mitarbeiter, da die Helfer vor Ort am besten wissen, was benötigt wird und wie die Hilfe am besten umgesetzt werden kann. Manchmal gehört zu den Hilfen, die wir aus Deutschland schicken, aber auch Personal, das kann durchaus vorkommen. In Syrien beispielsweise haben wir einen festen Mitarbeiter des DRK, der von Damaskus als Schnittstelle zwischen DRK und SARC fungiert und mit den syrischen Kollegen die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen des DRK koordiniert und sie dabei unterstützt.

Frage: Was genau schickt das DRK nach Syrien?

Hickel: Das richtet sich nach dem Bedarf, den die Kollegen aus Syrien uns melden. Fünf Jahre nach Ausbruch des Konflikts sind aktuell rund 6,6 Millionen Menschen innerhalb Syriens auf der Flucht, vielen von Ihnen fehlt es am Nötigsten. Durch unsere Unterstützung können die Helfer des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes unter anderem monatlich 50.000 Nahrungsmittelpakete und 10.000 Dosen medizinischer Zusatznahrung für Kleinkinder, 60.000 Hygienepakete  sowie Medikamente und medizinische Artikel verteilen.

Frage: In Syrien sind unterschiedliche politische Kräfte am Werk, die Situation ist volatil. Welche Schwierigkeiten gibt es, die Hilfsgüter zu den notleidenden Menschen zu bringen?

Hickel:
Es stimmt, es ist keine leichte Aufgabe. Viele unterschiedliche Konfliktparteien, tausende Checkpoints (beispielsweise zählte das ICRC kürzlich 60 Checkpoints alleine von Damaskus nach Aleppo). Mit jeder einzelnen Konfliktpartei muss die Durchfahrt abgestimmt werden und vorab das Greenlight eingeholt werden. Ein Passierschein, der heute gilt, kann schon morgen nicht mehr anerkannt werden. Oft wird der humanitäre Zugang auch prinzipiell zu bestimmten Gebieten verweigert, was einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellt. Es ist schon vorgekommen, dass ganze Konvois wieder umkehren mussten, weil ihnen die Fahrt durch ein bestimmtes Gebiet verwehrt wurde, oder dass der Konvoi im Kugelhagel abgebrochen werden musste. Der Lieferung in die belagerte Stadt Madaja zum Beispiel gingen intensive Verhandlungen voraus und sie wurde nur unter strengen Auflagen gestattet. So mussten alle 44 Fahrzeuge des Hilfskonvois  binnen einer Nacht entladen werden und mussten bis 5:00 Uhr am Morgen die Stadt wieder verlassen haben.

Frage: Und wie erreichen die Hilfsgüter die Bedürftigen ganz konkret? Woher wissen die Menschen, wann und wo eine Verteilung stattfindet?

Hickel:
Die Menschen werden über die Verteilungen vom Syrischen Arabischen Roten Halbmond oder der UN informiert und wissen darüber, zu welcher Zeit sie sich wo für die Verteilung einzufinden haben. Die Hilfsgüter werden dann bedarfsorientiert verteilt.

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Hickel:
Ich wünsche mir, dass kein Helfer bei der Ausübung eines humanitären Einsatzes mehr getötet wird. Die furchtbare Wahrheit ist, dass in Syrien seit Ausbruch des Konfliktes vor fünf Jahren bereits 53 Helfer des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes während des humanitären Einsatzes ums Leben kamen. Ich wünsche mir, dass unseren Helfern freier und ungehinderter Zugang zu Menschen in Not gewährt wird. Und ich wünsche mir vor allem, dass dieser Konflikt ein Ende hat. Fünf Jahre Gewalt und Elend in Syrien sind fünf Jahre zu viel

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