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Sudan: Hannelore Schnelzer im Interview über Gesundheitsprojekte im Sudan

Sudan: Hannelore Schnelzer im Interview über Gesundheitsprojekte im SudanSeit rund zehn Jahren engagiert sich das DRK in Nord-Darfur für arme und bedürftige Menschen. Gemeinsam mit der Schwesterorganisation, dem Sudanesischen Roten Halbmond, setzt sich das DRK für eine medizinische Grundversorgung ein. Hannelore Schnelzer, ehemalige Büroleiterin des DRK im Sudan, beschreibt die aktuelle Situation und die Arbeit des Roten Kreuzes vor Ort.

Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Wie ist die medizinische Situation im Nord-Darfur?

Hannelore Schnelzer: Zur Beantwortung dieser Frage muss ich ein wenig ausholen. Gerade in Darfur, einer großflächigen ländlichen Region im Westen des Sudan, dauern immer noch bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Rebellengruppen und der sudanesischen Regierung an, die auch immer wieder die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen. Und das seit 2003. Darunter leidet natürlich auch die komplette Infrastruktur der Region und die hauptsächlichen Lebensgrundlagen der Menschen, der Ackerbau und die Viehzucht. Da die Sicherheitslage nicht die beste ist, und das sudanesische Gesundheitsministerium nur begrenzte finanzielle Mittel hat, ist es schwer medizinisches Fachpersonal zu bekommen. Natürlich versuchen wir damit umzugehen.

DRK: Wie regieren Sie auf die regionalen Gegebenheiten?

Schnelzer: In den von uns geförderten Gesundheitseinrichtungen arbeiten wir mit einer kleinen Stamm-Mannschaft aus medizinischem Personal, das vom Gesundheitsministerium gestellt und von uns finanziell unterstützt wird. Für wichtige, über die eigentliche medizinische Behandlung hinausgehende Maßnahmen bauen wir ganz stark auf ein Freiwilligenkonzept auf. Mit unserem Partner, dem Sudanesischen Roten Halbmond, versuchen wir also vor allem Menschen aus den betroffenen Dörfern dazu zu motivieren, mit uns zu arbeiten. Da die meisten Freiwilligen kein medizinisches Fachpersonal sind, schulen wir diese gezielt, so dass sie selbst in der Lage sind die Bevölkerung aufzuklären. Dabei geht es uns um wichtige Themen wie Hygiene, Gesundheitsrisiken durch verunreinigtes Trinkwasser und die Unterstützung zur Behebung der gerade bei Schwangeren und Kleinkindern leider sehr verbreiteten Mangelernährung. Und natürlich sind unsere finanziellen Ressourcen wesentlich kleiner als der Bedarf. Verglichen mit Deutschland, arbeiten wir hier mit einfachen Mitteln und wenig medizinischem Equipment.

DRK: Welche Herausforderungen gibt es im Nord-Darfur, insbesondere vor dem Aspekt Gesundheit?

Schnelzer: Diese Region ist stark ländlich geprägt. Die Menschen leben hauptsächlich von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die sie dem kargen Boden in der sehr wasserarmen Region abringen können und teilweise von Viehzucht, überwiegend Ziegen und Schafe. Es gibt in der Region noch Stämme, die als Nomaden oder Halb-Nomaden leben. Es gibt hier kaum eine Infrastruktur. Die Dörfer bestehen aus einfachen Hütten und sind weit voneinander getrennt. Diese Gegebenheiten müssen wir in unsere Planung einbeziehen. Wir haben in acht Dörfern feste Basisgesundheitsstationen, die die Menschen hier aufsuchen können, um medizinisch behandelt zu werden. Zudem gibt es drei mobile Gesundheitseinheiten, die von Dorf zu Dorf fahren und ihre Unterstützung anbieten.

DRK: Wie sind die Einheiten und Stationen ausgestattet?

Schnelzer: Die mobilen Einheiten sind natürlich mit dem Nötigsten ausgestattet. Ein Fahrer, eine medizinische Fachkraft und ein Freiwilliger fahren hier mit. Sie haben Verbandsmaterial, Medikamente für regional typische Erkrankungen wie Durchfall, Antibiotika, und Impfstoffe dabei. Wirklich nur transportable Dinge, mit denen schnell und unkompliziert geholfen werden kann. Die Stationen sind nicht wirklich besser ausgestattet. Hier gibt es zusätzlich Screeninggeräte, um auch weiterführende Untersuchungen durchführen zu können.

DRK: Gibt es weitere Aktionen, die Sie darüber hinaus durchführen?

Schnelzer: Einen weiteren Schwerpunkt unserer Tätigkeit bildet der Kampf gegen die weit verbreitete Unter- bzw. Mangelernährung. Diese Hilfeleistung ist eng verknüpft mit der Gesundheitsversorgung. Mangelernährung erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten. Viele Krankheiten, wie vor allem die weit verbreiteten Durchfallerkrankungen, erhöhen das Risiko für Unterernährung vor allem bei Kindern. Auch auf Risiken wie Mangel an sauberem Trinkwasser machen wir gezielt aufmerksam. Wir versuchen die Menschen bzgl. Hygiene, wie regelmäßigem und richtigem Händewaschen, in Schulungen aufzuklären.

DRK: Welche Patienten versorgen Sie vorrangig?

Schnelzer: Wir leisten allen Patienten, die unsere Basis-Gesundheitseinrichtungen aufsuchen, medizinische Hilfe. Unsere Haupt-Zielgruppe sind aber die gesundheitlich anfälligsten Menschen, vor allem Kinder bis fünf Jahre, Schwangere, stillende Mütter und Ältere. Wir bieten Vorsorgeuntersuchungen für die Schwangeren, Nachsorgeuntersuchungen, und für Kinder regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Impfungen nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation an.

DRK: Wie wird die Hilfe in der Bevölkerung angenommen?

Schnelzer: Man muss wissen, dass die Menschen hier sehr traditionsgebunden sind, dies berücksichtigen wir bei uns im Programm. Zum Beispiel haben wir ein Ausbildungsprogramm zur Geburtshilfe durch Frauen. Das ist hier ein Beruf, der traditionell gewachsen ist, bei dem unsere Hilfe entsprechend gut ankommt, und mit dem wir Vertrauen schaffen können.

Außerdem binden wir die Dorfältesten konsequent in alle Planungen und wichtigen Entscheidungen ein, denn nur so können wir die Hilfe leisten, die wirklich am Dringendsten benötigt wird und in der Region praktikabel ist. Daher wird unsere Arbeit von den Dorfgemeinschaften aktiv unterstützt. Die Menschen versuchen mit ihren bescheidenen Mitteln, beispielsweise durch einfaches Baumaterial oder Arbeitsleistung, selbst zum Erhalt ihrer Gesundheitseinrichtungen und notwendigen Reparaturen beizutragen. Das freut mich persönlich sehr. Es ist schön zu sehen, dass die Arbeit und Mühe, die wir hier hineinstecken, auch angenommen wird, und dass sie wirklich dazu beiträgt, die unglaublich schweren Lebensbedingungen der Menschen in dieser Region zu verbessern. Das motiviert und bestärkt uns in dem, was wir tun.

DRK: Vielen Dank für das Interview!

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