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Hinter den Kulissen: Hilfsflug nach Liberia

Wenn eine Region von einer Naturkatastrophe ereilt wird, brauchen die Menschen vor Ort dringend schnelle Hilfe. In Westafrika erkranken derzeit Hunderte Menschen an Ebola. Das DRK hat zusätzlich zwei Hilfsflüge nach Westafrika entsandt. Clemens Pott, DRK-Leiter Logistik, ist für die logistische Vorbereitung und Durchführung der DRK-Hilfsflüge verantwortlich. Er hat auch den Hilfsflug nach Liberia organisiert.

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Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Wie lange dauert es, bis ein Hilfsflug startet, nach dem die Entscheidung für den Start eines solchen gefallen ist?

Clemens Pott: Drei bis vier Tage müssen wir auf jeden Fall einplanen. Der logistische Aufwand, um den Flug an den Start zu bringen, braucht seine Zeit. Dennoch sind wir recht schnell. Im Fall des Hilfsfluges nach Liberia haben wir vier Tage benötigt.

DRK: Wie beschaffen Sie denn in dieser kurzen Zeit ein Flugzeug?

Pott: Wir arbeiten mit mehreren Brokern zusammen, die innerhalb eines halben Tages Flugzeuge vorschlagen. Die Broker haben Zugriff auf einen Pool, in dem sie herausfiltern können, welche Flugzeuge verfügbar sind.

DRK:  Woher wissen Sie, was überhaupt gebraucht wird?

Pott: Bei fast allen Katastrophenfällen schicken das DRK oder das Internationale Rote Kreuz Erkundungsteams vorab in das betroffene Gebiet. Die Teams erfassen innerhalb kürzester Zeit, welche Güter fehlen. So können wir gezielt einkaufen.

DRK: Wie können Sie die Hilfsgüter so schnell einkaufen?

Pott: Wir arbeiten seit Jahren eng mit einigen Lieferanten zusammen, die unseren Bedarf kennen und im Katastrophenfall schnell zuliefern können. Im Fall des Hilfsfluges nach Liberia war es etwas komplizierter. Natürlich haben wir bestimmte Hilfsgüter, wie z.B. „mobile Krankenhäuser“ und auch eine Isolierstation in unseren Logistiklagern auf Abruf vorrätig. Allerdings war eine Isolierstation nicht ausreichend. Auch an Schutzanzügen und weiterem Material für diesen Sonderfall fehlte es uns. Da wir nicht die einzige Organisation sind, die diese Ausrüstungen benötigen, war der Markt sehr angespannt und Hilfsgüter nur begrenzt verfügbar. Die Beschaffung aller benötigten Materialien war daher eine Herausforderung. Letztlich konnten wir aber alles organisieren.

DRK: Haben Sie Unterstützung bei den Einkäufen?

Pott: Solche Hilfsflüge bergen einen enormen logistischen Aufwand. Von der Einkaufsliste, Preisabfrage, Zusammenstellung der Hilfsgüter für den Flieger, Einkauf, Zusammenstellung der Zolldokumente, bis hin zum Check der Entlademöglichkeiten in Liberia und der Beauftragung eines Spediteurs für den Transport zur DRK-Station vor Ort, sind extrem viele bürokratische Schritte innerhalb kürzester Zeit zu leisten. Dabei helfen mir die Kollegen von der Beschaffung und aus dem Logistikzentrum. Den Hilfsflug nach Liberia haben insgesamt fünf Personen organisiert.

DRK: Nach Liberia gingen drei Fahrzeuge. Gibt es da Besonderheiten zu beachten?
Pott: Die Fahrzeuge müssen vorab durch den Werkstattcheck, dürfen während des Fluges nicht betankt sein und müssen den Maßstäben des DRK entsprechen. Darüber hinaus verhält es sich mit den Fahrzeugen wie mit allen anderen Hilfsgütern auch. Nach Liberia sind auch Schutzausstattung für die Behandlung der Ebola-Patienten, sechs Tonnen Desinfektionsmittel, ein Ersatzstromerzeuger, Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial entsendet worden.

DRK: Läuft immer alles glatt oder kommt es auch mal zu Schwierigkeiten?

Pott: Bei diesem Thema denkt man durchaus an den Zoll, der Probleme machen könnte. Aber das haben wir eigentlich immer im Griff, da wir die Dokumente schon vorab an den Spediteur senden. Wir profitieren hier auch wieder von unserer langjährigen Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen im entsprechenden Land.

Dafür hatten wir bei dem Flug nach Liberia kurzzeitig ein anderes Problem. Wir dachten, dass ein Teil der Ladung verloren gegangen ist. Um so etwas auszuschließen bin ich oder meine Kollege Peter Ossowski bei jeder Beladung des Fliegers in Berlin Schönefeld dabei. Wir passen auf, dass auch alle Hilfsgüter an Bord gehen. Dieser Flug hatte jedoch einen Zwischenstopp in Sierra Leone. Wir dachten schon, die Ladung wäre versehentlich mit ausgeladen worden. Gott sei Dank fand der Spediteur nur wenige Stunden später die Ladung zwischen anderen Hilfsgütern. Sie wurde einfach nur nicht gesehen. In so einem Moment ist man doch ganz schön unter Anspannung.

DRK: Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen viel Erfolg bei den Vorbereitungen weiterer Hilfsflüge, möglichst ohne Pannen.

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