Überflutungen nach dem Zyklon Idai in Mosambik
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Interview mit DRK-Programm-Koordinatorin Hanne Roden

DRK-Helferin Hanne Roden in Mosambik

Nach dem verheerenden Zyklon Idai in Mosambik organisiert das DRK die Nothilfe für die Menschen in der Region. Hanne Roden ist unsere DRK-Landeskoordinatorin in Mosambiks Hauptstadt Maputo und gab uns am 19.3.2019 ein Interview zur aktuellen Lage nach dem Wirbelsturm. Sie arbeitet seit August 2017 für das DRK und lebt seit mehr als 30 Jahren in Mosambik.

Der Zyklon Idai traf Mosambik erst vor wenigen Tagen. Wie sieht die aktuelle Situation aus?

Hanne Roden: Der Zyklon traf in den frühen Morgenstunden des 15. März nördlich von Beira mit Windgeschwindigkeiten zwischen 170 und 190 km/h und Starkregen mit mehr als 150 mm in 24 Stunden auf das Festland.

Der Wirbelsturm bewegte sich landeinwärts in Richtung der Provinz Manica und auf den Osten Simbabwes zu und verursachte auch dort erhebliche Schäden an Häusern, Straßen, Infrastruktur und Feldern. Er wurde von heftigem Starkregen begleitet, der Straßen und andere Infrastrukturen beschädigt hat. Unter anderem wurde eine Brücke zwischen der Provinzhauptstadt Manica, Chimoio und dem Bezirk Mossurize beschädigt. 

Es ist davon auszugehen, dass der starke Regen in den nächsten Tagen über die Flüsse Save, Buzi, Pungue und Sambesi nach Mosambik zurückkehren wird, was sehr wahrscheinlich zu neuen Überschwemmungen führt.

Was sind die Auswirkungen der Katastrophe?

Hanne Roden: Das Stadtzentrum von Beira und die umliegenden bebauten Gebiete sind durch den Zyklon stark betroffen. Der Strom ist seit Freitag Morgen ausgefallen, die Mobilfunk-Kommunikation funktioniert nicht mehr. Allerdings sind einige Informationen und Bilder aus der Region gesendet worden, nachdem ein Mobilfunkunternehmen für einen kurzen Zeitraum ein Netz herstellen konnte. Auch der Flughafen von Beira und der Flugsicherungsturm wurden beschädigt, sodass der gesamte Flugverkehr in und aus Beira bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags ausgesetzt wurden. Humanitäre Hilfsorganisationen haben z.T. Hubschrauber organisiert, um Zugang zur Stadt zu erhalten.

Es gibt Berichte, dass in großen Teilen der Wohngebiete in den Vororten die Häuser nahezu vollständig zerstört worden sind. Außerdem sind Schäden durch die vom Zyklon verursachten Überschwemmungen weit verbreitet. Der Präsident Mosambiks sprach gestern von befürchteten 1000 Toten durch die Katastrophe.

Was macht das Deutsche Rote Kreuz im Moment? Wie können wir helfen?

Hanne Roden: Das DRK unterstützt das Mosambikanische Rote Kreuz (CVM) bei seinen Bemühungen den Menschen zu helfen. Wir konnten schon vor dem Eintreffen des Zyklons drei Lastwagen mit Hilfsgütern in verschiedene Provinzen schicken. Einer davon erreichte die Vororte von Beira, bevor dort wichtige Hauptstraßen zerstört waren.

So konnten bereits 1.500 Sets mit Werkzeug und Hilfsmaterial für die Reparatur von Häusern verteilt werden. 127 Freiwillige des Mosambikanischen Roten Kreuzes versuchen, zu den Betroffenen zu kommen, Notunterkünfte zu errichten. Sie sind in der Region derzeit dabei, die Schäden abzuschätzen.

Bereits mit den ersten gesicherten meteorologischen Vorhersagen über den nahenden Zyklon hat das Deutsche Rote Kreuz vorbeugende Maßnahmen des Mosambikanischen Roten Kreuzes im Rahmen des Pilotprojekts zur vorausschauenden humanitären Hilfe (Forecast-based-Financing – FbF) unterstützt. Diese frühe Finanzierung von humanitären Maßnahmen bereits vor Eintritt der Katastrophe hat den Transport und die Bereitstellung von Hilfsgütern in den Provinzen Sofala, Sambezia und Manica ermöglicht. Wir haben z.B. Fahrzeuge angemietet, um die Bevölkerung vor Ort aufzuklären, und SIM-Karten beschafft, um die Bewertung der Lage und Koordinierung der Maßnahmen zu erleichtern.

Es wurde beschlossen, dass das Rote Kreuz ein Koordinationszentrum in Beira einrichten wird und von dort aus die humanitären Maßnahmen im Rahmen des Mandats kontinuierlich anpassen und auf die am stärksten betroffenen Gebiete konzentrieren wird.

Darüber hinaus nimmt das DRK an Sitzungen der GODE (Grupo Operativo de Emergencia - Notfall-Taskforce) des Mosambikanischen Roten Kreuzes teil, hilft bei der Koordination und berät bei der Umsetzung. Die Task Force trifft sich seit dem 7. März täglich mindestens einmal.

Was sind die größten Herausforderungen im Moment?

Hanne Roden: Die größten Herausforderungen sind zum einen der Zugang zum betroffenen Gebiet und zum anderen die Kommunikation. Der Zugang ist notwendig, um den Bedarf vor Ort einschätzen zu können und auf der Grundlage dieser Informationen über die am besten geeigneten Schwerpunkte und Maßnahmen zu entscheiden. Es wurde jedoch bereits beschlossen, dass sich das Rote Kreuz auf die unmittelbaren (Not-)Unterkünfte, Wasser, Sanitär und Hygiene sowie auf Gesundheitsbedarfe konzentrieren wird.  Aufgrund der aktuell schwierigen Lage in den meisten betroffenen Gebieten muss zunächst einmal genau analysiert und erhoben werden, welche konkreten Maßnahmen möglich sind. Da weitere Überschwemmungen zu erwarten sind, werden Reparaturarbeiten an zerstörten Brücken und Straßen von den staatlichen Institutionen erst in den kommenden Tagen initiiert werden. 

Was wird am dringendsten benötigt?

Hanne Roden: Dringend benötigt werden vor allem Werkzeug und Baumaterial, Küchen- und Kochutensilien, Wasseraufbereitungs-Tabletten/Trinkwasser, Schutzplanen sowie Matten.

Wie werden die kommenden Tage aussehen?

Hanne Roden: Die Arbeit der nächsten Tage wird geprägt sein von Lagebewertungen und Datenerhebungen, um einen Überblick über die Schäden und Bedarfe zu erhalten. Darüber hinaus wird die Koordinierung der verschiedenen humanitären Akteure unter der Leitung des Nationalen Instituts für Katastrophenmanagement (INGC) eine wichtige Rolle spielen.

Hintergrund: Die Stadt Beira

Beira ist das viertgrößte städtische Zentrum Mosambiks und wird oft auch als "Hauptstadt Zentralmosambiks" bezeichnet. Insgesamt leben dort rund 534.000 Menschen in 125.300 Haushalten.

Die Küstenstadt wird im Osten vom Indischen Ozean und im Süden/Westen vom Delta des Pungue River begrenzt. Die Stadt liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, und selbst kleine Überschwemmungen und Regenfälle verursachen häufig Überschwemmungen in den verschiedenen Teilen des städtischen Gebiets.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

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