Foto: DRK-Mitarbeiterin hält Geldscheine und einen Briefumschlag in der Hand - Detailaufnahme Irakischer Roter Halbmond / DRK
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Bargeldhilfen: Effektive und flexible Unterstützung

Ob in der Nothilfe, beim Wiederaufbau oder in der Entwicklungszusammenarbeit: Die Hilfsleistungen der humanitären Arbeit sind so unterschiedlich wie die Notfälle, Katastrophen und Krisen. In letzter Zeit kommen aber neben der traditionellen Hilfe wie der Verteilung von Waren und Gütern immer häufiger Bargeldzahlungen zum Einsatz, um Bedürftige zu unterstützen. Diese Art der Hilfsleistung hat sich in der humanitären Hilfe inzwischen bewährt. Doch was sind Bargeldhilfen, wie funktionieren sie und warum haben sie sich bewährt? Ein Überblick.

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Was sind Bargeldhilfen?

Bargeldhilfen – oder auch Cash Transfers genannt – sind eine Form der Hilfe, die notleidende Menschen Zugang zum Überlebensnotwendigsten gewährleisten wie etwa Nahrungsmittel, Wasser oder andere lebenswichtige Güter. Sie kommen sowohl in Krisen- oder Katastrophenfällen zum Einsatz als auch beim Wiederaufbau nach Katastrophen und in langfristigen Entwicklungsprojekten. Sie werden in vielen Bereichen eingesetzt und finden somit in der Ernährungssicherung, bei Wasser- und Hygienemaßnahmen, sowie bei Bauprojekten und vielem mehr Verwendung. Zudem können Bargeldhilfen uneingeschränkt eingesetzt werden und müssen auch nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft sein– etwa eine Gegenleistung in Form von Arbeit oder aber sind limitiert auf bestimmte Güter. Sie können einmalig oder wiederholt stattfinden.

Neben der direkten Auszahlung bzw. Überweisung von Bargeld gibt es weitere Formen, zum Beispiel: Wert-, Waren- oder Dienstleitungsgutscheine und sogenannte Cash-for-Work-Programme, in deren Rahmen Begünstigte für Arbeiten zur Verbesserung oder zum Wiederaufbau ihrer Gemeinde bezahlt werden.

Wie helfen Bargeldzahlungen?

Cash Transfers, allen voran bedingungslose Bargeldhilfen, haben eine Reihe von Vorteilen: Sie ermöglichen es den Bedürftigen, selbst zu entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben, und sie lassen sich flexibel an die individuellen Bedingungen der Menschen anpassen, wie etwa Größe von Familien und deren Bedürfnisse.

Viele Studien und unsere Erfahrungen aus unseren laufenden Projekten, in denen Bargeldhilfen eingesetzt werden, haben die Vorteile dieser Art von Hilfe belegt. Von Bargeldhilfen begünstigte Menschen überlegen sehr genau, was sie wann und wofür kaufen. Dieser Entscheidungsspielraum zur Selbsthilfe gibt den Bedürftigen nicht nur ein Stück Würde zurück. Zum einen werden Bedürftige dank Bargeldhilfen nicht mehr so schnell als solche in der Öffentlichkeit erkannt. Und zum anderen ermöglichen sie ihnen ein selbstbestimmteres Leben, das sie unabhängig von Hilfsgütervergaben führen können. Von dieser Hilfe profitiert neben den Bargeldempfängern auch der lokale Handel. Die erhöhte Nachfrage nach Gütern und der Handel mit diesen stärkt den Markt.

Überdies sind Bargeldzahlungen eine sehr effiziente Form der Hilfe, denn Transport- und Lagerkosten sowie Transportwege, die etwa bei Lebensmittelverteilungen anfallen, erübrigen sich. Außerdem sind Bargeldhilfen schneller bei den Menschen, denn aufwendige Beschaffungsvorgänge für Hilfsgüter und deren Verteilung fallen weg. So können von den begrenzten Hilfsbudgets mehr Menschen schnellere Unterstützung erhalten. Die Höhe von Bargeldhilfen wird im Bezug zu den aktuellen Marktpreisen der jeweiligen Region oder des jeweiligen Landes und je nach aktueller Situation im Land festgelegt

In Somalia untersützt das Rote Kreuz von der Dürre betroffene Familien mit Bargeld gegen die drohende Hungersnot - auch die Familie des Bauern Isaaq Gaas aus Anjaraale.

Wie läuft ein Bargeldhilfe-Programm ab?

Damit Bargeldhilfe-Programme umgesetzt werden können, gelten einige Voraussetzungen: Die regionalen Märkte müssen funktionieren und für die Menschen zugänglich sein. Je nach Verteilsystem sollten Bank- oder Postfilialen, bzw. ein mobiles Handysystem zur Verfügung stehen. Nationale Gesetze des jeweiligen Landes müssen beachtet und die Akzeptanz in der Bevölkerung gesichert sein. Und natürlich muss die Finanzierung für das Projekt stehen. Wenn alle Voraussetzungen stimmen, kann es losgehen. Eine nicht an Bedingungen gebundene Bargeldzahlung kann wie folgt ablaufen:

  1. Zunächst werden die Begünstigten durch die Nationale Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaft anhand bestimmter Kriterien ausgesucht. Im Vordergrund steht dabei immer das Maß der Not der Betroffenen. Oft fallen darunter frauengeführte Haushalte, Haushalte mit unterernährten Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung. Die Helfer identifizieren die Teilnehmer stets in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden – Dorfältesten, Gemeindevorstehern, Lehrern, Hebammen.
  2. Die Registrierung für die Bargeldhilfen findet an einem festgelegten Termin statt, über den die Teilnehmenden informiert werden. An diesem Tag werden die Empfänger registriert und erhalten dann gegebenenfalls in der regional möglichen Art und Weise – zum Beispiel über ein Bankkonto, Geldkarten, Mobiltelefon – Zugang zu dem jeweiligen Geldtransfer.
  3. Schließlich können die Empfänger ihre Bargeldhilfen einlösen und die Dinge kaufen, die sie am nötigsten brauchen. Häufig können sich die Teilnehmer bei Fragen oder Schwierigkeiten – etwa beim Abholen am Bankautomaten oder mit der Bezahlung durch das Mobiltelefon – an eine unabhängige Service-Hotline wenden, um die Probleme zu lösen.

Als Hilfsorganisation beobachten wir die Wirkung der Bargeldhilfen stetig und werten die Ergebnisse aus, um sicher zu gehen, dass die Maßnahme Not lindert und um – wenn nötig – Anpassungen vorzunehmen.

Bargeldhilfen beim Deutschen Roten Kreuz

Bargeldhilfen kommen beim Deutschen Roten Kreuz in verschiedenen Projekten  zum Einsatz, vor allem durch neue Techniken des Geldtransfers vermehrt in der Auslandsnothilfe. So können syrische und irakische Flüchtlinge im Libanon und im Irak mit der finanziellen Hilfe des DRK ihre Grundbedürfnisse decken. In Somalia erhalten Menschen, die unter den Folgen der Dürre leiden, Bargeld, um sich Nahrungsmittel und Wasser kaufen zu können und ihre zerstörte Lebensgrundlage wieder aufzubauen. In der Ukraine verteilen wir Einkaufs- und Apothekengutscheine an Binnenflüchtlinge.

Nach den Taifunen Haiyan und Melor hat das DRK die Betroffenen auf den Philippinen mit Bargeld unterstützt. Unter anderem erhielten Bauern und Fischer Starthilfen, um sich Einkommensquellen zu erschließen. In Pakistan konnten sich die Betroffenen eines schweren Erdbebens dank der finanziellen Hilfen wichtige Güter wie Lebensmittel, Medizin, Kleidung und Schulmaterialien kaufen. Nicht nur nach Katastrophen, sondern als Vorsorgemaßnahme kommen Bargeldhilfen derzeit in Bangladesch zum Einsatz: Zeigen Wetterprognosen ein kritisches Risiko für Stürme und Überschwemmungen, leisten wir frühzeitig finanzielle Hilfe, damit sich die Menschen in gefährdeten Regionen entsprechend darauf vorbereiten können.

Projektbeispiele

  • Irak

    Aufgrund von Kämpfen um die zweitgrößte irakische Stadt Mossul sind viele hunderttausend Iraker geflohen. Mit dringend benötigten Hilfsgütern, wie Trinkwasser und Decken, unterstützt das DRK die Nothilfe des Irakischen Roten Halbmonds.
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  • Libanon

    Seit Beginn der Syrienkrise haben über 1 Mio. Menschen Zuflucht im benachbarten Libanon gesucht. Auf der Suche nach Unterkunft, Versorgung und Sicherheit vor Gefechten benötigen sie auch fünf Jahre nach Ausbruch des Konfliktes dringend Unterstützung.
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  • Ukraine: Hilfe für Binnenflüchtlinge

    Die Ukraine befindet sich immer noch in einer Krise. Aus den umkämpften Gebieten um Lugansk und Donetsk fliehen weiterhin tausende Menschen. Das DRK unterstützt die Region Charkov bei der Versorgung der Binnenflüchtlinge.
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  • Somalia

    Akute Dürre bedroht die Lebensgrundlage in Somalia. Das DRK leistet Nothilfe, denn ein Großteil der Viehherden ist nach fehlendem Regen verendet. Die Menschen leiden zudem selbst unter starkem Wassermangel.
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