Tadschikistan: Traumabewältigung nach dem Erdbeben

Die fünfjährige Mohira hat morgens noch immer Angst die Haustür zu öffnen und nach draußen zu gehen. Sie wird immer noch von den Erinnerungen an ein schreckliches Erlebnis verfolgt.

Helfen Sie uns mit einer Spende!

Jede noch so kleine Spende hilft dem DRK bei der Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen.

Am 13. Mai 2012 wurde der Osten Tadschikistans von einem Erdbeben der Stärke 5,7 erschüttert, Mohiras Dorf lag in der Nähe des Epizentrums und war am schwersten betroffen. Über 200 Häuser wurden zerstört oder beschädigt, über 2.000 Menschen brauchten Notunterkünfte und sofortige Hilfe.

Mohiras Mutter wachte kurz vor dem Beben auf und spürte die ersten Erdstöße. Sofort rüttelte sie ihre Kinder wach und öffnete die Tür, damit sie hinaus rennen konnten. Alle kamen heraus, außer einer. Die Mutter merkte nicht, dass ihre kleine Tochter zurück geblieben war. Sie wusste nicht, dass Mohira unter herunter gefallenem Putz festsaß und sich nicht alleine befreien konnte.

Mit sorgenvollen Augen sagt Mohiras Mutter: „Wie vertreibe ich die schlechten Erinnerungen aus dem Gedächtnis meines kleinen Mädchens? Wie kann ich mir selbst verzeihen? Mohiras Herz ist voller Angst.“

Viele Kinder, die das verheerende Erdbeben überstanden, leben noch immer in Schock und Angst nach dem Erlebnis. Um den Menschen zu helfen, das Trauma nach dem schweren Erdbeben zu bewältigen, hat die Tadschikische Rothalbmond-Gesellschaft das bisher größte psychosoziale Hilfsprojekt gestartet - mit Hilfe der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) und des Europäischen Amtes für humanitäre Hilfe (ECHO).

Ausgebildete Psychologen des Roten Halbmonds besuchten Dörfer und Schulen und sprachen mit Erwachsenen und Kindern, um ihnen zu Alltag und Normalität zurück zu helfen.

Sharifa, eine 22-jährige Studentin, die mit ihren Eltern und drei Schwestern zu Hause war, erzählt, sie erinnere sich an die schrecklichen Geräusche der bebenden Erde und an die Angst, nicht zu wissen, was geschah oder was zu tun sei. Viele Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut in ihren zerstörten Häusern.

Die ersten, die zu Hilfe kamen, waren Bewohner der Nachbardörfer, die wesentlich weniger betroffen waren als Gharibon. Sie brachten Essen und nahmen Familien in ihren Häusern auf. In den folgenden Tagen gelangten Zelte und Lebensnotwendiges wie Lebensmittel, Decken und Küchenutensilien von den Behörden und der Rothalbmond-Gesellschaft von Tadschikistan in das Dorf. Familien, deren Häuser zerstört wurden, bekamen Baumaterialien von der Regierung und Werkzeug vom Roten Halbmond. Zudem wurde ihnen gezeigt, wie sie neue, stabilere Häuser bauen können, die diesen Katastrophen standhalten können.

Haqrizo, der Vater von 12 Kindern, ist Baumeister. Er war am Morgen des Erdbebens nicht im Dorf. Zwei Tage hinterher kehrte er zu seinem zerstörten Haus zurück. Er sagt, er hätte nicht gedacht, dass eine solche Katastrophe passieren könne. Er wusste nicht, dass es wichtig ist, ein Haus nach bestimmten Vorgaben zu bauen, um seine Familie vor den verheerenden Folgen eines Erdbebens zu schützen. Jetzt, wo er vom Roten Halbmond dieses Wissen und die Fähigkeiten gelernt hat, möchte er für sich und seine Nachbarn bessere Häuser bauen.

Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sowie ECHO unterstützten über 3.000 Menschen, die von diesem verheerenden Erdbeben betroffen waren, mit wichtiger Nothilfe und halfen Familien, in Zukunft besser auf weitere Katastrophen vorbereitet zu sein.

Von Abdulfattoh Shafiev in Tadschikistan

zum Anfang

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Erfahren Sie mehr

OK